Airlines Parkplatz Wüste

Acht Milliarden Dollar haben die Airlines im vergangenen Jahr zusammen verloren. Jetzt legen immer mehr Konzerne ihre Jets still - auf einem Friedhof für Flugzeuge.

Von Jens Flottau

Das Evergreen Air Center weiß seine Vorzüge herauszustellen. "Ihr Flugzeug wird auf einer Anlage im trockenenen Südwesten abgestellt, wo für ein für diesen Zweck ideales Klima herrscht", wirbt das Unternehmen. Die Maschinen rosten nicht, rund um die Uhr werden sie bewacht, damit sich den teuren Stücken ja niemand nähert. Und bei Bedarf bietet Evergreen auch Reparaturen und Wartung an.

Flugzeugfriedhöfe wie der von Evergreen in Marana/Arizona erleben gerade einen ungekannten Boom. Denn noch nie in den vergangenen Jahrzehnten ging es den Fluggesellschaften so schlecht: Ihr Weltverband International Air Transport Association (IATA) geht mittlerweile davon aus, dass seine Mitglieder 2008 einen Verlust von insgesamt acht Milliarden Dollar gemacht waren. Ursprünglich hatte die IATA einen Verlust von fünf Milliarden prognostiziert, jedoch ist der Verkehr in den letzten drei Monaten des Jahres deutlich stärker eingebrochen, als angenommen. Hinzu kommt, dass viele Airlines sich bei ihren Treibstoffsicherungsgeschäften verspekuliert haben, weil sie auf steigende Preise gesetzt hatten.

Jets - aus dem Verkehr gezogen

Im Januar 2009 ging die Zahl der Passagiere um 5,6 Prozent zurück. Die Airlines beförderten zudem 23,2 Prozent weniger Fracht. Damit waren die Ergebnisse noch schlechter als im Dezember 2008. "Die Industrie befindet sich in einer globalen Krise und wir haben ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht", so IATA-Chef Giovanni Bisignani.

Die Fluggesellschaften versuchen, ihre Kapazität so schnell wie möglich zu verringern, um nicht leere Jets herumfliegen zu müssen. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Ascend haben sie bereits im vergangenen Jahr rund 1200 Flugzeuge stillgelegt, so viele wie noch nie zuvor innerhalb eines Jahres. Damals war allerdings noch nicht erkennbar, wie sehr die Nachfrage nach Flügen zurückgehen würde, Grund für die Einschnitte waren eher die bis Mitte 2008 extrem stark gestiegenen Kerosinpreise. Die Ascend-Berater schätzen deswegen, dass bis Ende 2009 noch einmal so viele große Verkehrsmaschinen eingemottet werden. Insgesamt stünden dann fast 15 Prozent der aktuellen Flotte dauerhaft am Boden. So viele waren es noch nie. Laut IATA haben die Airlines im Januar etwa 100 Jets aus dem Verkehr gezogen. Selbst die vergleichsweise gesunde Lufthansa hat bereits vier Flugzeuge, ältere Maschinen des Typs Airbus A300, geparkt.

Airline-Deals auf der Kippe

Die IATA kritisiert allerdings bereits, dass die Airlines zwar reagieren, "aber nicht schnell genug." Jetzt rächen sich die zahlreichen Großaufträge für neue Flugzeuge, die sie in den guten Zeiten erteilt haben. Ob sie wollten oder nicht, mussten sie deswegen im Januar 93 neue Flugzeuge übernehmen, unter dem Strich ist damit die Kapazität der Branche nur um zwei Prozent gesunken. Auch die Lufthansa muss in diesem Jahr mehr als 50 neue Flugzeuge übernehmen, für die die Liefertermine seit langem vereinbart sind. Dafür will sie eine gleiche Zahl älterer Muster loswerden, damit sie wenigstens nicht wachsen muss.

Wenn die Banken weltweit nicht bald wieder Kredite vergeben, mit denen die Airlines ihre vor mehreren Jahren bestellten neuen Flugzeuge finanzieren können, dann könnten bald auch nagelneue Maschinen ganz ohne Abnehmer und Logos in der Wüste landen - ein Alptraum für die beiden Hersteller Airbus und Boeing. Knapp 1000 Jets wollen diese in diesem Jahr ausliefern, doch längst erscheint ihr Ziel angesichts der andauernden Kreditkrise als unrealistisch. Die Investmentbank JP Morgan glaubt, dass ein Drittel der für 2009 vorgesehenen Auslieferungen auf der Kippe stehen.

In wirtschaftlich guten Zeiten gammeln in Marana nur ein paar alte Maschinen vor sich hin und warten darauf, verschrottet zu werden. Doch die neuen Flugzeuge, die dort jetzt abgestellt werden, sollen wieder reaktiviert werden, wenn sich die Lage gebessert hat. Und dass die Maschinen in gutem Zustand erhalten bleiben, lassen sich die Spezialisten teuer bezahlen: Rund 50.000 Dollar sind als Parkgebühr für ein Jahr fällig. Dafür werden die Türen nach Wunsch täglich geöffnet, um die Kabine zu lüften. Die Fenster werden abgedeckt, um Stoffe und Sitzbezüge vor der starken Sonneneinstrahlung in der Wüste Arizonas zu schützen. Auch die Triebwerke werden mit Plastikfolien eingehüllt. Und ab und zu dürfen die Jets ein wenig vor und zurück rollen, damit die Reifen nicht beschädigt werden. Wenn sie wieder gebraucht werden, sollen sie einfach losfliegen können.

Flughafen der Zukunft

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