Der Airbus-Gesamtbetriebsrat und die IG Metall beraten heute in Hamburg über die Sanierungspläne des Flugzeugbauers - unterdessen gehen die Proteste an verschiedenen deutschen Standorten und in Frankreich weiter.
Nach Bekanntwerden der Airbus- Sanierungspläne haben die Beschäftigten in den niedersächsischen Werken Varel und Nordenham auch am Donnerstag die Arbeit ruhen lassen.
In Frankreich und Deutschland legten Mitarbeiter gestern spontan die Arbeit nieder (© Foto: Reuters)
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An den Werken gab es Proteste von mehreren hundert Arbeitnehmern. "Diese Entscheidung werden wir so nicht hinnehmen", sagte ein Betriebsratsmitglied vor dem Werk in Varel am Morgen zu den Plänen des EADS-Konzerns.
Das Werk mit 1350 Mitarbeitern steht vor dem Verkauf. Nordenham mit 2200 Beschäftigten soll an einen Partner abgegeben werden. "Wir streiken nicht, wir streiten um den Erhalt der Arbeitsplätze", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jürgen Blümel.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) kritisierte in Medien die Entscheidung des Konzerns. Airbus habe volle Auftragsbücher und brauche jeden Arbeitsplatz. Die IG Metall forderte die Bundesregierung auf, sich für den Verbleib der Airbus-Standorte Varel und Laupheim (Baden-Württemberg) im Unternehmen einzusetzen. Die Gewerkschaft werde eine Schließung der Standorte nicht akzeptieren, sagte die Chefin des Gewerkschaftsbezirkes Küste, Jutta Blankau, am Donnerstag dem Deutschlandradio. "Der Zug ist noch nicht abgefahren."
Im Airbus-Werk in Laupheim haben sich nach Angaben der IG Metall rund 1.000 Beschäftigte an einer Protestkundgebung beteiligt. Sprecher Kai Bliesener sagte am Donnerstag: "Die Arbeit im Werk steht still." Die Beschäftigten machten mit Plakaten und einem gellenden Pfeifkonzert ihrem Unmut Luft. Auf den Transparenten stand unter anderem: "Gelobt, verraten, verkauft." Das Werk in der Nähe von Ulm soll nach den Plänen zur Sanierung des Flugzeugbauers verkauft werden. In der Produktionsstätte sind 1.200 Mitarbeiter beschäftigt.
Bereits am Mittwoch hatten Beschäftigte in den niedersächsischen Städten Varel und Nordenham sowie im baden-württembergischen Laupheim die Arbeit niedergelegt. Unabhängig von den Stelleneinsparungen will Airbus für die Werke in Varel, Laupheim sowie im französischen St. Nazaire verschiedene Möglichkeiten ausloten. Dazu zählt neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch eine Abgabe an das Management oder die Zusammenlegung mit anderen Werken.
Widerstand gegen die Unternehmensentscheidung signalisierte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bereits im ARD-Nachtmagazin. Er will in den nächsten Tagen mit Konzernspitze und Betriebsrat über Alternativen zum Werksverkauf sprechen.
Niedersachsens SPD-Chef Garrelt Duin hat sein Bundesland als den Hauptleidtragenden des Airbus-Spanplans bezeichnet. "Niedersachsen ist der Verlierer", sagte Duin der in Hannover erscheinenden Neuen Presse vom Donnerstag. Die bedrohten niedersächsischen Werke Nordenham und Varel müssten im Airbus-Verbund bleiben.
Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) zeigte sich dagegen erleichtert, dass die Flügelfertigung weiter in der Hansestadt bleiben soll. "Die Flügelausrichtung ist die Kernkompetenz des Standorts und damit entscheidend für die Zukunft", sagte Böhrnsen dem Tagesspiegel vom Donnerstag. "Dafür haben wir in den vergangenen Wochen immer gekämpft. Das war ein hartes Stück Arbeit", fügte er hinzu.
Bremen hatte befürchtet, dass im Rahmen der Umstrukturierung des Flugzeugbauers die Flügelfertigung nach England abgezogen wird und vor dem Verlust von 2000 Arbeitsplätzen gewarnt.
Der deutsche EADS-Co-Chef Tom Enders sagte, bei dem Sanierungsprogramm "Power8" sei es darum gegangen, die Lasten und Härten der Airbus-Restrukturierung ebenso "einigermaßen fair" zu verteilen, wie die Zukunftschancen. "Ich denke, das ist uns jetzt gut gelungen".
Auch der Geschäftsführer von Airbus Deutschland, Gerhard Puttfarcken, sieht trotz der Verkaufspläne gute Perspektiven für die deutschen Airbus-Werke. "Die Voraussetzungen sind gut, die Auslastung ist über Jahre gegeben", sagte Puttfarcken in einem dpa- Gespräch. Er werde sich am Freitag dem Dialog mit dem Mitarbeitern stellen und Betriebsversammlungen in den Werken besuchen.
"Sorgfalt geht vor Schnelligkeit", sagte der Airbus- Deutschlandchef mit Blick auf die Suche nach Kooperationspartnern und Kaufinteressenten für die Werke in Nordenham, Varel und Laupheim. Er rief angesichts der spontanen Arbeitsniederlegungen nach Bekanntgabe des Sanierungsprogramms "Power8" am Mittwoch zur Besonnenheit auf. Die Situation sei aber schwierig. "Wir haben uns da eine Menge vorgenommen, das ist nicht einfach im Reiseflug zu erledigen."
Puttfarcken warnte davor, Airbus insgesamt als Krisenfall und unsicheren Arbeitgeber zu sehen. "Wir suchen weiterhin zum Beispiel Ingenieure im Bereich Kabine und Elektrik", sagte der Airbus- Deutschlandchef. "Wir können Bewerbern auch eine langfristige Perspektive bieten."
Die Diskussion um ein Nachfolgemodell für die Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge der A320-Familie ist nach Angaben von Puttfarcken eher eine langfristige Frage: "Wir haben derzeit noch einen riesigen Auftragsbestand für das aktuelle Modell, der erstmal abgearbeitet werden muss." Für die A318, A319, A320 und A321 verbuchte Airbus insgesamt bisher rund 7000 Aufträge, 2000 davon sind noch nicht abgearbeitet.
Nach den Plänen des Tochterunternehmens des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS sollen in Deutschland 3700 Stellen wegfallen. Weitere 4300 Arbeitsplätze seien in Frankreich betroffen - davon 1100 auf die Airbus-Zentrale in Toulouse. In Großbritannien sind es 1600 Stellen und 400 in Spanien. 5000 der genannten Stellen seien mit "Zeitarbeitskräften oder Unterauftragnehmern" besetzt. Der Abbau soll in einem Zeitraum von vier Jahren realisiert werden.
(dpa/AP)
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