Von Jens Flottau

Eine der weltgrößten Leasinggesellschaften plant offenbar, den Kauf von zehn A380-Fliegern zu stornieren. Für den Hersteller Airbus wäre das eine Katastrophe.

Flugzeughersteller Airbus droht seinen ersten Kunden für den Airbus A380 zu verlieren.

Airbus, AP

Eine der weltgrößten Leasinggesellschaften erwägt, den Kauf von zehn Airbus A380 zu stornieren. (© Foto: AP)

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Das Leasingunternehmen International Lease Finance Corporation (ILFC) erwägt laut Vorstandschef Steven Udvar-Hazy ernsthaft, einen Auftrag für zehn Flugzeuge zu stornieren. "Wir können zwischen Januar und Juni 2010 ohne Strafzahlungen aussteigen", sagte Hazy der Süddeutschen Zeitung am Rande der IATA-Jahresversammlung in Kuala Lumpur.

Er bestätigte indirekt auch den bevorstehenden Verkauf von ILFC an ein Konsortium von Finanzinvestoren. "Ich sehe grundsätzliche strukturelle Veränderungen in der Branche und darin, wie die Airlines über den A380 denken", so Hazy. "Es haben sich weniger Fluggesellschaften für die Maschine entschieden, als wir ursprünglich dachten, und es gibt weniger Strecken, auf denen sich das Flugzeug wirtschaftlich rechnet."

Auch zeitliche Verschiebung möglich

ILFC ist gemeinsam mit General Electric Capital Aviation Services (GECAS) der größte Leasinganbieter im Luftverkehr. Das Unternehmen ist außerdem sowohl für Boeing als auch für Airbus der größte Einzelkunde.

Sollte ILFC tatsächlich den A380-Auftrag stornieren, wäre das für Airbus ein riesiger Rückschlag. Denn nicht nur würde ein Auftrag über zehn Maschinen im Wert von über zwei Milliarden Euro verschwinden. Der Schritt wäre ein fatales Signal für das Programm. Schließlich haben zuletzt mehrere Kunden, darunter China Southern, Air France und Qantas angekündigt, Auslieferungstermine zu verschieben, weil sie keine zusätzlichen Flugzeuge übernehmen wollen.

ILFC hat Hazy zufolge noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Neben einem völligen Ausstieg komme auch eine zeitliche Verschiebung in Frage. ILFC könne die A380-Bestellung auch in einen Auftrag für andere Airbus-Modelle umwandeln. Hazy argumentiert, dass immer mehr Fluggesellschaften es für viel zu riskant halten, Maschinen der Größe eines A380 zu betreiben, zumal in der aktuellen Wirtschaftslage. Für Leasingunternehmen sei der A380 ebenso ungeeignet, weil die Kosten der Umrüstung von einem Kunden zum nächsten mit ungefähr 25 Millionen Dollar zu hoch seien. Hazys Urteil zur Frachtversion des A380 ist ebenfalls eindeutig: "Der Frachter ist tot."

Gedrosselte Produktion

Airbus musste erst vor wenigen Wochen die Produktion für das Großraumflugzeug von zuletzt 19 Maschinen auf 14 reduzieren. Für 2010 werden es voraussichtlich mehr als 20 Flugzeuge werden. "Bei diesen Produktionsraten wird Airbus niemals Geld mit dem A380 verdienen", sagt Hazy.

Indirekt bestätigte Hazy der SZ auch, dass der Verkauf von ILFC an ein Konsortium unter der Führung des kanadischen Finanzinvestors Onex Corporation kurz bevorsteht. Darauf angesprochen, ob er das Geschäft bestätigen könne, sagte Hazy: "Ich sage nicht nein." ILFC war bislang eine Tochtergesellschaft des Versicherungskonzerns American International Group (AIG), der mittlerweile weitgehend verstaatlicht ist. ILFC konnte bislang vor allem wegen des hohen Kreditratings Flugzeugaufträge billiger finanzieren, als die eigenen Kunden. Neben dem Konsortium um Onex und die Greenbriar Equity Group wird sich voraussichtlich auch das Management um Firmengründer Hazy beteiligen.

Hazy bestätigte, dass er selbst auch nach dem Verkauf weiter an der Spitze des Unternehmens stehen werde. Sobald das Geschäft in trockenen Tüchern ist, will ILFC in großen Stil neue Flugzeuge bei Airbus und Boeing bestellen. "Es ist gut, in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu kaufen, weil man dann bessere Preise aushandeln kann", so Hazy. Die einzige offene Frage sei angesichts der Bankenkrise, wie die Flugzeuge finanziert werden könnten. Ein Ziel bei der Übernahme durch Onex und Greenbriar sei es, wieder ebenso günstig an Kredite zu kommen, wie früher als AIG-Tochter.

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(SZ vom 09.06.2009/tob)