Air Berlin Entscheidung über Air-Berlin-Aufspaltung verschoben

Die Bieterfrist für Air Berlin endet nun doch nicht wie zunächst geplant diesen Freitag, sondern erst nach der Bundestagswahl am 25. September.

(Foto: Roland Weihrauch/AFP)
  • Erst am 25. September soll entschieden werden, wer welche Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin bekommt - also nach der Bundestagswahl.
  • Bislang galt der 21. September als Deadline, doch nun gibt es offenbar neue Probleme bei der Finanzierung.
  • Ihre Angebote für Teile von Air Berlin müssen die Bieter schon bis diesen Freitag abgeben.
Von Jens Flottau, Frankfurt

Jetzt ist es offiziell: Die Entscheidung über die Aufspaltung Air Berlins fällt nicht wie geplant am 21. September, sondern erst nach der Bundestagswahl. "Der Plan ist, am 25. September die endgültigen Entscheidungen zu treffen", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag. Wie Reuters erfuhr, tagt auch der Aufsichtsrat von Air Berlin am 25. September. In Branchenkreisen heißt es, die Vorverhandlungen verliefen extrem schwierig und würden dadurch erschwert, dass Bieter weiteren Kapitalbedarf bei Air Berlin in der Übergangsphase erwarten. Deshalb werde die Entscheidung darüber, wer welche Teile von Air Berlin bekomme, verschoben.

Verbindliche Angebote müssen bis diesen Freitag abgegeben werden. Zuletzt erklärte der ehemalige Formel 1-Rennfahrer Niki Lauda, er werde in einem Konsortium gemeinsam mit der Ferienfluggesellschaft Condor für die von ihm einst gegründete Air-Berlin-Tochter Niki sowie 17 weitere Flugzeuge bieten. An dem Konsortium soll Lauda 51 Prozent der Anteile halten. Condor erwägt wie Lufthansa, Teile der Air Berlin-Langstrecken zu übernehmen. Auch Lufthansa bietet für Niki sowie weitere Teile, Easyjet gilt als stark interessiert an der Regionaltochter LGW. Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will Air Berlin insgesamt kaufen, seinem Vorhaben werden aber wegen des hohen Kapitalbedarfs geringe Chancen eingeräumt. Mehrere weitere Firmen haben Angebote angekündigt, unter anderem die chinesischen Betreiber des Flughafens Parchim. Nachdem die meisten Piloten nach ihrem wilden Streik wieder zur Arbeit zurückgekehrt sind, hat Air Berlin am Donnerstag wieder einen weitgehend normalen Flugplan darstellen können.

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In Bieterkreisen hieß es, man könne davon ausgehen, dass der Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro, den die Bundesregierung zur Verfügung gestellt hat, nicht bis zum Abschluss der Transaktionen ausreiche. Dieser findet erst statt, wenn die EU- Kommission die Vorhaben wettbewerbsrechtlich genehmigt haben, ein Prozess, der bis zu mehreren Monaten dauern kann. Ein Insider glaubt, potenzielle Käufer müssten noch einmal 150 Millionen Euro aufbringen, um Air Berlin solange in der Luft zu halten. Von dem staatlichen Kredit hat Air Berlin dem Vernehmen nach bereits 50 Millionen Euro erhalten.

Bernstein-Research-Analyst Daniel Röska rechnet trotzdem damit, dass Air Berlin im Laufe des Novembers den Betrieb einstellen wird. Schon jetzt reduziere die Airline ihren Flugplan und verkaufe nur noch eine kleinere Menge an Tickets. Dies werde de facto verhindern, dass ein Bieter die gesamte Air Berlin kaufen könne, denn er müsste eine Firma übernehmen, die jeden Tag weiter Geld verbrennt. Derzeit betragen die Verluste nach Schätzungen drei bis vier Millionen Euro am Tag. Röska glaubt, dass der Druck wegen des nahenden Endes des Flugbetriebes so hoch sein wird, dass der Verkaufsprozess noch im September vorangebracht werden könne.

Zentrale Hürde ist offenbar die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes

Der weitere Kapitalbedarf bis zum Verkauf ist eine große Hürde. Ein Käufer müsste sich verpflichten, den Flugbetrieb bis zu einem endgültigen Übergang aufrechtzuerhalten. Dadurch würde der Kaufpreis sinken, denn die Kosten würden gegengerechnet werden. Ein weiteres Problem stellt offenbar dar, wie genau die Air-Berlin-Flugzeuge in die beiden nicht insolventen Flugbetriebe Niki und LGW verschoben werden und diese dann an die neuen Eigentümer übertragen werden können.

Der 68-jährige Lauda hatte 2011 im Streit die restlichen Anteile seiner 2004 gegründeten Niki an Air Berlin verkauft und sich aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen, zuvor hatte er mit 51 Prozent die Mehrheit gehalten. Aus der Zeit kennen sich Lauda und Christoph Debus, der im Thomas-Cook-Konzern die Flugsparte leitet. Condor ist Teil von Thomas Cook. Lauda bringt neben seinem weiterhin guten Ruf dem Vernehmen nach auch viel eigenes Geld mit in das Projekt ein. Thomas Cook ist hoch verschuldet und hat deswegen weniger finanziellen Spielraum als der große Konkurrent Lufthansa.

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