Air-Berlin-Chef Mehdorn in Rage "Warum soll ein Zypriote da mitreden? Der hält doch nur die Hungerkralle auf!"

Hartmut Mehdorn wütet gegen die Politik: Der Chef der Fluggesellschaft Air Berlin prangert vor allem die fehlende Unterstützung für Unternehmen im Allgemeinen und Air Berlin im Besonderen an: Es gehe nur noch um Nachtflugverbote, CO2-Richtlinien und immer neue Regeln.

Von Pia Ratzesberger

Hartmut Mehdorn: "Für die sind wir nur die Lärmmacher."

(Foto: dapd)

Air Berlin fliegt seit Jahren in der Verlustzone. Gestrichene Flugverbindungen, eine verkleinerte Flotte - Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft versucht alles, um wieder Auftrieb zu erlangen. Doch nun schießt Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn in einer Rede vor Berliner Unternehmern wütend gegen die Politiker und prangert deren fehlende Unterstützung an: "Für die sind wir nur die Lärmmacher." Die Politik kümmere sich nur noch um Nachtflugverbote, CO2-Richtlinien und immer neue Regeln, zitiert der Tagesspiegel.

Mehdorn war schon immer ein Mann der klaren Worte, doch vor allem die Europapolitik schürt den Zorn des früheren Bahnchefs: Seit Jahren versuchen sich die europäischen Staaten auf eine einheitlichen Luftraum zu einigen. Durch solch einen Vorstoß könnte Air Berlin auf einen Schlag zwölf Prozent Kerosin einsparen - für die Berliner wäre das vor allem hinsichtlich der steigenden Treibstoffkosten eine willkommene Erleichterung. Gerade deswegen versteht Mehdorn nicht, warum in dieser Frage auch die kleinen europäischen Staaten ein Mitspracherecht haben: "Warum soll ein Zypriote da mitreden? Der hält doch nur die Hungerkralle auf", wettert er ungeniert und kritisiert weiter: Mit der Aufnahme der Luftfahrtbranche in den europaweiten Emissionshandel "schießen wir uns richtig ins Knie".

"Unzucht mit Abhängigen"

Eigentlich stand bei der Rede Mehdorns das "Drehkreuz Berlin: Die Entwicklung des europäischen Luftverkehrs auf dem Plan", doch der Air Berlin-Chef redete sich so in Rage, dass er dazu fast nicht kommt. Stattdessen lässt er seinem Frust über die - seit dem vergangenen Jahr erhobene - Luftverkehrabgabe freien Lauf: Die sei "Unzucht mit Abhängigen". Am liebsten hätte er die Steuer einfach nicht gezahlt. Aber leider buche der Staat seine Steuern direkt vom Konto ab - auf dem momentan wohl nicht viel zu holen sein wird.

Denn Air Berlin steckt seit Jahren in den roten Zahlen. Erst kürzlich wurde zum bereits laufenden Sparprogramm "Shape & Size" - das die Kosten um einen dreistelligen Millionenbetrag senken soll - noch ein zweites namens "Turbine 2013" installiert. Mit Hilfe des erweiterten Sparpakets soll Air Berlin 2013 endlich wieder Gewinn einfahren können. Auch das Vielfliegerprogramm fällt nun weg und Mitarbeiter müssen wohl um ihren Arbeitsplatz bangen. Jede zehnte Stelle soll Berichten zufolge gestrichen werden, das wären insgesamt 900 Arbeitsplätze.

Immerhin: Laut den aktuellen Zahlen der Fluggesellschaft scheint das erste Sparprogramm zu greifen: Im dritten Quartal hat das Unternehmen seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Netto fuhr Air Berlin von Juli bis September 66,6 Millionen Euro ein - nach 30,2 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg um 4,5 Prozent auf 101,2 Millionen Euro. Mehdorn sieht die Air-Berlin-Flieger damit auf dem richtigen Weg.

Aber: Schuld an der prekären Lage seines Konzerns tragen ja eh andere. Mehdorn ließ seine Zuhörer wissen: "Es liegt nicht an den Mitarbeitern der Air Berlin, es liegt nicht an meinem Kurs, es liegt an der Politik." Die verstehe einfach nicht, dass die Luftfahrt das Schmierfett für die Wirtschaft sei.