Air Berlin Abflug gestrichen

Ein A320 am Müncher Flughafen. Air Berlin muss jetzt Langstreckenflüge streichen, bei denen Maschinen des Typs Airbus A330 eingesetzt werden.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Air Berlin least seine Maschinen. Aber der wichtigste Flugzeug-Vermieter der Welt lässt nun die insolvente Fluggesellschaft fallen. Das kann dramatische Folgen haben.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Air Berlin stellt gezwungenermaßen große Teile der Langstrecken schon Ende September ein. Die Fluggesellschaft kündigte an, von 25. September an elf Fernziele aus dem Programm zu nehmen, dadurch bleiben nur noch fünf Verbindungen am ehemaligen Drehkreuz in Düsseldorf.

Damit werden Befürchtungen wahr, dass Air Berlin schon vor einem Verkauf des Unternehmens Teile des Streckennetzes nicht mehr erhalten kann. Hintergrund der neuesten Entwicklung ist nach SZ-Informationen die Entscheidung der irischen Leasinggesellschaft Aer-Cap, zehn Maschinen des Typs Airbus A330 bei Air Berlin schnell abzuziehen. Das irische Unternehmen wollte sich zu dem Vorgang allerdings nicht äußern.

Das Vorgehen Aer-Caps wirft die Frage auf, wie sich die anderen Flugzeugleasing-Unternehmen verhalten, schließlich ist Aer-Cap der größte Leasinganbieter weltweit und wird als solcher von der Konkurrenz genau beobachtet. Sollten sie sich anschließen, könnte dies schnell dramatische Folgen auch auf Kurz- und Mittelstrecken haben, denn die gesamte Flotte von Air Berlin ist gemietet. Neben Aer-Cap haben unter anderem auch Gecas sowie Avolon zahlreiche Maschinen bei der insolventen Airline platziert.

In Branchenkreisen hieß es am Montag, derzeit gebe es noch keine Anzeichen dafür, dass die beiden dem Beispiel Aer-Caps folgen könnten. Ein Gecas-Sprecher sagte, man arbeite sich mit Air Berlin durch das Insolvenzverfahren. Avolon wollte keine Stellung nehmen.

Manche Kunden dürften kaum Chancen haben, ihr Geld zurückzubekommen

Betroffen sind von der Entscheidung die Strecken von Düsseldorf nach Boston, Curaçao, Cancun, Havanna, Varadero, Punta Cana und Puerto Plata. Hinzu kommen Flüge von Berlin nach Abu Dhabi, Chicago, Los Angeles und San Francisco, die eigentlich erst später hätten aus dem Programm genommen werden sollen. Es verbleiben vorerst die Verbindungen von Düsseldorf nach Los Angeles, New York, San Francisco, Miami und Fort Myers, die mit den sieben verbliebenen A330 bedient werden. Kunden, die ihr Ticket vor dem Insolvenzantrag bei Air Berlin direkt gebucht haben, dürften kaum Chancen haben, ihr Geld zurück zu bekommen. Besser geschützt sind Passagiere, die entweder über einen Reiseveranstalter oder erst nach dem Insolvenzantrag reserviert haben. Viele Reiseveranstalter bemühen sich in der Regel um alternative Flüge bei anderen Fluggesellschaften, Direktbucher bekommen ihr Geld über ein Spezialkonto zurück.

Die Streichungen drohen auch den Übergang zu einem neuen Eigentümer zu erschweren. Denn wenn die Strecken über einen längeren Zeitraum nicht mehr bedient werden, fallen die Slots an den Flughäfen in Berlin-Tegel und Düsseldorf an den Flughafenkoordinator zurück und werden von ihm neu verteilt. Außerdem können Interessenten wie Lufthansa und Condor nicht mehr so leicht in die Leasingverträge einsteigen, wenn Aer-Cap die Maschinen bereits anderswo platziert. Sie müssten dann eigene Flugzeuge nutzen, um die Flüge durchzuführen und die Slots zu retten. Lufthansa dürfte das mit ihrer großen Langstreckenflotte leichter umsetzen können als Condor oder gar der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der am Montag Details seines Angebotes für Air Berlin nannte.

Der Unternehmer Wöhrl bietet bis zu 500 Millionen Euro für Air Berlin

Wöhrl, dem einst die Fluggesellschaften DBA und LTU gehört haben, hat sein Angebot nach eigenen Angaben am Sonntag an den Air Berlin-Sachwalter Lucas Flöther und den Generalbevollmächtigten Frank Kebekus gefaxt. Demnach bietet Wöhrl bis zu 500 Millionen Euro für Air Berlin, allerdings ist der größte Teil der Summe an Bedingungen geknüpft, erfolgsabhängig und soll nur in Tranchen ausbezahlt werden. 50 Millionen Euro will Wöhrl gemeinsam mit nicht näher genannten Investoren garantieren. Lufthansa hatte dem Vernehmen nach einen dreistelligen Millionenbetrag für die Air Berlin-Tochter Niki geboten. Der Übergangskredit der Bundesregierung in Höhe von 150 Millionen Euro soll über Verkäufe von Unternehmensteilen abgesichert sein.

Der 69-jährige Wöhrl hat nach eigenen Angaben auch Lufthansa, Condor, Tui, Germania und Niki Lauda darüber "informiert, dass sie sich an diesem Angebot beteiligen können." Wöhrl schlägt vor, das innerdeutsche Streckennetz sowie die Standorte Düsseldorf und Berlin zu erhalten, der Rest der Flotte soll mit Besatzungen an andere Gesellschaften vermietet werden.

Lufthansa, die selbst einen großen Teil des Air Berlin-Netzes übernehmen will, kann mit dem Wöhrl-Angebot entspannt umgehen. Denn selbst wenn dieser den Zuschlag bekäme, wären ihre strategischen Ziele weitgehend erreicht: Den Zugriff auf 38 Maschinen, die schon heute bei ihren Töchtern Eurowings und Austrian fliegen, hat sie sich sowieso schon gesichert, denn die meisten gehören ihr, bei anderen sind die Leasingverträge umgeschrieben. Sie kann sowieso aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht damit rechnen, innerdeutsch noch mehr Flüge übernehmen zu können. Und das Wöhrl-Konzept basiert zumindest zum Teil auf der Annahme, dass sie weitere Maschinen im Europaverkehr von Air Berlin anmietet. Bieter können bis zum 15. September Angebote abgeben, eine Entscheidung soll am 21. September fallen. Gerechnet wird noch mit Angeboten von Easyjet und Condor.