Agrarspekulationen Deutsche Bank lädt Kritiker ein

Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain (r.) und Jürgen Fitschen (Archiv)

"Es ist populär zu sagen, dass die Banken zum Hunger in der Welt beitragen. Aber das stimmt einfach nicht", sagt Deutsche-Bank-Chef Fitschen und lädt zu einer Aussprache mit Kritikern ein. Gemeinsam mit Co-Vorstand Jain äußert er sich im SZ-Interview zu umstrittenen Spekulationen mit Nahrungsmitteln, zu Verfehlungen der Politik und zum Kulturwandel in der Branche.

Die beiden Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, kündigten im SZ-Interview an, dass sie einen Schritt auf ihre Kritiker zugehen wollen: "Wir werden im nächsten Jahr die Kritiker zu einer wichtigen Konferenz einladen, um mit ihnen über Agrarmarktspekulation zu sprechen", sagte Jürgen Fitschen. Die Bank hatte Anfang des Monats bekannt gegeben, aus dem physischen Handel mit Rohstoffen auszusteigen, nicht aber aus dem Handel mit Finanzprodukten. "Es ist populär zu sagen, dass die Banken zum Hunger in der Welt beitragen. Aber das stimmt einfach nicht", so Fitschen.

Die Deutsche Bank sei heute viel sicherer als früher. "Ich bin heute kein Investmentbanker mehr, ich bin jetzt Co-Vorstandschef der gesamten Bank", betonte Jain. Investmentbanking sei für ihn keine Lebenseinstellung, sondern "ein Job". Die Kritik an der Bank empfinden die beiden Chefs nicht als unfair. "Von außen wäre ich genauso hart in der Kritik. Wir werden zu Recht kritisiert. Das heißt nicht, dass ich mit jedem Kommentar über uns einverstanden wäre", sagte Jain.

Die Bank führe den Kulturwandel in der Branche an, betonten beide. Deswegen hätte sich Fitschen auch gegen den Vorwurf des Finanzministers gewehrt: "Wenn wir in der Öffentlichkeit die Botschaft unkommentiert ließen, dass sich nichts verändert hätte, würden wir ein falsches Signal senden."

Anshu Jain sagte: "Wir sind enttäuscht, dass es die Politik noch nicht geschafft hat, global ein faires Spielfeld zu schaffen." Die Bank sei nicht für weniger, sondern sogar für mehr Regulierung.

Zum aktuellen Vergleich mit der US-Behörde FHFA, bei dem die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro zahlen muss, sagte Fitschen, dass er zufrieden sei dass die Bank "den Löwenanteil von diesem Vergangenheitsthema" hinter sich gebracht hätte. Zur Höhe der Rechtskosten insgesamt sagte Fitschen: "Es gibt keine Endsumme, wir befinden uns in einem laufenden Prozess." Eine Kapitalerhöhung schloss Jain nicht aus: "Wir bekennen uns zu hohen Kapitalstandards, mehr kann ich dazu nicht sagen."

Deutsche Bank schränkt Rohstoffhandel ein

Die Deutsche Bank will den physischen Handel mit Agrarrohstoffen, Metallen und Energierohstoffen reduzieren. Organisationen wie Foodwatch und Oxfam üben harsche Kritik an den Spekulationen mit Lebensmitteln - der Kurswechsel der Bankchefs dürfte ihnen aber nicht ausreichen. Von Andrea Rexer, Frankfurt mehr ...

Im Geschäft sieht Jain die besten Gewinnchancen im nächsten Jahr in der Vermögensverwaltung: "Da sind wir am optimistischsten. Seit dieser Bereich völlig neu strukturiert wurde, sehen wir enormes Wachstum, und wir sind zuversichtlich, dass dieser Trend nächstes Jahr weiter gehen wird."

Die größte Gefahr für die Weltkonjunktur liege im kommenden Jahr im Ausstieg der amerikanischen Notenbank aus der lockeren Geldpolitik. Europa komme auf mittlere Sicht aus der Rezession, das helfe auch der Deutschen Bank.

Das komplette Interview mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen lesen Sie in der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung und in der SZ-Digital-App auf iPhone, iPad, Android und Windows 8.