Von Klaus Ott

Früher hat Aleksander Ruzicka in einer Villa in bester Lage in Wiesbaden gewohnt, sich von livrierten Dienern Champagner kredenzen lassen, schnelle Autos gefahren, sich für wertvolle Gemälde interessiert oder in Afrika Büffel und Zebras gejagt. Nun ist alles anders.

Seit fast 15 Monaten muss der frühere Werbeplaner, einst einer der mächtigsten Manager in der deutschen Medienbranche, auf all die Nettigkeiten verzichten. Er sitzt im Gefängnis und wartet auf seinen Prozess. Ein spektakuläres Verfahren steht bevor, das tiefe Einblicke ermöglichen könnte, mit welchen Tricks in der Werbeszene gearbeitet wird.

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Vom kommenden Dienstag an versucht das Landgericht Wiesbaden zu klären, ob der von ehemaligen Kollegen als mal charmant, mal arrogant beschriebene Ruzicka seinen teuren Lebensstil mit eigenem Geld finanziert hat, oder ob er in die Firmenkasse gelangt hat. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, als Geschäftsführer des Konzerns Aegis Media dort zusammen mit Kompagnons mehr als 50 Millionen Euro veruntreut zu haben. Das viele Geld sei beim Handel mit Fernsehspots abgezweigt worden. Aegis Media ist eines der führenden Werbeunternehmen in Europa. Allein in Deutschland platziert die Mediaagentur im Auftrag von Industrie und Wirtschaft jährlich für drei Milliarden Euro Anzeigen und Spots in Presse und Fernsehen.

Zum Wohl seines Arbeitgebers

Begonnen hat die Causa Mitte 2005. Im Auftrag von Aegis Media zeigte ein Anwalt des Unternehmens Ruzicka, weitere Konzernmanager und mehrere Geschäftspartner bei der Wiesbadener Staatsanwaltschaft an. Die Liste der Vorwürfe war lang: Untreue, Unterschlagung, Geldwäsche, Bestechung und gegebenenfalls Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Über ein Netzwerk von Tarnfirmen seien viele Millionen Euro abgeflossen. Ruzicka agiere selbstherrlich, ein Teil der Geschäfte laufe ausnahmslos über ihn. Ein Anruf von ihm genüge, um Werbezeiten umzusteuern. Er sei seit mehr als 20 Jahren in diesem Wirtschaftszweig tätig und kenne "alle schmutzigen Tricks". Die Staatsanwaltschaft müsse handeln, um Schaden vom Unternehmen und der Branche abzuwenden. Trotz der heftigen, mit vielen Details gespickten Vorwürfe brauchten die Strafverfolger fast ein Jahr, um richtig loszulegen.

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