Ein Kommentar von Guido Bohsem

Miserable Behandlungsergebnisse - weniger Geld: Die niedergelassenen Mediziner in Deutschland sollen künftig erfolgsabhängig bezahlt werden. Für die Patienten hätte das einen großen Vorteil: Sie sehen, welcher Arzt nicht taugt.

Die Forderung der Kassenärzte mutet auf den ersten Blick absurd an. Ihre Bundesorganisation will die Mediziner besser bezahlen, die ihre Patienten tatsächlich heilen. Das hört sich so an, als ob der Schreiner künftig mehr Geld kriegt, wenn seine Fenster dicht sind, der Elektriker, wenn die Leitungen nicht durchbrennen und der Klempner, wenn seine Rohre halten. Es stellt sich die Frage, ob man für Selbstverständliches wirklich mehr zahlen muss.

Ärzte, Honorare, dpa

Die Mediziner in Deutschland streiten um ihr Honorar. (© Foto: dpa)

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In diesem Fall lautet die Antwort: Ja. Denn die Qualität der Versorgung durch viele niedergelassene Ärzte lässt zu wünschen übrig - und das liegt am System. Viele Mediziner lesen die zumeist in den USA veröffentlichten und in Englisch abgefassten Fachzeitschriften nicht, ihre Fortbildung beschränkt sich auf ein absolutes Mindestmaß. Andere investieren viel Zeit und Geld, um ihr Wissen zu mehren und sich auf dem letzten Stand der Forschung zu halten. Das führt dazu, dass Topleute und Durchschnitts-Doktoren nebeneinander praktizieren. Beide erhalten von der Kassenärztlichen Vereinigung in der Regel das gleiche Geld, und der Durchschnitts-Patient kann die Qualität der Behandlung nicht unterscheiden. Ansätze wie in Bayern bleiben die Ausnahme, einen generellen Wettbewerb um die beste Behandlung gibt es nicht.

Zentral ist, dass neben dem positiven Anreiz - mehr Geld für gute Qualität - auch ein negativer gesetzt wird. Es bietet sich an, den Medizinern das Honorar zu kürzen, die über einen längeren Zeitraum unbefriedigende Ergebnisse bei der Behandlung abliefern. Zudem darf die Erkenntnis, wer ein guter Mediziner ist, nicht nur innerhalb der Ärzte-Organisation verbreitet werden. Auch die Patienten müssen es erfahren.

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(SZ vom 14.07.2009/mel)