Miserable Behandlungsergebnisse - weniger Geld: Die niedergelassenen Mediziner in Deutschland sollen künftig erfolgsabhängig bezahlt werden. Für die Patienten hätte das einen großen Vorteil: Sie sehen, welcher Arzt nicht taugt.
Die Forderung der Kassenärzte mutet auf den ersten Blick absurd an. Ihre Bundesorganisation will die Mediziner besser bezahlen, die ihre Patienten tatsächlich heilen. Das hört sich so an, als ob der Schreiner künftig mehr Geld kriegt, wenn seine Fenster dicht sind, der Elektriker, wenn die Leitungen nicht durchbrennen und der Klempner, wenn seine Rohre halten. Es stellt sich die Frage, ob man für Selbstverständliches wirklich mehr zahlen muss.
Die Mediziner in Deutschland streiten um ihr Honorar. (© Foto: dpa)
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In diesem Fall lautet die Antwort: Ja. Denn die Qualität der Versorgung durch viele niedergelassene Ärzte lässt zu wünschen übrig - und das liegt am System. Viele Mediziner lesen die zumeist in den USA veröffentlichten und in Englisch abgefassten Fachzeitschriften nicht, ihre Fortbildung beschränkt sich auf ein absolutes Mindestmaß. Andere investieren viel Zeit und Geld, um ihr Wissen zu mehren und sich auf dem letzten Stand der Forschung zu halten. Das führt dazu, dass Topleute und Durchschnitts-Doktoren nebeneinander praktizieren. Beide erhalten von der Kassenärztlichen Vereinigung in der Regel das gleiche Geld, und der Durchschnitts-Patient kann die Qualität der Behandlung nicht unterscheiden. Ansätze wie in Bayern bleiben die Ausnahme, einen generellen Wettbewerb um die beste Behandlung gibt es nicht.
Zentral ist, dass neben dem positiven Anreiz - mehr Geld für gute Qualität - auch ein negativer gesetzt wird. Es bietet sich an, den Medizinern das Honorar zu kürzen, die über einen längeren Zeitraum unbefriedigende Ergebnisse bei der Behandlung abliefern. Zudem darf die Erkenntnis, wer ein guter Mediziner ist, nicht nur innerhalb der Ärzte-Organisation verbreitet werden. Auch die Patienten müssen es erfahren.
- Ärzte: Honorarsystem Mehr Erfolg - mehr Geld 13.07.2009
- Ratiopharm Bestechung als System 28.06.2009
- Deutscher Ärztetag Schmerz lass nach 19.05.2009
- Deutscher Ärztetag "Mangelversorgung ist leider Realität" 19.05.2009
- Gesundheitssystem Scharfe Kritik an "gierigen Medizinern" 26.03.2009
- Gesundheitspolitik Mehr Ärzte, weniger Geld 09.05.2010
- Medizin und Wahnsinn (128) Das Jaulen der Mediziner 08.05.2010
(SZ vom 14.07.2009/mel)
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Das was hier als Leistung der KV angepriesen wird, nämlich Geld für gute Qualität, ist bei genauerem Hinsehen den Kreis von Leistungsabrechnern klein zu halten. Es gibt da keine Vielfalt mehr. Es gibt zum Beispiel einige Grosspraxen für Mammographie. Diskussionen um Qualtiäten wurden ja gar nicht geführt. Bei Coloskopien usw war es das gleiche Muster. Wer Qualität diskutieren will soll doch nicht diskutieren, ob der Schalter zum Einschalten des Röntgengerätes rot oder blau ist. Da aber die KVen von Leuten zur Qualitätssicherung beraten werden, die vorher Qualität bei BMW bewertet haben, ist es nicht so verwunderlich, dass das ein wenig daneben liegt.
Zudem besteht der Arztberuf bei weitem nicht nur einen Schlauch in einen Patientenhintern zu stecken!!! Es ist auch das Kümmern und die Begleitung des Patienten. Die Beschäftigung mit den Symptomen des Patienten um gerade unklare Fälle diagnostizieren und behandeln zu können. Und wie vorher schon gesagt: evt das Lindern von Symptomen. Aber da ist das Vergütungssystem weit davon entfernt.
Noch etwas zu den Kosten. Ich bin mir sicher, dass es nicht teurer werden muss. Ich denke unser System ist heute viel zu teuer, weil es zu kompliziert ist und Geld für Quatsch herausgeschmissen wird, den keiner braucht. Wer sich davon ûberzeugen will braucht sich ja nur den Prachtbau in München anzusehen. Das ginge auch ein wenig billiger!!!
Erfolgsabhängige Bezahlung wird nichts bringen. Es führt dazu, dass ein bestimmter Teil von Patienten halt nicht behandelt werden. Ein Beispiel sind Menschen mit chronischen Schmerzen, psychischen Erkrankungen, alte Menschen, Patienten mit multifunktionalen Behinderungen. Ihre Behandlung ist heute schon unrentabel. Wenn noch ein solches Vergütungssystem eingeführt wird, dann haben sie gar keinen mehr an den sie sich wenden können. Ihre Behandlung ist mehr oder weniger das Lindern ihrer Beschwerden und der gefühlvolle und engagierte Umgang mit ihnen und ihres Leidens. Wie will man das messen. Das Resultat ist null. Bei gewissen Auftragsleistungen wie Herzkatheter usw mag da anders sein.
Die Problematik heute liegt ganz einfach in einem undurchsichtigen Honorarsystem, das gerade durch Herrn Munte verfochten wird. Auch wenn er sich angeblich dagegen ausspricht. Die KVB ist hier diejenige, die die Intransparenz züchtet. Keiner kann in ihre Finanzen sehen und die Abrechnungen sind letzlich genauso intrasparent. "Rechnungen" an Patienten, wo er seine Leistungen sehen könnte und evt beanstanden, werden von ihr abgelehnt. Aber Pauschalen sehr in den Vordergrund gerückt. Klar: Wenn ich für irgendetwas eine Pauschale bekomme und nichts dafür tue habe ich einen tollen Gewinn gemacht. Wenn ich aber eine Pauschale bekomme, die deutlich unter der Leistung liegt gehe ich Pleite.
Da es aber um das Geld der Versicherten geht, sehe ich durchaus die Notwendigkeit einer demokratischen Mitbeteiligung der Versicherten, wie ein solches Honorarsystem aussehen sollte. Der Patient soll fähig sein den Deutschen Bundestag zu bestimmen, aber unfähig seine Gesundheit und ihre Leistungen zu bestimmen. Das ist mir nicht klar.
... taktisches Manöver ist . Komme nur noch nicht drauf , was - neben dem Dauer-Ziel : Mehr Geld ! - dahinter steckt .
... nach der Einführung eines Beurteilungssystems für Ärzte ein solches für die Beurteiler, damit jederzeit die Objektivität gewahrt bleibt. Guido B. hat hier schon viel Unsinn von sich gegeben, aber das hier stellt alles Dagewesene in den Schatten. Ob das am Vornamen liegt? ;-))
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