Von H. Einecke, M. Thiede u. E. Dostert

Alarmstimmung in der Industrie: Die Staatshilfen an die Kreditinstitute kommen kaum in der Wirtschaft an, klagen die Konzernlenker - und fordern günstige Kredite.

In der Industrie wächst der Ärger über die Banken. Sie erhalten staatliche Hilfe, geben diese aber nicht weiter, lautet die Kritik etlicher Firmen. "Die Banken sollten tun, wozu sie eigentlich da sind, die Finanzierung von Dritten", ermahnte Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie.

Industrie, Sachsenwerk, dpa

Ärger in den Unternehmen: Teure Kredite verhindern nach Ansicht der Industrie den Aufschwung. (© Foto: dpa)

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"Einen nachhaltigen Aufschwung gibt es nur mit einem gesunden Finanzsystem, das seinen Fokus wieder auf die Unternehmensfinanzierung lenkt", sagte Keitel am Montag auf der Hannover Messe. Die fehlende Liquidität werde zu einem zunehmenden Problem für die Industrie. Bei Krediten in einer überschaubaren Größenordnung und mit einer Laufzeit von zwei bis drei Jahren gebe es zwar "keine direkte Kreditklemme", so Keitel. Die Kredite seien aber deutlich teurer geworden. Große strukturierte Kredite seien zurzeit so gut wie nicht erhältlich, klagte der Verbandschef. Zwingende Voraussetzung für eine ausreichende Kreditversorgung der Wirtschaft sei eine unverzügliche Lösung für hochriskante Papiere in den Bankbilanzen.

Schon zur Eröffnung der Messe am Sonntagabend hatte Bundespräsident Horst Köhler die Banken ermahnt, "zum Brot- und Butter-Geschäft zurückzukehren". Sie würden schließlich nicht um ihrer selbst willen gerettet, sondern um Produktion und Beschäftigung voranzubringen. "Ohne Lösung der Bankenkrise kommen wir nicht aus dem Keller", sagte auch Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Wirtschaftsfonds kaum gefragt

Generell würden Kreditanträge von den Banken schärfer geprüft und Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zugunsten einer erhöhten Risikoprämie nicht weitergereicht, sondern sogar konterkariert. "Wir fordern ausdrücklich die Verantwortung derer ein, die diese Krise hervorgerufen haben", mahnte Hesse. Auch Theodor Tutmann von der Arbeitsgemeinschaft der Zulieferindustrie kritisierte die Banken. Sie dürften keine generelle Sippenhaft über die Zulieferer verhängen, sondern müssten die Firmen wieder einzeln prüfen.

Nur schleppend fließen die Mittel laut VDMA aus dem mit 100 Milliarden Euro dotierten "Wirtschaftsfonds Deutschland". Dieser besteht überwiegend aus Bürgschaften und zum kleineren Teil, 25 Milliarden Euro, aus Krediten für die Industrie. Der Fonds ist ebenso wie das KfW-Sonderprogramm für kleine Unternehmen im Volumen von 15 Milliarden Euro ein Teil der Konjunkturpakete der Regierung. Der Kreditantrag wird über die Hausbank gestellt, die diesen an die KfW weiterleitet. "Es gibt eine erhebliche Ablehnungsquote von Seiten der KfW", sagte VDMA-Finanzierungsexperte Josef Trischler. Über die Gründe wird in den Unternehmen spekuliert. Es wird vermutet, dass die Geschäftsbanken nur Problemfälle an die KfW weiterreichen.

Die KfW zeigte sich entgegen den Aussagen aus der Industrie "sehr zufrieden" mit der Akzeptanz ihres Programms. Es seien 798 Anträge im Volumen von 2,4 Milliarden Euro eingegangen. Insgesamt belaufen sich die beiden KfW-Programme auf 40 Milliarden Euro.

"Spürbar schlechtere Bedingungen"

Über die Zusagen schweigt die KfW. Es würden aber nur Firmen berücksichtigt, die nachweislich von der Krise getroffen seien. "Wer vorher schon angeschlagen war, hat schlechte Karten", sagte ein KfW-Sprecher. Tutmann von der Arbeitsgemeinschaft der Zulieferindustrie kritisierte, dass von dem KfW-Sonderprogramm von 15 Milliarden Euro weniger als zehn Prozent bei den Firmen angekommen seien. Die Hausbanken müssten schneller arbeiten.

Es gebe zwar noch keine breite Kreditklemme, betonte neben dem VDMA auch der Elektro- und Elektronikverband ZVEI. Mühe bereite jedoch die Sicherung der Liquidität, sagte ZVEI-Präsident Friedhelm Loh. So stiegen die Sorgen, dass es mittelfristig zu "spürbar schlechteren Finanzierungsbedingungen kommt, insbesondere auch bei den Abnehmern". Laut BDI gibt es in den Firmen schon vereinzelt Finanzierungs- und Liquiditätslücken.

Bedrohlich für die Firmen ist laut BDI auch die sinkende Chance, Kreditversicherungen abzuschließen. "Immer häufiger sind private Kreditversicherer nicht bereit, Exporte zu versichern", sagte Keitel. Laut ZVEI-Präsident Loh würden Limits gekürzt und Prämien massiv erhöht. "Viele Leute arbeiten ohne jegliche Kreditversicherung. Wir sitzen auch hier auf einem Fass, von dem noch niemand weiß, wie viel Pulver drin ist."

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(SZ vom 21.04.2009/tob)