Von Michael Bauchmüller und Klaus Ott

Ein Bonus für den Bahnvorstand stiftet Unruhe in der Bahngewerkschaft: Ex-Transnet-Chef Hansen profitiert - und sein Nachfolger nickte das ab.

Wenn er kommt, wird es nicht angenehm. Ende November ist Gewerkschaftstag bei Transnet. Und wie es sich so gehört bei der größten Bahngewerkschaft, steht auch der Personalchef des Unternehmens auf der Gästeliste. Nur ist das diesmal ein Politikum. Der Mann heißt nämlich Norbert Hansen und war fast zehn Jahre selbst Chef von Transnet, bis er die Seite wechselte - seit Mai ist er der Personaldirektor der Deutschen Bahn (DB). "Mit offenen Armen wird er mit Sicherheit nicht empfangen", sagt ein Transnet-Funktionär.

Norbert Hansen brachte mit seinem Wechsel von der Transnet zur Deutschen Bahn etliche Gewerkschaftsmitglieder in Rage. (© Foto: AP)

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Hansen, 56, erntet dieser Tage mal wieder den Zorn seiner Kollegen von einst. Es ist nicht nur der Wechsel Hansens von der Gewerkschaftsspitze ins Management eben jenes Unternehmens, mit dem er als Gewerkschafter eigentlich hätte hart kämpfen müssen. Inzwischen geht es auch noch um großzügige Boni, die der komplette Bahnvorstand einheimsen soll, wenn das Unternehmen an die Börse geht.

Gerade im Fall Hansens ist das heikel. Schon als Gewerkschafter war er glühender Anhänger des Bahn-Börsenganges, intern galt er als wichtigster Mitstreiter von Vorstandschef Hartmut Mehdorn. Damit, so hoffte Hansen, ließe sich die Struktur des Unternehmens zementieren. Schienennetz und Schienenverkehr blieben eine Einheit, die Bahn wäre weiter groß genug, um die Existenz gleich dreier Bahngewerkschaften zu rechtfertigen. An der Basis war die Stimmung anders. Die meisten Bahner wollten den Staatsbetrieb erhalten; vor der Privatisierung hatten viele Transnet-Mitglieder Angst. Aber sie vertrauten Hansen - und trugen den Kurs mit.

Ein Verdacht

Dass er nun als Bahnvorstand eine Tantieme für einen Börsengang erhält, den er nicht als Personalvorstand, sondern als Gewerkschafter vorbereitet hat, erscheint vielen als der blanke Hohn. "Es bestärkt den Verdacht, dass es immer nur um Geld gegangen ist", sagt ein Transnet-Kollege. Ein führender Gewerkschaftsfunktionär schimpft, für die geplanten Bonuszahlungen an den Bahnvorstand "haben wir überhaupt kein Verständnis".

Das Verhältnis zwischen Transnet und Hansen ist ohnedies zerrüttet, seit der ehemalige Gewerkschaftschef im Frühjahr direkt nach Amtsantritt als Personalvorstand vorschlug, bei der Bahn weiter zu rationalisieren. Die Bahn könne einiges von der Konkurrenz lernen, wo ein Lokführer auch mal Zugabteile aufräume und am Bahnhof anpacke, sagte er damals. Sollte es sein Ziel gewesen sein, noch das letzte Transnet-Mitglied gegen sich aufzubringen, dann ist er schon nah dran. An die 1000 Mitglieder haben die Gewerkschaft seither verlassen.

Lesen Sie weiter, warum Hansens Nachfolger bei der Transnet in Bedrängnis gerät.

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