Ägypten Siemens erhält größten Einzelauftrag der Konzerngeschichte

  • Siemens erhält einen Auftrag im Volumen von acht Milliarden Euro aus Ägypten. Es geht um den Bau von Gaskraftwerken und Windparks.
  • Jetzt unterschrieben Konzernchef Joe Kaeser und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi die dazugehörigen Verträge.
  • Am kommenden Dienstag plant die IG Metall einen Aktionstag, weil ausgerechnet jene Werke von Stellenstreichungen betroffen sind, in denen die 24 Anlagen und die dazugehörigen Dampfturbinen gefertigt werden sollen.
Von Christoph Giesen

Es ist der größte Einzelauftrag, den Siemens in seiner mehr als 160-jährigen Konzerngeschichte erhalten hat: Die drei leistungsstärksten Gaskraftwerke der Welt und bis zu zwölf Windparks soll Siemens in den kommenden Jahren in Ägypten bauen - insgesamt ein Investitionsvolumen von acht Milliarden Euro.

Am Mittwoch unterschrieben Konzernchef Joe Kaeser und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi die dazugehörigen Verträge in Berlin. Eine Absichtserklärung für die Projekte hatte Siemens bereits im März unterzeichnet. "Mit diesen noch nie dagewesenen Verträgen unterstützen Siemens und seine Partner die wirtschaftliche Entwicklung Ägyptens", sagte Kaeser.

Jedes der drei Gaskraftwerke, die jeweils mit acht Turbinen bestückt sind, soll 4,8 Gigawatt leisten - das entspricht etwa vier Atomkraftwerken. Schon im Sommer 2017 sollen die ersten Gasturbinen Strom liefern. Sukzessive sollen sie dann mit Dampfturbinen ausgerüstet werden, wodurch der Wirkungsgrad der Anlagen gesteigert werden kann.

Bis etwa Ende 2020 sollten alle drei Kraftwerke unter Volllast laufen können, sie wären dann die leistungsstärksten Gaskraftanlagen der Welt. Laut Vertrag heißt es: Alle drei Kraftwerke sollen 38 Monate "nach Abschluss der Finanzierung und Erhalt der ersten Vorauszahlungen" übergeben werden.

Bürgschaften aus Deutschland und Dänemark

Damit es mit dem Geld auch tatsächlich klappt, soll der Deal durch Bürgschaften aus Deutschland und Dänemark abgesichert werden. Siemens hat entsprechende Anträge gestellt. Ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bestätigte, dass derzeit geprüft werde, ob der Bund das Geschäft teilweise mit staatlichen Exportgarantien (Hermes-Bürgschaften) absichert. Die würden greifen, falls Kairo nicht zahlen könnte. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Neben den drei Gaskraftwerken errichtet Siemens zudem noch Windkraftanlagen an mehreren Standorten mit einer Gesamtleistung von zwei Gigawatt. Siemens baut dafür in Ägypten eine Fabrik auf, die Rotorblätter für Windturbinen fertigen soll. Dadurch werden bis zu 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Auch das Windprojekt ist der größte, das Siemens bisher auf Land gebaut hat.

Jahrelang galt das Geschäft mit den Gasturbinen als der wichtigste Umsatzbringer des Konzerns. Umsatzrenditen von fast 20 Prozent waren keine Seltenheit. Seit ein paar Monaten schwächelt das Geschäft jedoch; das Management baute zunächst 1200 Jobs in Deutschland ab. Nun stehen weitere Einschnitte bevor. Am kommenden Dienstag plant die IG Metall einen bundesweiten Aktionstag mit Protesten gegen die Stellenstreichungen, von denen vor allem der Standort Mülheim in Nordrhein-Westfalen sowie Berlin betroffen sind - also just jene Werke in denen die 24 Anlagen und die dazugehörigen Dampfturbinen gefertigt werden sollen.