Vor einem Jahr warf sich der Unternehmer Merckle vor den Zug. Banken müssen daraus ebenso lernen wie Firmen.
Als sich Adolf Merckle am 5. Januar 2009 vor einen Zug warf, wurde er zu einem Symbol für die gefallenen Unternehmen und Unternehmer der Krise. Binnen weniger Monate hatte der Gründer des Pharmakonzerns Ratiopharm und Herr über viele andere Firmen ein Milliardenvermögen verloren.
Es birgt bittere Ironie, dass ausgerechnet jene Banken, deren eigene Fehlspekulationen und Irrtümer die Wirtschaftskrise erst ausgelöst hatten, später darüber entschieden, welche Unternehmen die Rezession überleben oder nicht. (© Foto: AP)
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Die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, habe den Macher Merckle gebrochen, sagte seine Familie. Manch einer fand gar, die Banken hätten ihn mit ihrer harten Haltung in den Tod getrieben. Die Wahrheit nahm Merckle mit ins Grab. Sicher aber ist, dass jene Tage im vergangenen Winter bis heute nachwirken auf das Verhältnis zwischen Banken und Unternehmern.
Merckle, der nach den Aldi-Brüdern lange als reichster Deutscher galt, war nur der prominenteste Unternehmer, der in der Krise mit den Banken um die Kontrolle über sein Lebenswerk rang. Auch die Familie Schaeffler musste fürchten, ihr Firmenkonglomerat an die Gläubiger zu verlieren.
Die Porsche-Eigentümerfamilien mussten ihren Plan aufgeben, den VW-Konzern zu übernehmen, um es sich nicht vollends mit den Banken zu verscherzen. Viele kleinere Familienunternehmen trieb die Krise in die Insolvenz, weil ihre Kreditgeber nicht zu Kompromissen bereit waren.
Es birgt bittere Ironie, dass ausgerechnet jene Banken, deren eigene Fehlspekulationen und Irrtümer die Wirtschaftskrise erst ausgelöst hatten, später darüber entschieden, welche Unternehmen die Rezession überleben oder nicht. Oft waren es gerade die Großen wie Schaeffler und auch Merckles Holding VEM mit den Beteiligungen an Heidelberg Cement, Ratiopharm und Phoenix, die schließlich von den Banken Bewährungsfristen erhielten.
Zu groß wären die Verluste für die klammen Kreditgeber gewesen, hätten sie die Schaefflers, Porsches oder Merckles fallenlassen. Dafür zahlen die Eigentümerfamilien freilich einen hohen Preis. Merckles Erben verloren die Kontrolle über Heidelberg Cement und Ratiopharm, bei der Übernahme von Continental durch Schaeffler werden die Banken noch lange mitreden und ihren Anteil am Gewinn verlangen.
In der Krise hat sich gezeigt, dass der Einfluss der Banken in Deutschland auf die Geschicke der Unternehmen unverändert groß ist. Zwar haben sie ihre direkten Beteiligungen an Firmen reduziert und die engen Kreditbeziehungen in vielen Fällen gelockert. Doch noch immer finanzieren sich deutsche Firmen mehr als in fast allen anderen Ländern über Bankkredite. Merckle schloss zusätzlich komplizierte Finanzwetten ab. Er wie auch die Schaefflers strauchelten, weil sie zu viel riskierten, sich zu viele Schulden aufluden, die in der Krise mit zu wenig Firmenwerten gedeckt waren.
Unternehmer und Banken können aus der Krise eine Menge lernen. Die Finanzkonzerne warfen Unternehmern wie Merckle und Schaeffler in den Boomjahren das Geld nach, um gewagte Übernahmen zu finanzieren. Als die Banken selbst in Not gerieten, verfielen sie vielfach in das andere Extrem und drehten den Firmen den Hahn zu. Maßhalten muss für beide Seiten das Rezept lauten. Jahrelang predigten Banker und Berater deutschen Mittelständlern, sie sollten ihr Kapital stärken und es mit der Kreditfinanzierung nicht übertreiben. Doch als es darum ging, am Aufschwung der Firmen kräftig mitzuverdienen, ignorierten viele Banken ihren eigenen Rat. Unternehmer wie Financiers berauschten sich an der Größe und handelten verantwortungslos gegenüber den Mitarbeitern, deren Existenz sie aufs Spiel setzen.
Geliehenes Geld kann Firmen helfen, zu wachsen und aus Engpässen herauszufinden. Dieses Geld muss nicht von Banken kommen. Merckles Firma Heidelberg Cement zapfte die Kapitalmärkte an und befreite sich so aus der Umklammerung der Banken. Mehr Unabhängigkeit von Kreditgebern täte mancher deutschen Firma gut. Oberstes Gebot aber sollte es sein, sich auch bei der Finanzierung auf Geschäfte zu beschränken, die man versteht und beherrscht. Adolf Merckle hatte sich in dem von ihm selbst gesponnenen Netz aus Firmen, Krediten und Finanzgeschäften verheddert. Er bezahlte mit seinem Leben.
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(SZ vom 05.01.2010/hgn)
Demonstrationen in Hamburg
folgt gemeinhin ein noch steilerer Fall.
Alte Weisheit.
Da tischt uns der Herr Hesse, ohne zu merken, dass seine Platte einen Sprung hat, mal wieder die alte Mär auf vom raffenden und schaffenden Kapital. Das eine treibe das andere in den Tod.
Am Ende kommt er der simplen Wahrheit unfreiwillig näher, wenn er über die Geldbeschaffung fachsimpelt. Allerdings, der Groschen der fällt nicht. Kapitalismus ist immer eine Wette auf die Zukunft und die geht daneben, immer öfter.
es scheint inzwischen zur einfachen journalistischen Grundausstattung zu gehören Größenwahn mit Tragik zu verwechseln und ehrfurchtsvoll vom Vermächtnis zu faseln, wenn masslose Spekulation nicht aufgegangen ist, die in besseren Zeiten glückreicher vonstatten ging. Allerdings nur, wenn es sich um "Herrschaften" handelt.
Diesen Domestikencharakter der Journaille bestätigt der Kollege, der sich angesichts geradezu massvoller Lohnforderungen vor dem Hintergrund einer sich die Taschen seit Jahrzehnten vollstopfenden Elite nicht etwa von deren Krawallcharakter, sondern von dem der Gewerkschaften spricht.
Warum bemüht sich Herr Hesse eigentlich so um Mitleid für unsere 'armen' Großunternehmer. Merkles Firmenkonglomerat war zum Schluß so unübersichtlich, das er selbst den Überblick verloren hatte. Und die Übernahme von Conti durch Schaefler war auch schon ohne Wirtschaftskrise ein Zeichen von Größenwahn. In der Folge hat Frau Schaefler beinahe zwei eigentlich gesunde Unternehmen in den Ruin gestürzt. Und dann war sie noch dreist genug, um um Staatshilfe zu bitten.
Demut hat sie jedenfalls keine gelernt. Auch jetzt versucht sie immer wieder, ihre Position mit Brachialgewalt durchzusetzen. Bei soviel bewiesener Unfähigkeit, hätten die Banken eigentlich ihre Absetzung als Voraussetzung für weiteres Stilhalten fordern müssen. Und das mit Recht.
des Ausverkaufs deutscher Firmen an internationale Finanzinvestoren und der deutschen Technologie an die Billigkonkurrenz. Weil die lokalen Banken nicht finanzieren. Mit jedem Werk in China stärken wir den Techniktransfer und schaufeln unser eigenes Grab. Ganze Wirtschaftsbereiche sind schon verschwunden von der Stahlindustrie, Bekleidung, Schuhen bis zur Hochtechnologie Computerelektronik bis Solartechnik. Den hiesigen Managern ist das egal, da zählen nur die Quartalszahlen. Ein vernünftiger Protektionismus muss wieder erwogen werden zum Schutz unserer Wirtschaft gegen Niedriglöhne, Sozial- und Umweltdumping. Schluss mit "BilligbilligKindersklavenarbeit". Die Chinesen haben gerade 20% Zölle auf Schrauben eingeführt.
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