Adidas Happy End

Da geht er: Adidas-Chef Herbert Hainer auf dem Weg zur Bilanzpräsentation. Er ist der Dax-Chef, der derzeit am längsten im Amt ist.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)

Im September gibt Herbert Hainer nach 15 Jahren die Führung bei Adidas ab. Es gab Erfolge, aber auch harte Zeiten. Zum Schluss präsentiert er eine gute Bilanz. Für seinen Nachfolger könnte es nun ungemütlich werden.

Von Caspar Busse, Herzogenaurach

Herbert Hainer, 61, war fit, dabei hatte er gar nicht so gut geschlafen. Aber nicht, weil an diesem Donnerstag in der Hauptverwaltung in Herzogenaurach seine letzte Bilanzpräsentation anstand. Sondern weil er am Abend zuvor die Heimniederlage des FC Bayern gegen Mainz miterlebt hat. Hainer, auch Mitglied im Aufsichtsrat des FC Bayern München, war im Stadion gewesen und saß neben Uli Hoeneß, der nach seiner vorzeitigen Haft-Entlassung erstmals wieder auf der Tribüne war. Überhaupt will sich der Adidas-Vorstandsvorsitzende mit seinem nahenden Abschied noch gar nicht befassen: "Ich bin mit großer Leidenschaft dabei und habe gar keine Zeit darüber nachzudenken", sagte er mit einem Lächeln.

Der Konzern sei "das perfekte Beispiel eines erfolgreichen Comebacks im Sport"

Aber schon im August kommt sein Nachfolger, Kasper Rorsted, 54, derzeit noch Chef des Dax-Unternehmens Henkel. Ende September dann wird Hainer die Führung abgeben - nach fast 30 Jahren im Unternehmen. Es war im November 1999 gewesen, als der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, Hainer, damals noch mit einem mächtigen schwarzen Schnauzbart, zu seinem Vize machte. Im März 2001 dann übernahm der Mann aus dem niederbayerischen Dingolfing die Führung des nach Nike zweitgrößten Sportartikelkonzerns der Welt. Viele Jahre lief es ziemlich gut für ihn: Umsatz, Ertrag und Börsenbewertung des Dax-Konzerns stiegen immer weiter, 2013 erreicht der Gewinn einen Höchststand. Dann gab es arge Probleme: Die Geschäfte liefen nicht mehr, in den USA überholte Newcomer Under Armour die Franken, Nike enteilte sowieso, die Golfsparte rutsche in die Krise, und in Russland, lange einer der wichtigsten Märkte für Adidas, gingen die Umsätze in den Keller. Hainer stand in der Kritik, ungewohnt für ihn nach den Jahren des Erfolgs.

Doch nun, kurz vor seinem Abschied, sieht er den Konzern wieder auf Kurs. "2015 ist das perfekte Beispiel eines erfolgreichen Comebacks im Sport", sagte Hainer am Donnerstag. Der Konzern sei "stärker und besser in Form als je zuvor". So stieg der Umsatz währungsbereinigt um zehn Prozent, besonders gut lief es in Westeuropa und in China sowie bei Lifestyle-Produkten der Marke "Adidas Originals". Der Gewinn verbesserte sich um zwölf Prozent, die Dividende soll angehoben werden. Auch für 2016 gibt Hainer ehrgeizige Ziele aus: Der Umsatz soll sich weiter um bis zu zwölf Prozent auf fast 19 Milliarden Euro erhöhen, der Gewinn auf etwa 800 Millionen Euro. Positiv sollen sich dabei die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sowie die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro auswirken. Beide Ereignisse würden für zusätzliche Nachfrage sorgen, sagte Hainer. Einige Probleme aber bleiben, der starke Umsatzeinbruch in Russland etwa, der Anstieg der Produktionskosten oder die anhaltende Schwäche des Golf-Geschäftes.

Ein ganz großes Ziel hat Hainer aber in seiner Amtszeit nicht erreicht, nämlich den Wettbewerber Nike zu überholen. Die Amerikaner sind nach wie vor deutlich größer und auch profitabler. Die Umsatzrendite von Adidas liegt derzeit bei 6,5 Prozent, Nike erreicht das Doppelte, 13 Prozent, Under Amour gut zehn Prozent. Die Profitabilität zu erhöhen, dürfte deshalb die große Aufgabe von Rorsted sein. Der Däne hat sich während seiner acht Jahre an der Spitze des Konsumgüterherstellers Henkel einen Namen als Kostendrücker gemacht und die Margen nach oben gebracht.

Darauf drängen auch Aktionäre bei Adidas, für Rorsted könnte es künftig also ungemütlicher werden. In den Aufsichtsrat sollen im Mai der ägyptische Milliardär Nassef Sawiris und der Co-Chef des belgischen Konzerns Groupe Bruxelles Lambert, Ian Gallienne, einziehen. Die beiden Investoren, die zu den reichsten Personen der Welt gehören, haben sich bereits mit jeweils mehr als fünf Prozent an Adidas beteiligt und fordern mehr Einfluss auf die Strategie, für sie wird der Aufsichtsrat nun auf 16 Mitglieder erweitert.

Adidas sponsort viele Fußballvereine wie den FC Bayern, Juventus Turin, Real Madrid oder Manchester United, aber auch den Fußballweltverband Fifa. Hainer, selbst ein begeisterter Fußballer, mahnte nach der Wahl des neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino weitere Reformen an: "Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung, aber es werden weitere folgen müssen." Die Diskussionen mit der Fifa würden nicht in der Öffentlichkeit geführt. Aber die großen Sponsoren wie Adidas oder Coca-Cola würden Druck machen, sagte Hainer. Noch kritischer sieht er die Lage beim Leichtathletik-Weltverband IAAF, der mit schweren Dopingvorwürfen zu kämpfen hat. Auch hier gebe es Gespräche. Ob Adidas als Sponsor weiter zur Verfügung stehe, sei offen: "Wir werden sehen", sagte der Konzernchef lediglich.

Zu seiner eigenen Zukunft äußerte sich Hainer, der unter anderem Mitglied des Aufsichtsrats der Lufthansa ist, nicht. Einem möglichen Wechsel auch in den Adidas-Aufsichtsrat nach der vorgeschrieben zweijährigen Abkühlperiode werde er sich aber nicht verschließen, so Hainer.