Absturz der Aktienkurse Börse erlebt schwärzesten Tag seit Finanzkrise 2008

  • Weltweit brechen die Börsen ein.
  • Die chinesische Wirtschaft wächst nicht mehr so stark wie gedacht, auch in anderen Schwellenländern schwächelt die Konjunktur.
Von Marcel Grzanna, Shanghai, und Markus Zydra, Frankfurt

Hat das schnelle Wachstum ein Ende?

Der Aufschwung an den Börsen findet ein jähes Ende: In Frankfurt verliert der Aktienindex Dax zeitweise knapp acht Prozent, an der Wall Street bricht der Dow Jones zum Handelsstart um mehr als sechs Prozent ein.

So dramatisch war die Lage an den Börsen zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008.

Schon in der vergangenen Woche hatten die Kurse kräftig nachgegeben. Doch als an diesem Montag die Börsen in China erneut massiv verloren, kannten auch die Kurse in Frankfurt keinen Halt mehr. Der Dax notiert am Montagnachmittag bei 9512 Zählern. Am Freitag hatte er bei 10124 Punkten geschlossen. Der Euro hingegen gewann deutlich hinzu: Er notierte am Nachmittag bei 1,1651 Dollar - ein Plus von 2,3 Prozent.

Hinter den Kursturbulenzen steht vor allem die Frage der Anleger weltweit: Hat das schnelle Wirtschaftswachstum in China und anderen Schwellenländern wie Brasilien ein Ende?

Die Sorge spiegelt sich auch in den starken Verlusten an den Rohstoffmärkten wider. Der Ölpreis für die US-Sorte WTI sackte an diesem Montag um knapp fünf Prozent ab, der Preis für das Nordsee-Öl Brent gab sogar um mehr als 5,5 Prozent nach. Dahinter steckt die Überlegung: Wenn die Wirtschaft schlechter läuft, braucht sie auch weniger Öl.

Weltweit belaufe sich der Verlust an den Börsen auf fünf Billionen Dollar, berechnet die Agentur Bloomberg schon vor dem heutigen Montag. Die Summe ergibt sich aus den Verlusten seit dem 11. August, als China den Yuan abwertete und damit die Frage auslöste, ob der Boom nicht gerade zu Ende geht.

Was wird mit China?

Nach dem Börsenboom im Sommer fallen die Kurse in China bereits seit mehreren Wochen - allen Gegenmaßnahmen aus Peking zum Trotz. Viele Anleger verkaufen ihre häufig mit geliehenem Geld gekauften Aktien. Dagegen konnten auch die zeitweisen Stützkäufe der Regierung nichts ausrichten.

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Es sei zurzeit schwierig überhaupt noch festzustellen, ob die Investoren vielleicht einfach überreagierten und ob der Markt bereits am Tiefpunkt angekommen sei, sagt Alex Kwok von China Investment Securities in Hong Kong. "Wenn überhaupt, dann ist nur eine Wende auf technischer Ebene möglich", sagt der Analyst. Also erneute Eingriffe des Staates, um das Vertrauen in den Handel zu stärken. Zurzeit fehlt es daran. Es genügen offenbar schon wenige Großinvestoren, die ein paar Gewinne einfahren wollen, um unter anderen Anlegern Panik zu verursachen.

Zuvor hatte bereits die chinesische Zentralbank Mitte des Monats eingegriffen und die Landeswährung Yuan stark abgewertet, um chinesische Exporteure zu entlasten. Allerdings verteuert das zugleich Importe - was ausländische Konzerne zusätzliche Probleme bereitet, die ihre Waren in China verkaufen. Außerdem mehren sich die Zeichen, dass die Wirtschaft doch nicht mehr so stark wächst wie die Regierung angekündigt hat.

Gefahr für die Partei

Für die Kommunistische Partei ist die Unberechenbarkeit der Aktienmärkte eine brisante Situation. Es kostet sie Glaubwürdigkeit bei den Millionen von Kleinanlegern, die gehofft hatten, durch Finanzgeschäfte ein Stück Wohlstand zu ergattern. Zumal der Staat sie durch eine anlegerfreundliche Politik an die Märkte gelockt hat.

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Auch Chinas Medien erzählten reihenweise Erfolgsgeschichten von den Börsen. Anlegermagazine sind grundsätzlich positiv gestimmt und funktionieren als Sprachrohr der Aufsichtsbehörde. Sie sind stets bestens informiert und somit durchaus von Wert für die Anleger. Doch Distanz und Skepsis lassen sie vermissen. Auch chinesische Analysten dürfen ihrer Arbeit nicht allzu skeptisch nachgehen. "Es gibt zwar kein Gesetz, dass man die Entwicklung der Kurse nicht pessimistisch beurteilen darf. Aber wer laut davor warnt, dass die Aktien alle weiter einbrechen werden, könnte sich damit Probleme einhandeln", sagte ein Mitarbeiter der Börse in Shanghai der SZ.

"Die Börsen übertreiben immer"

Die rückläufigen Wachstumsraten in China setzen die Industriestaaten unter Druck, die in den letzten Jahren von dem Aufschwung in China profitiert haben. "Die Entwicklungsländer sind in den letzten Jahren mehr und mehr als globaler Wachstumsmotor ausgefallen", sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Doch weder in den USA, noch in Japan oder Europa kann man mit hohen Wachstumsraten rechnen.

Das wundert einige Experten, denn die dortigen Zentralbanken halten den Leitzins zum Teil seit Jahren bei null Prozent, so niedrig wie nie zuvor in der Wirtschaftsgeschichte. Eigentlich, so steht es in den Lehrbüchern, sollten niedrige Leitzinsen Investitionen und Konsum ankurbeln. Doch das geschieht nicht, zumindest nicht in dem Umfang, den man erwarten würde. Bielmeier rechnet gar mit "einer konjunkturellen Abkühlung in den Industrieländern", was die Aktienmärkte belasten werde.

Bei all der nun aufkeimenden Furcht darf man aber nicht vergessen, dass China genug Reserven hat, um die eigene Wirtschaft wieder anzuheizen, zumal die Wachstumsraten im Vergleich mit den Industriestaaten immer noch recht hoch sind. "Die wirtschaftliche Lage in China ist nicht so schlecht, wie es die fallenden Aktienkurse nahelegen", sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "Die Börsen übertreiben immer in ihren Reaktionen - sowohl nach oben, wie auch nach unten."

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