Kein Geld für die "drogenabhängige" Autoindustrie: Die Regierung will den Kauf von Neufahrzeugen nicht länger unterstützen - und fordert Konzepte von den Unternehmen.
Die Bundesregierung hat Forderungen nach einer erneuten Anhebung der Abwrackprämie eine klare Absage erteilt. "Die Summe wird nicht abermalig erhöht", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin. "Es bleibt bei dem Deckel fünf Milliarden Euro. Es wird keinen Cent mehr geben."
Die Neuzulassungen in Deutschland erreichten mit 427.000 Fahrzeugen den höchsten Juni-Wert seit der Wiedervereinigung. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Koalition hatte angesichts der enormen Nachfrage im April den Fördertopf für die Abwrackprämie von 1,5 Milliarden auf dann fünf Milliarden Euro aufgestockt.
Boom in der Krise
Diese Höchstsumme sei festgelegt worden wohlwissend, dass diese noch vor dem Jahresende ausgeschöpft sein werde, sagte Steg. Es zeichne sich nun ab, dass dies möglicherweise auch schon im September der Fall sein könnte. Dies ist Steg zufolge eine Bestätigung dafür, dass die Abwrack- beziehungsweise Umweltprämie ein großer Erfolg gewesen sei.
Die Abwrackprämie hat dem Automarkt in Deutschland mitten in der Wirtschaftskrise einen Boom beschert. Die Neuzulassungen in Deutschland erreichten mit 427.000 Fahrzeugen den höchsten Juni-Wert seit der Wiedervereinigung. Allerdings droht 2010 nach Auslaufen der Prämie wegen der vielen vorgezogenen Käufe ein harter Absturz.
Wenn die Nachfrage auf dem hohen Niveau der vergangenen Wochen bleibt, wird der Fördertopf voraussichtlich bis zur Bundestagswahl am 27. September ausgeschöpft sein. Die SPD-Landeschefs aus Niedersachsen und dem Saarland, Garrelt Duin und Heiko Maas, forderten daher eine Verlängerung bis zum Jahresende. Union und FDP dagegen sprachen sich vehement gegen eine Aufstockung der Prämie aus, die nur der "drogenabhängigen" Autoindustrie helfe.
"Enormes Potential"
Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Steffen Kampeter (CDU) forderte: "Wir sollten die Droge Abwrackprämie nicht länger verabreichen".
Die Autoindustrie "sollte lieber Konzepte vorlegen, wie sie mit den strukturellen Herausforderungen für ihre Branche umgehen will", sagte er der Financial Times Deutschland.
SPD-Chef Franz Müntefering wies im Fernsehsender N24 frühere Forderungen nach einer Aufstockung der Abwrackprämie generell zurück. "Der Betrag wird nicht erhöht werden."
Ähnlich äußerte sich auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle. Die Abwrackprämie sei ökologischer und ökonomischer Unsinn und führe zu erheblichen Marktverzerrungen, sagte er den Ruhr-Nachrichten. "Die Abwrackprämie wirkt wie eine harte Droge. Eine Verlängerung würde die Entziehung nur umso härter machen. Die Abwrackprämie wird schon jetzt dazu führen, dass der Neuwagenmarkt im nächsten Jahr richtig einbrechen wird."
Der Bremer SPD-Vorsitzende und verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, forderte statt der Prämie Steueranreize für Mitarbeiter von Autofirmen. "Da schlummert enormes Potential", sagte er dem Weser-Kurier.
In deutschen Autowerken würden bis zu 40.000 Jahreswagen nicht abgeholt, weil diese für Mitarbeiter steuerlich nicht mehr attraktiv seien. "Würde das wieder geändert, könnten weit über 100.000 Autos abgesetzt werden". So profitierten dann die deutschen Autobauer, nachdem die Abwrackprämie bislang vor allem ausländischen Herstellern genutzt habe.
Im Prämientopf ist nach Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn noch Geld für rund 280.000 Fahrzeugkäufe. An jedem Werktag gingen 7000 bis 8000 Neuanträge ein.
- Thema
- Abwrackprämie RSS
- Autoverkäufe boomen Abwrackprämie wohl bald aufgebraucht 07.07.2009
- Lichtblick in der Krise Industrie feiert deutliches Auftragsplus 07.07.2009
- Ifo-Chef Sinn "Das Kasino wird geschlossen" 14.05.2009
- USA: Abwrackprämie Cash für Kühlschränke 31.03.2010
- Wirtschaft kompakt Geldregen für die Chefs 12.03.2010
- Automobilbranche Absatz auf 20-Jahres-Tief 02.02.2010
- Abwrackprämie Gute Chancen für Nachrücker 04.11.2009
(sueddeutsche.de/dpa/hgn/mel)
Wer gehört denn eigentlich am ehesten in den Knast, um beim Bild zu bleiben:
Der Fixer oder der Dealer, der ihn angefixt hat?
die politik tut genau das was in den umfragen beim volk angesagt ist. anfangs war es allgemein von der mehrheit erwünscht zu helfen bis nach hunderten hinweisen der letzte dämel begriffen hatte, dass die abwrackprämie weder ökon. noch ökolog. sinnvoll ist. nun wird gegengesteuert. idem bei der rettung von opel, stimmung schwankt um, ergo arcandor bekommt kein geld. mein respekt ggü den meisten politikern tendiert so langsam gegen null. die lügen und die heuchelei ähnel schon den im sport (doping, transferts, trainerwechsel,..). wenn die sog. bourgeoisie in ferner zukunft der lebensstandard abhanden kommt gibts was auf die mütze. klingt etwas überzogen aber irgendwann reisst der faden der vernunft.
...nur so nebenbei, ich denke nicht, dass sich irgendjemand mit der Abwrackprämie einen Porsche oder Daimler gekauft hat. Egal. Die 'Abwrackprämie' hat doch unter Adolf schon nicht funktioniert, wieso sollte sie das jetzt?! Aber wir haben dieses Jahr Bundestagswahlen, da muss der Wähler bei Laune gehalten werden, da verkündet man schnell Rentenerhöhungen oder Steuersenkungen.
Es grenzt schon an Unverschämtheit wenn die AutoMilliardäre nach weiteren Steuergeldern rufen. Diese Abwrackprämie wurde genutzt um alte Schinken an den Käufer zu bringen: Wurden neue Umwelt verträgliche Autos gebaut und gefördert? Nicht eines. Daimler verkauft seine Panzer auf deutsche Strassen und Porsche seine Potenzförderer. Die anderen benennen eben mal Ihre benzinschleudern als GREEN und haben damit also genug für die Umwelt getan. Das alles soll der Steuerzahler dann finanzieren? Was ist die Prämie den Wert? Letztlich zahlt der Sterzahler dem anderen Steuerzahler das Auto. Es ist wie mit der Solarenergie. $0 Millionen Haushalte zahelen im jahr 50 Euro- damit wenige tausend sich die Dinger aufs Dach montieren und verdienen.
Die Abwrackprämie ist noch ausreichend um die Probleme für die Zeit nach den Wahlen zu verschleppen.
Paging