Abgasaffäre VW verärgert die US-Justiz

Volkswagen verkauften sich zuletzt deutlich schlechter.

(Foto: Bloomberg)
  • US-Staatsanwälte fordern mehr Informationen zu internen Vorgängen im Unternehmen haben - doch VW hält offenbar Unterlagen mit Verweis auf deutsches Recht zurück.
  • Der Konzern hat sich bislang dazu nicht geäußert.
  • Die Absatzzahlen des Konzerns sind zuletzt deutlich zurückgegangen.

Wenige Tage vor dem US-Besuch von VW-Chef Matthias Müller verstärkt die amerikanische Justiz den Druck auf den Konzern bei der Aufarbeitung des Diesel-Abgasskandals.

Am Freitag warf die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Connecticut den Niedersachsen mangelnde Kooperation vor. Der Autobauer verweigere unter Berufung auf den Datenschutz in Deutschland die Herausgabe von E-Mails und anderer Kommunikation unter Managern, erklärte ein mit dem Vorgang Vertrauter. Eine Gruppe von 48 Bundesstaatsanwälten habe das Material angefordert, wie auch die New York Times berichtete.

Der Bundesstaatsanwalt von Connecticut, George Jepsen, sagte, es sei frustrierend, dass Volkswagen trotz aller bekundeten Bereitschaft zur Kooperation und Aufklärung der gezielten Irreführung die Zusammenarbeit unter Verweis auf deutsches Recht verweigere.

Die Wolfsburger wollten sich nicht dazu äußern, ob der Autobauer Dokumente zurückhalte. "Wir stehen in permanentem Austausch mit den US-Behörden und kooperieren eng mit ihnen. Wir kommentieren keine laufenden Untersuchungen", sagte ein VW-Sprecher.

Kritik auch von der EPA

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Umweltbehörde EPA zugegeben, Stickstoffwerte bei Diesel-Autos mit einer Software geschönt zu haben. In den USA sind knapp 600000 Fahrzeuge verschiedener Konzernmarken betroffen.

Weltweit ist eine Software, die den Stickoxid-Ausstoß nur auf dem Prüfstand unter den Grenzwert senkt, in elf Millionen Autos eingebaut. Während in Europa noch in diesem Monat der Rückruf beginnt, hat sich VW mit der US-Umweltbehörde EPA noch nicht über einen Plan zum Bereinigen der Diesel-Motoren geeinigt. EPA-Chefin Gina McCarthy hatte in dieser Woche kritisiert, dass es mit dem seit Wochen diskutierten Rückrufplan nicht vorangehe.

VW-Chef Matthias Müller trifft McCarthy am Mittwoch in Washington. Zuvor wird Müller, der Ende September Nachfolger des über den Skandal gestürzten Martin Winterkorn wurde, erstmals seit Bekanntwerden der Manipulation öffentlich in den USA auf der Automesse in Detroit auftreten.

Vor wenigen Tagen reichte das US-Justizministerium im Namen der EPA Klage gegen Volkswagen wegen des Verstoßes gegen das Luftreinhaltegesetz ein. In der Klageschrift werden Geldstrafen gefordert, die sich auf bis zu 46 Milliarden Dollar summieren. Zudem wurden inzwischen rund 650 Sammelklagen in den USA gegen VW eingereicht. Auch strafrechtliche Ermittlungen laufen noch - in den USA wie in Deutschland.

Deutlich weniger Verkäufe

Unterdessen leidet auch der Absatz des Konzerns. Die Verkäufe der Kernmarke VW sackten im Dezember um 7,9 Prozent auf 487 700 Autos und im Gesamtjahr 2015 um 4,8 Prozent auf 5,82 Millionen Autos ab.

Insgesamt sanken die Verkäufe des Konzerns, zu dem unter anderem auch Audi und Porsche gehören, um zwei Prozent auf 9,9 Millionen Fahrzeuge. Damit verfehlt der Konzern sein Ziel, 2015 so viele Autos zu verkaufen wie im Jahr zuvor mit knapp 10,1 Millionen Fahrzeugen.

Die Konkurrenz konnte hingegen zulegen. Daimler etwa steigerte seine Auslieferungen im vergangenen Jahr um 14,4 Prozent. Und Opel erzielte in Europa die besten Verkaufszahlen seit 2011.