Abgasaffäre Razzia bei Ex-Audi-Vorstand Knirsch

Die Staatsanwaltschaft München II durchsuchte am Donnerstag die Wohnungen von drei weiteren Beschuldigten, darunter auch zwei ehemalige Audi-Vorstände.

(Foto: dpa)
  • Die Staatsanwaltschaft München II durchsuchte an diesem Donnerstag Wohnungen und Büroräume von drei weiteren Beschuldigten in der Abgas-Affäre bei Audi.
  • Einer der Beschuldigten ist Stefan Knirsch, ehemaliger Entwicklungsvorstand bei Audi.
  • Er schied wegen seiner Verwicklung in die Abgasaffäre aus dem Unternehmen aus.
Von Klaus Ott

Drei Razzien bei und wegen Audi innerhalb weniger Wochen, und jetzt sogar zwei ehemalige Vorstandsmitglieder der Ingolstädter VW-Tochter unter den Verdächtigen: Die Staatsanwaltschaft München II treibt ihre Ermittlungen in der Abgasaffäre vehement voran.

Am Donnerstag durchsuchten die Strafverfolger die Wohnungen von drei weiteren Beschuldigten. Insgesamt wird nun bereits gegen 17 Personen wegen des Verdachts ermittelt, sie hätten mit angeblich sauberen, tatsächlich aber schmutzigen Diesel-Fahrzeugen die Kunden betrogen und unlautere Werbung betrieben.

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Knirsch soll bereits 2013 von Gesetzesverstößen gewusst haben

Bei einem der beiden Ex-Vorstandsmitglieder handelt es sich nach Informationen von SZ, NDR und WDR um Stefan Knirsch. Er war zwischenzeitlich Entwicklungsvorstand gewesen. Knirsch soll bei Audi von Mitarbeitern bereits am 11. Oktober 2013 mit einer schriftlichen "Risikoeinschätzung" über die Gesetzesverstöße mit einer verbotenen Software ("Defeat Device") in den USA informiert worden sein.

Mit einem solchen Defeat Device wird die Abgasreinigung weitgehend abgeschaltet, was einen hohen Ausstoß an gesundheitsschädlichen Stickoxiden zur Folge hat. Knirsch soll es im Herbst 2013 unterlassen haben, die Behörden zu informieren. Er saß damals noch nicht im Audi-Vorstand, in den er später aufrückte, bevor er wegen seiner offenkundigen Verwicklung in die Abgasaffäre gehen musste.

Der Anwalt von Stefan Knisch, Frank Eckstein, wollte sich am Donnerstag auf Anfrage nicht zur der Durchsuchung und zu den Anschuldigungen gegen seinen Mandanten äußern.

Besonders pikant in diesem Fall: Knirsch war nur neun Monate Entwicklungsvorstand bei Audi gewesen, bevor die VW-Tochter ihn fallen ließ. Der Motorenexperte, so stellte es sich aus Sicht von Audi heraus, sei in die Abgasaffäre verwickelt gewesen. Hoch entlohnt worden ist der Kurzzeit-Vorstand trotzdem. Er erhielt zwei Millionen Euro Gehalt und Boni. Außerdem sagte ihm Audi "im Zusammenhang mit dem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Vorstand" noch eine Vergütung in Höhe von 3,8 Millionen Euro zu. So steht es in dem im März 2017 veröffentlichten Geschäftsbericht für 2016.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt im Fall Audi wegen insgesamt mehr als 200 000 Fahrzeugen in Europa und den USA, deren Schadstoffwerte manipuliert gewesen sein sollen.

Jetzt hören: Der SZ-Podcast über die Abgasaffäre mit Klaus Ott und Max Hägler: