Abgasaffäre Ex-VW-Chef Winterkorn soll schon 2014 von überhöhten Abgaswerten gewusst haben

Martin Winterkorn gerät in der Abgasaffäre weiter unter Druck: Wusste er viel früher als behauptet von Ermittlungen gegen VW?

(Foto: dpa)
  • Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn soll bereits im Mai 2014 über Ermittlungen der US-Umweltbehörde wegen überhöhter Abgaswerte informiert worden sein.
  • In dem internen Schreiben wird auch nahegelegt, dass die Behörde nach einer Manipulationssoftware suchen könnte.
  • Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte VW gegen das deutsche Wertpapierhandelsgesetz verstoßen haben.

Wann wusste Winterkorn was?

Interne Dokumente belasten den früheren VW-Chef Martin Winterkorn in der Affäre um manipulierte Abgaswerte. Ein Mitarbeiter soll Winterkorn bereits im Mai 2014 schriftlich über die Ermittlungen der US-Umweltbehörde wegen überhöhter Abgaswerte und der Suche nach einer VW-Betrugssoftware informiert haben, wie die Bild am Sonntag berichtet. In seiner Rücktrittserklärung schrieb Winterkorn noch im September 2015, er sei sich "keines Fehlverhaltens bewusst".

Fünf Tage vor Winterkorns Rücktritt war bekannt geworden, dass VW eine illegale Software in seinen Autos verwendet hat. Diese erkennt, wenn die Abgaswerte des Fahrzeugs auf dem Prüfstand getestet werden und kann dafür sorgen, dass sie sauber sind. Auf der Straße aber stößt der Wagen dann viel mehr Stickoxide als erlaubt in die Luft. Die US-Umweltbehörde ordnete den Rückruf von etwa einer halben Million Dieselautos an.

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In den internen Dokumenten geht es laut BamS um Messungen der Behörden, bei denen die zulässigen Stickstoffwerte (Nox) um das bis zu 35-fache überschritten wurden. "Eine fundierte Erklärung für die dramatisch erhöhten Nox-Emissionen kann den Behörden nicht gegeben werden", heißt es in dem Schreiben an Winterkorn. Es sei "zu vermuten, dass die Behörden die VW Systeme daraufhin untersuchen werden, ob Volkswagen eine Testerkennung in die Motorsteuergeräte-Software implementiert hat (so genanntes defeat device)".

Zu diesem frühen Zeitpunkt gab es bereits den Verdacht, die Amerikaner könnten nach einer Manipulationssoftware (Defeat Device) suchen. Winterkorn hatte versichert, von der Schummel-Software erst kurz vor dem 18. September 2015 erfahren zu haben. An diesem Tag hatten die US-Umweltbehörden den VW-Abgasbetrug öffentlich gemacht.

Laut der Notiz hatte bereits am 5. August 2015 ein hochrangiger VW-Manager gegenüber dem Vizechef der kalifornischen Umweltbehörde Carb die gesetzeswidrigen Abgaswerte bestätigt. Nach diesem Eingeständnis sei man in Wolfsburg davon ausgegangen, dass auf den Konzern erhebliche Strafzahlungen und Schadenersatzforderungen zukommen werden.

Dennoch hatte VW die Öffentlichkeit erst am 22. September 2015 in einer so genannten Ad-hoc-Meldung darüber informiert. Damit könnte der Konzern gegen das deutsche Wertpapierhandelsgesetz verstoßen haben. Darin ist vorgeschrieben, dass Firmennachrichten unverzüglich öffentlich zu machen sind, wenn sie den Aktienkurs eines Unternehmens beeinflussen können.

Dobrindt plant "Dopingtests" für Fahrzeuge

Als Konsequenz aus der VW-Affäre um manipulierte Abgaswerte will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) BamS zufolge verschärfte Kontrollen bei allen Automobilherstellern einführen. "Es wird Kontrollen für Kraftfahrzeuge im Stile von Dopingtests geben. Unangemeldet, jedes Jahr", sagte Dobrindt. "Nach dem Zufallsprinzip werden Fahrzeuge beispielsweise über Autovermietungen ausgewählt und deren Schadstoffausstoß getestet."

Sein Ministerium wolle sicherstellen, dass solche Manipulationen nicht wieder passieren und werde das Kontrollsystem weiterentwickeln: "Wir bauen eigene staatliche Prüfstände beim Kraftfahrt-Bundesamt auf", sagte der CSU-Politiker. Neben den Schadstoff-"Antidopingtests" sei überdies eine Rotation der Prüfdienste und die Offenlegung der Motorsoftware geplant.

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