Abgas-Affäre Investoren verklagen VW auf mehr als drei Milliarden Euro Schadenersatz

Volkswagen-Werk in Wolfsburg.

(Foto: dpa)
  • Neuer Ärger für VW: 278 Aktionäre, die vom Tübinger Anwalt Andreas Tilp vertreten werden, verklagen den Autokonzern auf mehr als drei Milliarden Euro Schadenersatz. Weitere Klagen könnten folgen.
  • Die Anleger fordern einen Ausgleich für die hohen Kursverluste durch den Abgas-Skandal. Unter ihnen sind einige mächtige Unternehmen.
  • Tilp verlangt Schadenersatz für alle Mandanten, die ab Mitte 2008 VW-Papiere erworben hatten - so erklärt sich die hohe Forderung.
Von Thomas Fromm und Klaus Ott

Die Klageschrift, die an diesem Montag beim Landgericht Braunschweig eingereicht wurde, war mit 200 Seiten nicht besonders dick. Aber die dazugehörigen Anlagen waren zu viel für den üblichen Weg per Post oder Fax - die ließ der Tübinger Anwalt Andreas Tilp lieber von einem Taxifahrer die knapp 550 Kilometer nach Norden bringen. Auf die fast 1200 Euro, die eine solche Strecke normalerweise kostet, kommt es in diesem Fall auch nicht mehr an.

278 Aktionäre von Volkswagen verklagen den deutschen Autokonzern auf 3,255 Milliarden Euro Schadenersatz in der Abgasaffäre um manipulierte Schadstoff-Werte bei weltweit mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen. Die Anteilseigner fordern einen Ausgleich für die hohen Kursverluste, die sie mit ihren VW-Papieren erlitten haben. Über ein Konsortium mehrerer Gesellschaften, das die Prozesskosten finanziert, plant Tilp noch zeitig vor einer drohenden Verjährung im September 2016 weitere Klagen für mehr als 20 Investoren, die dann noch einmal deutlich mehr als eine Milliarde Euro haben wollten. Die Aktionäre werfen Volkswagen vor, nicht nur die Auto-Kunden mit den angeblich sauberen Diesel-Fahrzeugen viele Jahre lang getäuscht und betrogen zu haben, sondern auch die Anleger.

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Viele Gegner, große Gegner

Es handelt sich hierbei um die ersten Milliarden-Verfahren in Deutschland gegen den in Wolfsburg ansässigen Autokonzern, für den das Landgericht Braunschweig zuständig ist. Die Kläger sind keine kleinen Anleger, sondern große Gesellschaften, die über die entsprechenden Mittel für einen langen Streit bei Gericht verfügen. Zu ihnen zählen beispielsweise eine Tochter des Versicherungskonzerns Allianz; die Deka, eine Tochter der Sparkassen, und weitere deutsche Kapitalanlagefonds. Außerdem Calpers, der größte US-Pensionsfonds, und weitere finanzstarke Unternehmen von Europa bis Australien, von Kanada bis Japan.

So viele Gegner, so große Gegner, das macht die Klage für Volkswagen besonders gefährlich.

Erste Attacken beim Landgericht Braunschweig hat der Wolfsburger Autokonzern kürzlich mit einer mehr als 100-seitigen Erwiderung abzuwehren versucht. Doch jetzt geht es erst richtig los. Wahrscheinlich wird der Streit am Ende in einem Musterprozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig ausgefochten. Beide Seiten, Volkswagen und die Kläger, wollen das so. Vor dem OLG wird dann die ganze Geschichte der Abgasaffäre aufgerollt werden, beginnend mit der Programmierung der Manipulations-Software in den USA; vermutlich ab November 2006.

Volkswagen hatte damals mit der Motor-Baureihe EA 189 eine Diesel-Offensive in Übersee gestartet und seine Fahrzeuge als besonders umweltfreundlich angepriesen. Erst im vergangenen Jahr flogen die Manipulationen auf. Am 18. September 2015 enthüllte die US-Umweltbehörde EPA die Gesetzesverstöße.