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Nur die Liebe zählt
Anne Will
18.11.2007, 23:04
Grossbild
Konfliktlösung via Talkshow: GDL-Chef Manfred Schell mit Moderatorin Anne Will. (Foto: ddp)
Ja, es ist Liebe. Was für ein wunderschöner Satz. Ein Kernsatz des Bekennerjournalismus, der inzwischen zur Spezialität der deutschen Boulevardpresse geworden ist. Am Sonntag gaben TV-Talkmasterin Anne Will und die Medienprofessorin Miriam Meckel via Bild am Sonntag ihre private Kleingruppenbildung bekannt: "Ja, wir sind ein Paar."
All you need is love, das gehört schon seit längerem zu den Grunderkenntnissen der modernen Gesellschaft, und die Talkgrößen des heimischen TV-Betriebs scheinen in besonderem Maße zu Amors Zielgruppe zu gehören.
Und doch wurde am Abend des gleichen Sonntags in der ARD-Vorzeigesendung der liebesberauschten Anne Will deutlich, wie weit manche Mitmenschen vom Glück tatsächlich entfernt sind. Da stritten sich die Kombattanten der Deutschen Bahn öffentlich über Tarife, Zulagen und Verträge, so dass Metall-Arbeitgeberpräsident Martin Kannegiesser schon pädagogisch wertvoll befand: "Tarifverhandlungen über das Fernsehen zu führen, das geht nicht."
Irrtum: Im Fernsehen geht fast alles.
"Die überraschendste Liebeserklärung des Jahres" (Bild am Sonntag) war angesichts des Schlagabtauschs im Studio jedenfalls zunächst einmal schnell aus dem Gedächtnis geraten.
Die Sprache wurde blutig. Chefankläger Kannegiesser befand wahlweise, der Bahnstreik ginge auf die Hauptschlagader der deutschen Wirtschaft, es werde Artillerie eingesetzt, wo Florett ausreiche - und überhaupt, der Tarifkampf sei, als ob man eine Granate in den Betrieb werfe.
Aber es ging ja auch, so der Sendetitel, um den "Machtkampf auf der Schiene" oder, wie die Moderatorin es ausführte, vielleicht auch um das Duell zweier Männer: "Wer zuerst zuckt, verliert."
Statt des robusten Bahn-Chefs Hartmut Mehdorn saß seine Personalvorstandsfrau Margret Suckale neben Manfred Schell, dem filouhaften, etwas umständlichen Chef der Lokführergewerkschaft. Die PR-strategisch gut aufgebrezelte Managerin redete so oft davon, dass ihr Unternehmen an alle Berufsgruppen der Bahn denken müsse, dass Kontrahent Schell schließlich sogar befand, sie verkaufe sich gut.
Als Suckale dann auch noch dem Vorschlag eines anwesenden Verhandlungsexperten zustimmte, der gesamte Bahn-Vorstand solle an diesem Montag alle Termine streichen und in die Wahllokale gehen, da war es um den guten Kritiker Schell endgültig geschehen: "Ihre öffentliche Spontanität verwirrt mich“, sagte er verwundert zur Bahn-Managerin.
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![]() 20.11.2007 03:16:06 gerhardt_124: @kinakina: Na ja, aber bei den Privaten ist es doppelt so schlimm. Dort kennt die Verdummung überhaupt keine Grenzen. ![]()
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