Düstere Vorahnung
Hertie: Ungewisse Zukunft
09.04.2009, 11:43
Die Zukunft des traditionsreichen Kaufhauses ist alles andere als rosig. (Foto: dpa)
Hertie-Insolvenzverwalter Biner Bähr hat die Entscheidung über den Fortbestand der Warenhauskette Hertie abermals vertagt. Bis Ostern, so hatte Bähr Ende März angekündigt, werde klar sein, wie es mit dem Unternehmen weitergehe.
Davon ist jetzt keine Rede mehr. "Vor Ostern und voraussichtlich auch in der Woche darauf wird keine Entscheidung über die Zukunft von Hertie getroffen", hieß es am Mittwoch aus Bährs Büro. Damit dauert die Zeit der Ungewissheit für die 3200 Mitarbeiter in den verbliebenen 54 Filialen weiter an.
Ursprünglich hatte Bähr der Londoner Beteiligungsgesellschaft Dawnay Day, der die Mehrheit der Hertie-Häuser gehört, ein Ultimatum für Ende Februar gesetzt. Sollten die Briten bis dahin nicht bereit sein, ihre hohen Mietforderungen zu reduzieren, sei er gezwungen, Hertie abzuwickeln, hatte der Insolvenzverwalter gedroht. Im Zuge der Verhandlungen mit einem nicht genannten potentiellen Investor aus der Schweiz verlängerte Bähr die Frist später bis Ende März.
Dann hieß es, man benötige noch ein paar Tage; nun zieht sich der Entscheidungsprozess abermals in die Länge. "Solange gesprochen wird, gibt es noch Hoffnung", sagte ein Hertie-Sprecher.
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Negative Signale
Unterdessen mehren sich die Signale, dass bei dem Warenhausunternehmen in Kürze die Lichter ausgehen. Zum einen hat Dawnay Day die Verhandlungen offiziell für gescheitert erklärt.
Zum anderen ist sechs Wochen nach einem Gespräch im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium über eine mögliche Landesbürgschaft dort noch kein entsprechender Antrag eingereicht worden. "Die vorgelegten Unterlagen erfüllen nicht die Mindestvoraussetzungen für eine Antragstellung", sagte ein Sprecher des Ministeriums.
Zudem berichten Lieferanten, dass Hertie die Bestellungen in jüngster Zeit massiv gekürzt habe - mit der Folge, dass sich in den Regalen des Warenhausunternehmens bereits große Lücken auftun.
Auch meiden inzwischen viele Firmen das Risiko, mit Hertie Kontrakte abzuschließen, die über ein paar Wochen hinausgehen. "Hertie hat nicht genug Ware, um ein gutes Ostergeschäft machen zu können", heißt es bei einem der führenden Lieferanten.
Nur Verlierer
Im Umfeld des Warenhausunternehmens, das Ende Februar bereits 19 Häuser geschlossen hat, wird vermutet, dass sich das Schicksal der Kette in der zweiten Woche nach Ostern entscheiden wird. Es wird nicht ausgeschlossen, dass sich Immobilieneigentümer und Insolvenzverwalter möglicherweise doch noch auf einen "für beide Seiten schmerzhaften Kompromiss" verständigen.
Denn im Fall eines endgültigen Aus für Hertie würde es nur Verlierer geben: Der Ruf von Bähr, der hoch pokerte, als er den Immobilieneigentümern ein Ultimatum setzte, wäre angekratzt. Und die Eigentümer der Warenhäuser müssten sich nach neuen Nutzern umsehen - was nach Einschätzung von Immobilienfachleuten an vielen Standorten äußerst schwierig sein wird. Die Mietverträge für alle Objekte sind bereits seit Mitte Januar aufgehoben.
Der Immobiliendienstleister Atisreal hat von Dawnay Day das Mandat erhalten, von Hertie genutzte Häuser an Dritte zu verkaufen. Sechs Häuser sollen bereits veräußert sein. Seit der Herauslösung aus dem früheren Karstadt-Quelle-Konzern (heute Arcandor) Mitte 2005 hat sich die Situation von Hertie von Jahr zu Jahr verschlechtert. Der Verlust erhöhte sich von 44 auf 119 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2007/08.
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