Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Conti-Chef Wennemer tut so, als könne nur an seinem Wesen die Firma genesen. Dabei hat er seine Hausaufgaben nicht gemacht.

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Conti-Chef Manfred Wennemer bei der Pressekonferenz zu dem Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe am Mittwoch vergangener Woche Foto: dpa

Manager haben kein gutes Ansehen. Ihr Image liegt längst unter dem von Gebrauchtwagenhändlern, und einer arbeitet gerade daran, es noch schlechter zu machen. Der Chef des Reifen- und Autotechnik-Herstellers Continental, Manfred Wennemer, bedient gerade wieder einige Klischees, die es über die Hybris der Unternehmenschefs gibt.

Er hält sich offenbar für mehr als einen leitenden Angestellten und benimmt sich, als gehöre das Hannoveraner Unternehmen, dessen Chef er seit sieben Jahren ist, nicht den Aktionären, sondern ihm persönlich.

Das Familienunternehmen Schaeffler aus Franken schickt sich an, Continental zu übernehmen. Das ist nicht verwerflich, allenfalls überraschend. Der Conti-Chef findet es unerhört. Dieser Anschlag auf Continental sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos", schimpfte er.

Das sind starke Worte, vor allem bei einem, der selbst nicht für Zimperlichkeit bekannt ist, der ein beinhartes Shareholder-Value-Denken pflegt, bei dem Klagen und Zagen von Gewerkschaftern nicht viel gelten und für den nur eines zählt: der Aktienkurs. Der aber war bei Conti zuletzt so schwach, dass ein Angreifer leichtes Spiel hatte.

Wennemer galt lange als Wundermanager, der den Conti-Aktienkurs über Jahre hinaus beeindruckend nach oben trieb. Vor einem Jahr aber ging er den entscheidenden Schritt zu weit. Er kaufte die Siemens-Tochtergesellschaft VDO für viel zu teure elf Milliarden Euro. Seitdem hat sich der Conti-Kurs halbiert.

Hausaufgaben nicht gemacht

Schaeffler nutzte die Schwäche und machte ein gut vorbereitetes Angebot zur Übernahme. Wennemer dagegen hatte seine Hausaufgaben nicht gemacht und war auf die Attacke nicht vorbereitet. Jetzt greint er wie ein kleiner Junge, dem ein anderer sein Spielzeug wegnehmen will.

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Es könne doch nicht sein, "dass ein anderer die Früchte dessen erntet, was wir über Jahre gesät haben", klagt Wennemer. Er geht sogar so weit, der Schaeffler-Gruppe, die bei Conti die Führung übernehmen will, ein Aktienpaket von maximal 20 Prozent anzubieten. Mehr sollte es seiner Meinung nach nicht werden. Findet jedenfalls Wennemer.

Hier legt der Manager ein merkwürdiges Verständnis von Aktionärsdemokratie an den Tag. Sein Vorschlag ist etwa so absurd, als würde die Kanzlerin nach der Bundestagswahl dem Chef der siegreichen Opposition mitteilen, er solle sich den Wunsch zur Regierungsübernahme mal besser verkneifen, weil sie das schließlich besser könne. Aber auch Wennemer wird einsehen müssen, dass nicht er über das Schicksal von Conti entscheidet, sondern allein seine Aktionäre.

Es mag für einen Manager schwer einzusehen sein, dass andere schlauer waren. Er darf auch beklagen, dass Gesetzeslücken das Vorgehen von Schaeffler unterstützten oder dass der Preis des Angebots zu gering ist. Aber Vorstandschefs müssen verstehen, dass für Eitelkeit in ihrer Einkommensklasse kein Raum ist. Dafür haben sie eine zu große Verantwortung. Im Falle von Continental geht es um 150 000 Mitarbeiter, die sich von der Arbeit ihrer Chefs eine sichere Zukunft erhoffen.

Doch Wennemer tut so, als könne nur er die Arbeitsplätze sichern, während die bösen Übernehmer den Konzern wahrscheinlich zerlegen und Arbeitsplätze zerstören würden. Dazu hat er kein Recht. Die bei Schaeffler tätigen Gewerkschaften bezeugen, dass auch das fränkische Unternehmen soziale Verantwortung kennt.

Wennemer selbst hat bei der umstrittenen Verlagerung der profitablen Reifenfertigung von Hannover ins Ausland vor drei Jahren bewiesen, dass ihm die Interessen der Mitarbeiter weniger wichtig sind als sein Aktienkurs.

Dass er jetzt in der Not die Arbeitnehmer auf seine Seite zu ziehen versucht, ist der Versuch, den eigenen Job zu retten. Doch die Unterstützung der Gewerkschaften für Wennemer wird schon spürbar geringer. Wer so durchschaubar handelt, darf sich darüber nicht wundern.

Continental

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WKN: ISIN: Typ: Branche:
543900 DE0005439004 Aktie Automobilzulieferer

(SZ vom 21.7.2008/ssc)