Die Chinesen haben den Smart entdeckt - und kopieren ihn

Automobiles Plagiat

12.10.2006, 17:18

Von Janis Vougioukas

Unbekannte Autohersteller wollen sich mit dem Glanz westlicher Fahrzeuge schmücken.

Original oder Fälschung? Fälschung! (Foto: CMEC)

Das Auto heißt "Electric City Smart" und es gibt sogar Fotos im Internet: Gelb-silbernes Blechgewand, zwei putzige Scheinwerfer und ein tiefer Kühlergrill, der wie ein lächelnder Mund wirkt.

Der City Smart ist - rein äußerlich - der eineiige Zwillingsbruder des Smarts von DaimlerChrysler. Allerdings wird er mit einer Batterie betrieben, Reichweite 100 Kilometer.

Der City Smart wurde für den europäischen Markt entwickelt, heißt es von der Herstellerfirma CMEC, einem Golfbuggyproduzenten aus dem ostchinesischen Suzhou. Das brisante dabei: Der Electric City Smart ist sozusagen eine Raubkopie.

Anderes Innenleben

"Der Smart ist so ein tolles Auto, da ist es doch nicht überraschend, dass andere es kopieren wollen", sagt der Pekinger Daimler-Sprecher. Er sagt das nur halb im Scherz. Die Plagiate westlicher Autos sind in China ein wachsendes Problem.

Für den Herbst hat auch der nordchinesische Autohersteller Shuanghuan ein neues Modell angekündigt. Derzeit läuft der Wagen noch unter dem Titel S6. Je nach Ausstattung soll er umgerechnet 2800 bis 5000 Euro kosten.

Kürzlich konnte eine chinesische Autowebseite ein erstes Foto veröffentlichen. Niemand schien überrascht zu sein, dass auch der S6 äußerlich von einem Smart nicht zu unterscheiden ist. Shuanghuang bedeutet übersetzt Doppelring. Das Markenzeichen des ehemaligen Rüstungskonzerns sah lange aus wie ein halbes Audi-Logo.

Es geht den Raubkopierern gar nicht um die Technologie. Das Innenleben chinesischer Autos ist Jahrzehnte von den westlichen Entwicklungen entfernt.

Es geht um das Markenprofil. Weit mehr als 100 Fahrzeughersteller gibt es in China. Da die meisten von ihnen auch im eigenen Land fast völlig unbekannt sind, versuchen die Firmen, vom Glanz ausländischer Konzerne zu profitieren.

Ebenfalls aus der Produktion von Shuanghuang stammt zum Beispiel ein Geländewagen, der vom BMW X5 nur durch das fehlende blauweiße Logo zu unterscheiden ist. Der Jeep kostet 11 000 Euro, den Aufkleber mit BMW-Emblem bekommt man dann vom Händler geschenkt.

"Nur zehn Prozent aller Menschen sind Zwillinge. Bei Autos muss die Rate viel höher sein", witzelte sogar die Nachrichtenagentur Xinhua. Und die Kreativität der Kopierer ist fast unbegrenzt. Zwar können auch die meisten chinesischen Autokäufer einen echten von einem falschen BMW unterscheiden.

Doch das Plagiat kostet in China nur ein Zehntel des Originals. Und da die Idee vom Schutz des geistigen Eigentums in China neu ist, sehen die meisten Chinesen gar kein Problem.

Oft trifft man Autofahrer, die auf dem Kühlergrill ihres Fahrzeugs stolz ein "VW-Symbol" befestigt haben. Selbst die Vertragswerkstätten der westlichen Autokonzerne fragen ihre Kunden, ob das Ersatzteil ein Original oder ein Nachbau sein soll.

DaimlerChrysler will jede Verletzung des Urheber- und Markenrechts verfolgen. Allerdings kämpft allein der japanische Hersteller Honda gegen zehn verschiedene Firmen.

(SZ vom 13.10.2006)

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