vgwort

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Die Abwrackprämie läuft aus und Politiker präsentieren eifrig neue Ideen. Doch die Autoindustrie muss nun selbst wieder auf die Beine kommen.

Abwrackprämie, dpa

Der Verzicht auf Steuereinnahmen soll die Autokonjunktur beleben - fordert Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger. Doch er setzt auf die falschen Argumente. (Foto: dpa)

Sieht ganz so aus, als ginge die deutsche Abwrackprämie nun den Weg aller größeren Subventionen. Sind sie einmal ausgezahlt, ist der Abschied von ihnen recht schmerzlich.

Wie schmerzlich er sein kann, das durfte die Republik erst vor zwei Jahren erleben; damals begann das allmähliche Ende der Steinkohle-Subventionen. Mittlerweile schwant auch der Autoindustrie, dass das nächste Jahr weit härter werden wird als das Krisenjahr 2009 - weil dann der Steuerzahler nicht mehr ein paar hunderttausend Autokäufer begünstigen wird.

Schon fordert auch Günther Oettinger, als Ministerpräsident Baden-Württembergs auch Landesvater der Mercedes- und Porsche-Werker, eine Fortsetzung der staatlichen Förderung, diesmal durch den Verzicht auf Steuermittel.

Der Bund solle den Erwerb von Jahreswagen durch Werksangehörige steuerlich begünstigen. Denn für die Rabatte, die ihnen ihr Arbeitgeber beim Autokauf gewährt, müssen die Beschäftigten Steuern zahlen. Es handelt sich schließlich um einen Vorteil, der bares Geld wert ist. Andere Autokäufer dagegen erhalten solche Rabatte völlig steuerfrei. Oettinger findet das ungerecht.

Er stützt sich aber auf die falschen Argumente: Der Verzicht auf Steuereinnahmen, so wirbt Oettinger, soll abermals die Autokonjunktur beleben. Ganz so, als wäre es die Aufgabe des Staates, durch ein Wechselspiel aus Förderung und Entlastung einzelne Branchen zu alimentieren. Es gäbe durchaus noch einige Wirtschaftszweige, die unter der Krise zu leiden haben - bei denen der Staat keinen künstlichen Markt schuf. Mag sein, dass die Autoindustrie das tiefste Tal erst vor sich hat. Diesmal aber wird sie selbst herausfinden müssen.

(SZ vom 25.08.2009/hgn)

ANZEIGE

mehr ...


Themen

Weitere Artikel in Wirtschaft

Leserkommentare (8)



25.08.2009 15:26:05

|337:

Ja genau - wir investieren jetzt ganz gewaltig in Elektro- und Wasserstoffautos: Weil Strom kommt ja schliesslich aus der Steckdose und Wasserstoff fliesst in jedem Fluss drinne und das ist beides total Öko... O_o

Zugegeben - es wurde viel zu wenig im Bereich von alternativen Antriebsquellen entwickelt, aber genau aus dem Grund gibt es nun kaum ernstzunehmende Alternativen zu fossilen Antriebsquellen und genau aus diesem Grund sollte man nicht auf so stumpfe Ideen wie die reine Förderung von Wasserstoff- oder Elektroautos verfallen!

Man könnte das Geld auch in frühkindliche Bildung (Kindergartenpflicht bei entsprechndem Ausbau der Kapazitäten) und in Bildung investieren - oder schlicht und ergreifend das Kurzarbeitergeld verlängern und/oder Kreditprogramme für die Wirtschaft herrauslegen bei denen beispielsweise der Staat einen Teil der Zinsbelastung trägt oder als Garant die Besicherung des Kredites verbessert.

Die BRD lebt doch nicht nur von der Automobilproduktion... zumal ausser BMW, Porsche und Audi kaum eine deutsche Marke im Preis- Leistungsverhältnis noch der ausländischen Konkurenz standhalten kann und bei BMW und Audi ist es wohl auch eher der Markenfaktor der dort eine Rolle spielt.


Bewerten Sie diesen Kommentar




vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 ältere Kommentare nächste Kommentare

Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


 

Wer gehört zu wem? Wer gehört zu wem?
Wer wie und wo beteiligt ist

Bankenkompass Der Banken-Kompass
Helfen Sie Ihrem Geld!


Schreiben Sie es auf: Sparen? Kein Problem!

Börse für Newbies - machen Sie Ihr Gelddiplom!

Deutsche Bahn, Foto: getty
Fahrkarten, Sitzplatzreservierung, Bahncard 50 - alles wird ab Dezember teurer. Ist der Aufschlag gerechtfertigt?
Generation D, Grafik SZ
Wie bringen wir Deutschland voran? Ein Überblick über die besten Einfälle von Studenten der Generation D.
Opel, Getty
Das große Opel-Spezial - Hintergründe, Analysen, Kommentare und Bilder.
Arcandor, Karstadt, Reuters
Arcandor und der Kampf ums Überleben: Analysen, Kommentare und Hintergründe - hier im Spezial.
Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
Manager, Geld, istock
Prämien in guten und schlechten Zeiten - ist das in Ordnung? Sagen Sie es uns!
Spitzengehälter
Muss Ihr Chef verdienen wie ein Popstar? Schreiben Sie es auf!
Kaufwut
Kaum gekauft und schon geärgert? Erzählen Sie!
Familienunternehmen; iStock
Die Familienunternehmen sind das Rückgrat der Wirtschaft. Eine Serie.
Sagen Sie mal ...
Ständig drängen sich in der Ökonomie große und kleine Fragen auf. Jetzt wollen wir Antworten haben!

ANZEIGE

Die großen Spekulanten
Kapitalismus in der Krise
Der Glaube an die Selbstregulierungskräfte des Kapitalismus ist längst verschwunden. Ein Spezial.