Interview: Marc Beise und Caspar Busse

Finanzkrise, Zukäufe bei RTL und der Umbau des Konzerns - ein Gespräch mit Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski.

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Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski: Der neue Boss soll den Konzern auf Wachstum trimmen. Foto: dpa

Hartmut Ostrowski, 50, war als neuer Bertelsmann-Chef der Wunschkandidat der Eigentümerfamilie Mohn. Jetzt soll er den Konzern, der zu den größten Medienunternehmen der Welt zählt, wieder auf Wachstum bringen. Das dürfte angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise schwer werden. Zu Bertelsmann (18 Milliarden Euro Umsatz) gehören etwa RTL, Random House oder Gruner + Jahr.

SZ: Herr Ostrowski, im vergangenen Dezember haben Sie Bertelsmann auf deutliche Veränderungen eingeschworen. Sie haben mit Blick auf wenig erfolgreiche und gut laufende Geschäftsfelder zwischen Lämmern und Löwen unterschieden. Wie weit sind Sie gekommen?

Ostrowski: Ich glaube, dass wir nach neun Monaten eine gute Bilanz ziehen können. Wir haben das Geschäft so weiterentwickelt, wie wir uns das vorgenommen haben. Und wir haben uns von Geschäften mit schlechter Perspektive getrennt. Unser Wachstumsprofil hat sich durch die getroffenen Portfoliomaßnahmen verbessert.

SZ: Was heißt das? Derzeit gibt es gar kein Wachstum. Sie haben das Ziel vorgegeben, den Umsatz von heute 18 auf 30 Milliarden Euro bis 2015 zu steigern. Ist das überhaupt noch realistisch?

Ostrowski: Die Ziele sind in der Tat ehrgeizig, zumal vor dem Hintergrund der aktuellen Konjunkturabkühlung. Aber wenn die Rahmenbedingungen gut sind, dann können wir auch wieder wachsen. Und das ist unsere Zielsetzung.

SZ: Sie haben sich unter anderem vom traditionsreichen Musikgeschäft getrennt, einem Herzstück von Bertelsmann. Warum der Bruch mit der Tradition?

Ostrowski: Die Trennung vom Musikgeschäft ist uns in der Tat nicht leicht gefallen und tut weh. Aber der Verkauf unseres Anteils an Sony BMG war notwendig und konsequent.

SZ: Hat Ihre harte Reaktion vielleicht auch damit etwas zu tun, dass Sie aus dem Dienstleistungsgeschäft kommen und deshalb wenig Verständnis und Emotion für Inhalte, für Musik und Bücher, haben?

Ostrowski: Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, und ich habe großes Interesse an Inhalten. Ohne unsere Inhalte würde mir mein Job nur halb so viel Spaß machen.

SZ: Täuscht der Eindruck, dass für Sie Rendite und Profit wichtiger sind als Inhalte?

Ostrowski: Das eine schließt doch das andere nicht aus. Im Gegenteil: das bedingt sich. Es ist genauso wichtig, exzellente, hochqualitative Inhalte zu haben und gleichzeitig ein perfektes Management, eine gute Organisation und anständige Gewinne.

»Die Trennung vom Musikgeschäft ist uns in der Tat nicht leicht gefallen und tut weh. Aber der Verkauf unseres Anteils an Sony BMG war notwendig und konsequent.«

Hartmut Ostrowski

SZ: Sie sollen nur 800 Millionen Euro in bar für die 50 Prozent an Sony-BMG erhalten haben. Das sieht wie ein Notverkauf aus.

Ostrowski: Die Zahl stimmt so nicht: Wir haben einen angemessenen Preis bekommen. Sonst hätten wir das auch nicht gemacht.

SZ: Auch die Buchclub-Aktivitäten haben Sie geprüft, dann aber nur teilweise verkauft. Gab es für den Rest, den Sie behalten, keinen Käufer?

Ostrowski: Wir haben uns von den Buchclub-Aktivitäten in Nordamerika getrennt. Dann haben wir uns um die strategischen Perspektiven des Clubgeschäftes in Europa gekümmert. Schließlich haben wir für einige Randgebiete den Verkaufsprozess eingeleitet. Das betrifft nicht die Clubaktivitäten in Deutschland und anderen großen Märkten in Europa.

SZ: Für die gibt es jetzt eine unbegrenzte Bestandsgarantie?

Ostrowski: Es gibt nie eine Bestandsgarantie in einem Unternehmen. Aber diese Clubaktivitäten werden wir im Moment nicht verkaufen.

SZ: Was heißt "im Moment"?

Ostrowski: Das heißt, wir glauben an die Geschäfte und werden sie weiterentwickeln.

SZ: Das Clubgeschäft, einst der Kern von Bertelsmann, hat schon lange große wirtschaftliche Probleme. Da hat sich doch nichts geändert?

Ostrowski: Das hängt davon ab, wie Sie das Geschäft gestalten. In Frankreich etwa haben wir um den Buchclub herum Handelsaktivitäten geschaffen. In anderen Ländern können wir die verlegerischen Kompetenzen in Kombination mit unserem Verlagshaus Random House stärken. Wir sehen hier durchaus Chancen.

SZ: Buchclubs, Sony BMG - sind die Aufräumarbeiten nun fertig oder gibt es weitere große Bereiche aus dem Prüfstand?

Ostrowski: In einem Unternehmen wie Bertelsmann gibt es immer Bereiche, die stark sind, und solche, die mal Schwächen zeigen. Das Unternehmen muss sich ständig weiterentwickeln. Im Moment sind aber keine weiteren Portfoliomaßnahmen geplant.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum der neue Boss Ostrowski keine Angst vor einem Konjunkturabschwung hat.

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