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Von Moritz Koch, New York

Er leitete den Telekom-Konzern AT&T und kennt sich mit Klapperschlangen aus: Jetzt überwacht Edward Whitacre den Autokonzern GM - und schaut dem Management streng auf die Finger.

Edward Whitacre, Foto: dpa

Er hat keine Ahnung von Autos, dafür aber von Klapperschlangen: Edward Whitacre leitet den Verwaltungsrat von General Motors. (Foto: dpa)

Big Ed hat keine Ahnung von Autos. Das hat er selbst gesagt. Dafür versteht er sich auf die Beseitigung von Klapperschlangen. Begegnen ihm die Tiere auf seiner Ranch, drückt sie der bullige Texaner mit einem Stock zu Boden und zertrümmert ihren Schädel mit einem Stein. Seit auf den Tag genau zwei Monaten leitet Big Ed nun den Verwaltungsrat von General Motors (GM) in Detroit. Er hat jetzt sehr viel mit Autos und ausgesprochen wenig mit Klapperschlangen zu tun. Dennoch sei er der richtige Mann für diesen Job, meint die Regierung in Washington.

Die Autoexperten von Präsident Barack Obama waren es, die Edward E. Whitacre Jr, den langjährigen und überaus erfolgreichen Chef des Telekommunikationskonzerns AT&T, als Oberaufseher von GM auswählten. Der Autokonzern gehört mehrheitlich dem Staat, seit er im Juli den Gläubigerschutz verließ. Der 67-jährige Whitacre soll in Detroit mit den schlechten Gewohnheiten aufräumen, die für den Niedergang des einst so stolzen Weltmarktführers verantwortlich waren. Dazu zählt nach Ansicht des Weißen Hauses die jahrzehntelange Teilnahmslosigkeit der GM-Kontrolleure. Das Management konnte schalten und walten, wie es wollte.

Vom Management überzeugt

So etwas soll es beim neuen GM nicht geben. Big Ed, der Schlangentöter, statuierte beim Opel-Verkauf ein erstes Exempel. Vor zwei Wochen, als Vorstandschef Fritz Henderson dafür warb, die hochdefizitäre deutsche Tochter dem kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna zu überlassen, legte Whitacre, sehr zur Verärgerung deutscher Politiker, sein Veto ein. Er wollte zuerst die anderen Optionen prüfen: den Verkauf an den Finanzinvestor RHJI, den Verbleib von Opel beim Mutterkonzern und die Insolvenz der Tochterfirma.

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Am Ende überzeugte das Management die skeptischen Kontrolleure. Die deutsche Regierung verweigerte Hilfen für RHJI, ein Festhalten an Opel hätte mehr als sechs Milliarden Dollar gekostet, die Insolvenz zu einer schweren Belastung der transatlantischen Beziehungen geführt. Also ging Opel an Magna. Obwohl die Kontrolleure letztlich den Vorschlägen des Vorstands folgten, war nichts wie früher bei dieser Entscheidung. Whitacre erteilte dem Management eine Lektion: Das alte Durchwink-Organ gibt es nicht mehr, der neue Verwaltungsrat muss ernst genommen werden.

Gleichzeitig hat Whitacre bewiesen, dass er Einspruch nicht um des Einspruchs willen erhebt, dass es ihm nicht um Renitenz, sondern um Rendite geht. Er hat nur ein Ziel: GM soll wieder profitabel werden und die US-Regierung irgendwann die 50 Milliarden Dollar Staatshilfe zurückbekommen. Dafür nimmt der Schlangentöter auch in Kauf, deutsche Politiker zu verärgern.

(SZ vom 11.09.2009/tob)

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