Von Klaus Ott

Die Bundesländer wollen den deutschen Ableger des Totoanbieters Betandwin vom hiesigen Markt verbannen. Doch das Wiener Mutterunternehmen wehrt sich: Es fordert 500 Millionen Euro Schadenersatz.

Betandwin wirbt massiv in deutschen Stadien. (Foto: AP)

Kurz vor dem Start in die neue Saison der Fußball-Bundesliga eskaliert der Machtkampf um das ertragreiche Geschäft mit den Sportwetten in Deutschland.

Die Bundesländer, die das Glücksspiel regeln und mit eigenen Gesellschaften größtenteils auch selbst veranstalten, wollen eines der international führenden Totounternehmen vom hiesigen Markt verbannen.

Das sächsische Innenministerium will nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in Abstimmung mit den anderen Landesregierungen dem deutschen Ableger der Wiener Aktiengesellschaft Betandwin die Konzession entziehen. Das soll spätestens am Donnerstag geschehen.

Dem österreichischen Glücksspielkonzern soll außerdem in einem gesonderten Bescheid verboten werden, via Internet weiterhin Wetteinsätze aus Deutschland anzunehmen.

Eine Million Kunden in Deutschland

Betandwin hat hierzulande mit gut einer Million Kunden, die für jährlich rund 500 Millionen Euro auf den Ausgang von Fußballspielen und anderen Sportereignissen tippen, die staatliche Sportwette Oddset überholt. Oddset rechnet in diesem Jahr nur noch mit 350 Millionen Euro Umsatz.

Das Innenministerium in Dresden teilte auf Anfrage mit, man habe der in Sachsen ansässigen deutschen Tochtergesellschaft von Betandwin bereits im Juli eine „Untersagungsverfügung angekündigt“ und prüfe nun die nächsten Schritte.

Die österreichische AG ist mit 50 Prozent an dem sächsischen Ableger beteiligt, der mit einer Gewerbeerlaubnis aus der ehemaligen DDR agiert und deutsche Wetteinsätze nach Wien vermittelt.

Grundsatzurteil

Der Konzessionsentzug soll bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Dresden bekannt gegeben werden. Das Land Sachsen will sich darauf berufen, dass das Bundesverfassungsgericht Ende März in einem Grundsatzurteil ein staatliches Wettmonopol unter bestimmten Voraussetzungen für zulässig erklärt hatte.

Die Richter hatten verfügt, ein Monopol müsse vor allem dem Zweck dienen, die Bürger vor der Spielsucht zu schützen. Daran habe es Oddset bislang fehlen lassen. Die Ministerpräsident der Länder beschlossen daraufhin, die eigenen Glücksspielgesellschaften müssten die teilweise reißerische Werbung für Oddset einstellen.

Gleichzeitig kamen die Regierungschefs überein, private Konkurrenten zu verbieten. Das wird nun bei Betandwin vollzogen. Andere Anbieter müssen sich ebenfalls auf solche Maßnahmen gefasst machen.

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