Die Motivation der Mitarbeiter im abzuwickelnden AEG-Werk Nürnberg scheint im Keller zu sein. Weil der Krankenstand fünf Mal so hoch ist wie üblich, soll das Werk nun schneller geschlossen werden als geplant.
Eine Pfütze spiegelt sich vor dem AEG-Werk in Nürnberg. Foto: ddp
Bereits im Frühjahr 2007 solle die letzte Schicht gefahren werden, teilte AEG-Sprecher Michael Eichel am Dienstag mit. Das Werksmanagement wolle das Produktionsende mehrere Monate vorziehen, weil der Krankenstand „kontinuierlich über 20 Prozent“ liege, während der Durchschnitt für die Metall- und Elektroindustrie etwa vier Prozent betrage.
Ursprünglich sollte die Produktion laut Eichel Mitte 2007 auslaufen. Die „extrem hohen Fehlzeiten“ hätten aber eine Beschleunigung der Verlagerung nach Osteuropa nötig gemacht, um eine termingerechte Lieferung bestellter Waren sicherzustellen. Ein genauer Termin stehe noch nicht fest.
Der AEG-Betriebsrat war am Dienstagvormittag noch nicht über die vorgezogene Schließung informiert worden.
Betriebsratschef Harald Dix hielt einen derartigen Schritt aber für „absehbar“, da der schwedische Mutterkonzern Electrolux seine Produktion schnell nach Osteuropa verlagern wolle.
Der hohe Krankenstand verwundere ihn nicht, sagte Dix. Bereits 850 Mitarbeiter hätten ihre Kündigung erhalten, da könne er verstehen, dass die Belegschaft „keine große Lust“ mehr habe. Als Hauptgrund für eine vorzeitige Schließung sieht er die Fehlzeiten aber nicht.
Im Dezember vergangenen Jahres hatte Electrolux das Aus für das Nürnberger Traditionswerk verkündet. Ende Februar einigten sich Vertreter des Unternehmens und der IG Metall nach einem wochenlangen Streik auf einen Sozialtarifvertrag für die Beschäftigten. Dieser sieht die vorübergehende Einrichtung einer Beschäftigungsgesellschaft und vergleichsweise hohe Abfindungen vor.



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