Von Thorsten Riedl

Es sollte eine Jahrhundertfusion sein: Zusammen wollten AOL und Time Warner die Medienlandschaft auf den Kopf stellen. Die Visionen blieben jedoch unerfüllt.

AOL, APGrossbild

Megafusion zwischen AOL und Time Warner: Was blieb, sind die Versprechen. (Foto: AP)

Es war die größte Verschmelzung zweier Unternehmen. Es war der erste Kauf eines traditionellen Medienkonzerns durch einen jungen Internetanbieter. Und es war der schlimmste Reinfall in der Wirtschaftsgeschichte. Vor acht Jahren standen Steve Case, Chef der damals weltweit größten Internetfirma AOL, und Gerald Levin, Vorstandsvorsitzender des größten Medienunternehmens Time-Warner, vor der Öffentlichkeit.

Für 165 Milliarden Dollar kaufte sich Case bei Time-Warner ein und versprach eine neue Medienwelt. Seine Visionen blieben unerfüllt - überlebt haben allein die Versprechen.

Das Geschäft schien nur allzu logisch. Auf der einen Seite das Internetunternehmen, damals 15 Jahre alt, das 24 Millionen Menschen nutzten, um sich in das Netz einzuwählen. Täglich kamen 12.000 neu hinzu. Ein Wachstum wie es heute vom Teenieportal Myspace.com oder dem Jugendtreff Facebook.com bekannt ist.

Erwartungen nicht erfüllt

Auf der anderen Seite stand der Medienkonzern, der mit seinen TV-Sendern und Kabelnetzen ebenso der größte war - dem aber eine Marke im Web fehlte. Mit AOL und Time-Warner würde ein Konzern mit Zugang zu den Kunden und attraktiven Inhalten entstehen. Analysten sprachen von einer "unschlagbaren Allianz". Journalisten kommentierten die "geniale Fusion" oder sahen eine "Ära der Internet-Wirtschaft: eine ganz neue Ökonomie mit eigenen Gesetzen".

Alles Unsinn: Die überzogenen Erwartungen erfüllten sich nicht. Zwei Monate nach der Megafusion schlug die alte Ökonomie zurück. Im März 2000 platzte die Börsenblase, ausgelöst durch die Hysterie um Internetaktien. Der neu geschaffene Weltkonzern geriet in die Turbulenzen des Wirtschaftsabschwungs.

Zwei Jahre nach dem Zusammenschluss musste das Internet- und Medienunternehmen insgesamt fast 100 Milliarden Dollar abschreiben. Mit einem Minus von 98,7 Milliarden Dollar erwirtschaftete der Konzern im Geschäftsjahr 2002 den bis dato höchsten Verlust in der Geschichte.

Der Verantwortliche war schnell gefunden: Case. Er musste AOL-Time-Warner verlassen, der Name seines Unternehmens wurde gestrichen. Der einstige Star am Netzhimmel ist nun nichts weiter als der ungeliebte Geschäftsbereich des Medienkonzerns. Geblieben sind die Ideen: Die Verschmelzung der Medien steht auch heute noch auf der Agenda der Manager.

(SZ vom 25.04.2008/tob)

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