Von Caspar Busse und Hans-Jürgen Jakobs

Ein Erbenstreit belastet Europas größtes Zeitungshaus und bedroht die Macht von Verlegerwitwe Friede Springer. Es geht um viel Geld - und um das große Erbe von Axel Cäsar Springer.

Ab und an ist Axel Sven Springer, kurz "Aggi" genannt, noch im Verlagshaus. Am Montag vergangener Woche wurde der Lieblingsenkel von Konzerngründer Axel Cäsar Springer beim Neujahrsempfang des Hamburger Abendblatts, auch ein Produkt aus dem Hause Springer, gesichtet. Er hat Hände geschüttelt und Glückwünsche verteilt - nett und zugänglich wie immer, berichtet jemand, der dabei war.

Friede Springer: Die Witwe des Verlegers streitet sich vor Gericht mit ihrem Stiefsohn. (Foto: AP)

Doch die Stimmung ist derzeit alles andere als gut. Ein aufsehenerregender Zivilprozess belastet den Pressekonzern, in dem der nette Aggi Springer die Hauptrolle spielt: Er streitet gegen seine Stiefmutter Friede Springer. Es geht um viel Geld, um das große Erbe von Axel Cäsar Springer und um Vorgänge, die lange her sind - mehr als 22 Jahre. Am Dienstag kommender Woche um zwölf Uhr Mittags wollen die Richter des Oberlandesgerichts in Hamburg ein Urteil verkünden.

Es wird spannend, nicht nur für die beiden Kontrahenten. Denn der Richterspruch könnte größte Auswirkungen auf das sorgsam austarierte Machtgefüge in dem Verlagshaus haben. Sollte der Enkel mit seinen weitreichenden Ansprüchen ganz oder teilweise recht bekommen, bekäme er womöglich Anteile von seiner Stiefmutter übertragen. Dann wäre die knappe Aktien-Mehrheit von Friede Springer dahin - die stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats kontrolliert mehr als 50 Prozent direkt und indirekt.

Große Unruhe hinter den Kulissen

Aktenzeichen 2U 35/04: Die Unruhe hinter den Kulissen ist groß. Sicher ist nur: Die Chancen des Enkels sind in der Sache Springer gegen Springer nicht so schlecht, wie sie einmal waren. Er hat über die Jahre Boden gutgemacht. "Das würde einschneidende Folgen haben", sagt ein Insider.

Offiziell ist der Erbstreit der Familie Springer kein Thema in den Hamburger und Berliner Hochhäusern des Großverlagshauses - und doch wird darüber immer wieder getuschelt, werden neue Varianten ersonnen und neue Spekulationen erstellt.

Die Unruhe ist genauso beträchtlich wie verständlich. Das größte Zeitungshaus Europas (Bild), das sich in einigen unternehmerischen Experimenten verirrt hat, befindet sich in einer schwierigen Situation - und damit auch Vorstandschef Mathias Döpfner, der am Mittwoch dieser Woche 45. Geburtstag gefeiert hat. Der promovierte Musikwissenschaftler und frühere Chefredakteur von Wochenpost, Hamburger Morgenpost und Welt sitzt nur deshalb so fest im Sattel, weil Witwe Friede weiter zum ihm steht. Sie hat ihm sogar persönlich zwei Prozent aus ihrem Besitz an Springer-Aktien zum Vorzugspreis verkauft.

Veränderungen im Aktionärskreis könnten große Auswirkungen haben und würden zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt kommen. Der Erbstreit ist die eigentliche Gefahr für den Konzern.

In dem Prozess vor dem Hamburger Oberlandesgericht wurde noch einmal der Herbst 1985 gegenwärtig. Da waren noch einmal die Wochen nach dem Tod von Axel Cäsar Springer am 22. September 1985 das große Thema. Schriftlich hatte der Verleger in seinem Testament festgelegt, dass Friede Springer 50 Prozent seiner Verlagsanteile bekommen sollte, sein Enkel Aggi sowie seine Tochter Barbara Choremi jeweils 25 Prozent. Unberücksichtigt blieben sein Sohn Nicolaus sowie seine Enkelin Ariane, die wie Aggi ein Kind von Springers ältestem Sohn Axel Springer jr. ist. Der international renommierte Fotograf (Pseudonym: Sven Simon) war 1980 freiwillig aus dem Leben geschieden.

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Leserkommentare (2)



21.01.2008 10:27:17

scopex: Springer gegen Springer

Pack schlägt sich und Pack verträgt sich.


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