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Von Caspar Busse
Seit Jahren arbeitet Mathias Döpfner daran, den Medienkonzern Axel Springer noch größer zu machen. Jetzt muss der Vorstandschef wieder in kleineren Dimensionen denken.
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Mathias Döpfner, Vorstandschef des Medienhauses Axel Springer
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Eigentlich ist Mathias Döpfner immer noch Journalist. Einst verfasste der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG Feinsinniges fürs Feuilleton, später war er Chefredakteur und schrieb Bücher zum Beispiel über die Erotik in der Musik. Nun hat er ein weiteres prestigeträchtiges Projekt angeschoben: Für die ARD arbeitet er an einem Film über den bekannten britischen Verleger Lord George Weidenfeld. Döpfner, 44, kennt den 88-Jährigen seit vielen Jahren sehr gut. Für die Dokumentation hat er mehrere Interviews mit ihm geführt, gefilmt wurde unter anderem in London und New York, nächstes Jahr soll das Werk zu sehen sein. Aber Döpfner dürfte wenig Zeit finden, das gedrehte Material auch zu schneiden und den Film fertigzustellen. Denn der gelernte Journalist hat derzeit viel in seinem Hauptberuf als Konzernchef zu tun.
Mathias Döpfner muss sich nämlich gerade als knallharter Manager beweisen und viele Problemen lösen - bisher allerdings ohne großen Erfolg. Manche fragen schon, ob sich nun die Entzauberung eines Mannes vollzieht, der eine der ungewöhnlichsten Karrieren hingelegt hat und bisher die Aura eines fast schon genialen Fremdlings in der Welt der Wirtschaftsbosse hatte. "Ist er wirklich Vorstandvorsitzender, oder spielt er das nur?", sagt einer, der zu seinen Gegnern zählt.
Größte Investiton in der Verlagsgeschichte
Es brennt an vielen Ecken bei Deutschlands größtem Zeitungskonzern. Im Sommer kaufte Döpfner die Mehrheit an der Pin Group und wollte groß in das Geschäft mit Postdienstleistungen einsteigen. Er gab dafür eine halbe Milliarde Euro aus, eine der größten Investitionen in der Springer-Geschichte. "Wir wollen Pin zu einer starken Säule des Konzerns entwickeln", verkündete Döpfner noch im August optimistisch. Springer wollte nach dem Vorbild von Bertelsmann ein Konzern werden - mit einem starken Standbein außerhalb des Kerngeschäftes Medien.
Doch der große Plan Döpfners ging gründlich schief, die Pin-Übernahme entwickelt sich zum Desaster. Seit Tagen gibt es Krisengespräche. Am Montag tagte der Aufsichtsrat von Springer, dann der Verwaltungsrat von Pin. An diesem Freitag will Springer nun endgültig entscheiden, wie es weitergeht. Als realistisch gilt eine Schließung oder gar eine Insolvenz des Unternehmens Pin. Springer drohen dadurch möglicherweise hohe Wertberichtigungen. Die gesamte Bilanz für 2007 könnte in Mitleidenschaft gezogen werden. Jetzt muss der Konzern schon an das Tafelsilber: Am Dienstag ließ Döpfner völlig überraschend verkünden, dass die Beteiligung am Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 verkauft werde. In Verhandlungskreisen heißt es, die Entscheidung sei kurzfristig gefasst worden. Der Verkaufserlös soll bei 509 Millionen Euro liegen - und entspricht zufälligerweise bis auf eine Million der Investition bei Pin.
Offiziell dementiert Springer einen Zusammenhang. Doch in der Branche heißt es: "Das ist ein Notverkauf." Die Indizien weisen daraufhin. Die Aktien von Pro Sieben Sat 1 haben zuletzt dramatisch verloren. Der Verkauf erfolgt also zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. "Wir sind erschüttert, das kann man eigentlich nicht machen, denn dadurch wird viel Geld verschenkt", sagt einer aus der Fernsehbranche.
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