Keine Strafen, aber reden: Viele Mitarbeiter haben das Angebot genutzt - und auch frühere Vorstände beschuldigt.
Foto: ddp
06.03.2008, 00:002008-03-06T00:00:00 CEST+0100
Keine Strafen, aber reden: Viele Mitarbeiter haben das Angebot genutzt - und auch frühere Vorstände beschuldigt.
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Siemens kommt bei der Aufklärung des Korruptionsskandals einen großen Schritt voran. 110 Beschäftigte sind auf das Angebot von Vorstandschef Peter Löscher eingegangen, über die schwarzen Kassen und Schmiergeldzahlungen auszupacken und dafür von internen Strafen weitgehend verschont zu bleiben.
Diese Zahl nannte ein Konzernsprecher. Rund 20 Mitarbeitern sei die in Aussicht gestellte Amnestie bereits gewährt worden, knapp 90 Fälle seien noch in Bearbeitung. Bei zwei Beschäftigten sei eine Amnestie abgelehnt worden; den Grund dafür nannte Siemens nicht.
Was die geständigen Mitarbeiter im Detail ausgesagt haben, teilte Siemens ebenfalls nicht mit. Zu laufenden Untersuchungen äußere man sich nicht. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen haben mehrere Teilnehmer des Amnestie-programms frühere Vorstände beschuldigt, von Schmiergelddelikten gewusst und diese geduldet zu haben. Um welche ehemaligen Vorstände es sich handeln soll, war nicht zu erfahren.
Siemens gab auf Anfrage auch dazu keine Stellungnahme ab. Die aussagewilligen Beschäftigten werden von Juristen der US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton vernommen, die im Auftrag des Aufsichtsrates intern bei Siemens ermitteln.
Debevoise hatte bereits Mitte Januar dem Aufsichtsratschef Gerhard Cromme mitgeteilt, man habe von Teilnehmern des Amnestieprogramms und aus anderen Quellen "sehr substantielle Hinweise" erhalten, die insbesondere frühere Vorstände beträfen.
Außerdem habe man zusätzliche Erkenntnisse auch über gegenwärtige Vorstandsmitglieder. Daraufhin beschlossen die Aktionäre bei der Hauptversammlung am 24. Januar, mit Ausnahme von Löscher keinen aktiven oder ehemaligen Vorstand zu entlasten, sondern dies zu vertagen.
Löscher war erst Mitte 2007 zu Siemens gekommen und kann insofern nicht in den Ende 2006 aufgeflogenen Korruptionsskandal verwickelt sein. Um die Aufklärung voranzutreiben, hatte er im Herbst ein Amnestieprogramm gestartet. Siemens-Mitarbeiter, die kriminelle Machenschaften gestehen, bleiben von einem Rauswurf oder Schadensersatzforderungen verschont.
Der Konzern behält sich lediglich Abmahnungen oder Versetzungen vor. Ausgenommen von diesem Angebot sind Führungskräfte aus dem gehobenen Management.
Das Amnestieprogramm war ursprünglich bis Ende Januar befristet und wurde wegen des großen Zulaufs dann bis Ende Februar verlängert. Siemens will sich dafür einsetzen, dass die geständigen Mitarbeiter auch von der Staatsanwaltschaft milde behandelt werden.
(SZ vom 6.3.2008/hgn)
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