Für die Verbraucher nicht erkennbar, kassiert Vater Staat bei jeder Tasse Kaffee, bei jedem Gläschen Sekt, beim Heizen, beim Gassi gehen und Lotto spielen verdeckt mit. Und das nicht zu knapp.

Der Eindruck vieler Bundesbürger, immer weniger Geld in der Tasche zu haben, kommt nicht von ungefähr: Neben höheren Sozialversicherungsbeiträgen haben in diesem Jahr auch die "heimlichen Steuern" zusätzliche Löcher in Lohntüte und Haushaltskasse gerissen. Einige der so genannten Bagatellsteuern wurden zu Jahresbeginn kräftig erhöht.

Schock beim Blick aufs Konto

Der Schock stellt sich aber erst nach einer Weile beim Blick aufs Konto ein. Während sich die Belastung durch dicke Steuerbrocken wie Lohn- und Einkommenssteuer oder Sozialabgaben sofort bemerkbar macht, weil vom verdienten Euro im Schnitt gerade noch mal 50 Cent netto übrig bleiben, ist das Loch durch die meisten Verbrauchsteuern nicht direkt zu spüren.

Wer weiß schon, dass er pro Kilogramm Röstkaffee 2,19 Euro an Steuern berappen muss? Beim löslichen Kaffee ist der Fiskus gar mit 4,78 Euro pro Kilo dabei. Auf Verpackung oder Kassenbon wird das allerdings nicht ausgewiesen.

Doppeltes Abkassieren

Und dann wird noch die 16-prozentige Umsatzsteuer auf die Kaffeesteuer draufgepackt. Ein passionierter Kaffeetrinker muss so gut und gerne Extra-Steuern von schätzungsweise bis zu 40 Euro im Jahr berappen. Steuer auf die Steuer, wie Hans-Joachim Vanscheidt vom Bund der Steuerzahler in Wiesbaden das Prinzip des doppelten Abkassierens kritisiert.

Das passiert so auch bei anderen versteckten Steuerarten wie der Schaumwein-, der Mineralöl- und der Stromsteuer. Aber keiner merkt es, kaum einer weiß es. "Bei einem billigen Sekt kann die Steuer
höher ausfallen als der reine Warenwert", merkt Hans-Ulrich Liebern vom Bund der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen an.

Rückläufige Steuereinnahmen

"Bis zu zehn Prozent des Bruttolohns gehen nochmal für indirekte Steuern drauf", rechnet Steuerexperte Vanscheidt weiter vor. Die Einnahmen aus den Verbrauchsteuern kletterten in den letzten Jahren permanent in die Höhe, allein von 2000 bis 2002 um 3,3 Prozent. Und das trotz allgemein rückläufiger Steuereinnahmen, wie Liebern betont.

Regelmäßiges Kaffeetrinken ist gut für die deutsche Staatskasse. (Foto: dpa)

Wer sich’s gut gehen lässt, gerät besonders schnell in die heimliche Steuerfalle. Beim gemütlichen Bier am Abend wird die verdeckte Zwangsabgabe von 9,44 Cents pro Liter fällig, pro Flasche Sekt gehen 1,02 Euro an den Staatssäckel. Bei Hochprozentigem langt der Fiskus mit 2,28 Euro bis 3,83 Euro je 0,7-Liter-Flasche zu, je nach Alkoholgehalt.

Erhöhung der Tabaksteuer

Wer dann auch noch eine Zigarette raucht, wird wieder indirekt zur Kasse gebeten und zwar mit 9,5 Cents pro Glimmstängel. Im nächsten Jahr soll es noch mehr werden, dann wird die Tabaksteuer erhöht. Und wer gern zockt, dem zieht der Fiskus ebenfalls "unsichtbare" Extra-Steuern aus der Tasche.

Beim Tippen werden nämlich 20 Prozent Lotteriesteuer auf den Einsatz fällig, bei Sport- und Pferdewetten über 16 Prozent. Selbst beim Glücksspiel in der Spielbank weicht das Finanzamt seinen Bürgern nicht von der Seite.

Eine weitere Unbekannte ist die Feuerschutzsteuer. Das ist eine Extra-Abgabe, die mit der Hausratversicherung fällig wird, die aber kein Mensch kennt.

 
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40 verschiedene Steuerarten

Dagegen wissen die meisten Verbraucher: Hundebesitzer zahlen Hundesteuern, wer eine Versicherung hat zahlt bis auf Ausnahmen Versicherungssteuer.

"Wir haben insgesamt bis zu 40 Steuerarten, das ist viel zu viel", kritisiert Vandscheidt und betont: "Die meisten gehörten im Zuge einer echten Steuerreform abgeschafft. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Zehn Steuern wären genug."

Bund, Länder und Kommunen, denen die heimlichen Steuern zufließen, können sich bei all den versteckten Zahlungen die Hände reiben. Zu Jahresbeginn ist allein die Erdgassteuer um etwa 60 Prozent aufgeschlagen.

Die Mineralölsteuer, eine der größten Verbrauchssteuern, ist für den Bundesfinanzminister ohnehin eine der ertragreichsten Quellen. Des Autofahrers Leid, Hans Eichels Freud: Pro Liter Benzin fließen seit Januar 67 Cents in die Staatskasse, 3,07 Prozent mehr als zuvor.

Trinken, qualmen und zocken für Vater Staat

2002 kamen insgesamt 42,19 Milliarden Euro zusammen, 2003 werden es wohl noch etwas mehr werden. Trinken, qualmen, tanken und zocken für Vater Staat - auf diese Weise sponserten ihn seine Bürger im vergangenen Jahr mit der stolzen Gesamtsumme von 214,875 Milliarden Euro, ohne es recht zu wissen.

Wie viel in diesem Jahr zusammenkommt, ist noch ungewiss. Nach den Erwartungen von Steuerexperten wird es sicher nicht weniger, eher mehr werden.

(sueddeutsche.de/AP)

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