Trübere Aussichten für die Konjunktur in Deutschland: Experten korrigieren ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum deutlich nach unten. Es gibt aber auch eine gute Nachricht.
Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat seine Wachstumsprognose für 2008 deutlich auf nur noch 1,7 Prozent gesenkt - 0,6 Prozentpunkte weniger als noch im September erwartet. Auch die OECD ist weniger optimistisch als noch im Mai: 2008 erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 1,8 Prozent Wachstum. 2009 soll die Wirtschaft nur noch um 1,6 Prozent wachsen.
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Lange Zeit war der Export die einzige Stütze des Wirtschaftswachstums. Langsam gewinnt aber die Binnennachfrage an Schwung - während der Export unter dem starken Euro leidet. Foto: ddp
Die RWI-Experten erklärten, ausschlaggebend für die Abschwächung des Wachstums seien der schwache Dollar, die steigenden Rohstoffpreise, aber auch der geringe Anstieg der Realeinkommen.
Die Inflationsrate wird nach Einschätzung des RWI mit einem Jahresdurchschnitt von 2,4 Prozent hoch bleiben. Zugleich werde sich der Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamen. Der Staatshaushalt werde annähernd ausgeglichen sein.
Die prognostizierte Abschwächung der Konjunktur bedeutet nach Ansicht der Experten allerdings noch nicht das Ende des gegenwärtigen Aufschwungs, sondern markiert nur ein Zwischentief.
Allerdings weisen die RWI-Wissenschaftler darauf hin, dass derzeit beträchtliche Risiken für die konjunkturelle Entwicklung bestehen.
In dem am Donnerstag veröffentlichten Wirtschaftsausblick der OECD heißt es, als Reaktion auf den starken Euro dürften die Importe zunehmen. Die globale Abschwächung der Export- und Investitionsdynamik werde jedoch zum Teil durch eine Verschiebung des Wachstums zum privaten Konsum kompensiert werden.
Darüberhinaus könnte die Sparquote allmählich sinken, was dem Konsum zusätzliche Impulse geben würde. Die bisher verfügbaren Indikatoren wiesen darauf hin, dass der Aufschwung intakt bleiben werde.
Dem Bericht zufolge wird auch die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen, allerdings in wesentlich langsameren Tempo als in der jüngsten Vergangenheit. Angesichts der zu erwartenden Engpässe beim Angebot qualifizierter Arbeitskräfte sollte die Regierung von jeglichen Maßnahmen absehen, die Anreize zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit schwächen könnten, empfahl die OECD.
Laut OECD besteht das größte Risiko darin, dass die Verschiebung des Wachstums zum privaten Konsum unterbrochen werden könnte, wenn der Öl- oder die Nahrungsmittelpreise über Erwarten stark anzögen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte noch im Mai 2,2 Prozent für kommendes Jahr vorhergesagt.
Auch könnten die Nettoexporte deutlicher zurückgehen als angenommen, wenn die Nachfrage infolge anhaltender Turbulenzen an den Finanzmärkten oder bei einer weiteren erheblichen Aufwertung des Euro stärker nachlässt als erwartet.
Ein zunehmend wichtiger Faktor für die Konjunktur in Deutschland ist die Situation in China. Der starre Wechselkurs des Yuan belastet nach Ansicht der OECD nicht nur die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und China, sondern verhindert auch eine Stabilisierung der boomenden Wirtschaft des Landes. Trotz Gegenmaßnahmen der Notenbank, die den Leitzins in diesem Jahr bereits mehrmals angehoben hat, sei die Inflation in der aufstrebenden Wirtschaftsnation weiter sehr hoch.
(sueddeutsche.de/AP/Reuters/woja/mah)




Wirtschaft ist witzig