Interview: Melanie Ahlemeier

Angesichts der Bahnstreiks hat der Humorist Daniel Philip Schuster sein Auto umgebaut - und bietet nun einen Schienenersatzverkehr auf vier Rädern an. Mit allen Übeln.

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Auf Ebay versteigert Daniel Philip Schuster eine Bahnfahrt - im Auto. (Foto: privat)

Daniel Philip Schuster bietet derzeit beim Internet-Auktionsportal Ebay einen ganz persönlichen Schienenersatzverkehr an: Mit seinem Privatauto kutschiert er Reisende, die in Zeiten des Bahnstreiks nicht weiterkommen, gegen Höchstgebot. Und das ganz im Stil einer echten Zugreise. Im normalen Leben absolviert der 19-Jährige eine Ausbildung zum Mediengestalter und wohnt in Enger in Ostwestfalen-Lippe. Er selbst bezeichnet sich als "Nationalpsychologe und Kabarettist".

sueddeutsche.de: Herr Schuster, wie kommt man auf die Idee, beim Online-Portal Ebay Schienenersatzverkehr mit dem Privatauto anzubieten?

Daniel Philip Schuster: Mich hat der Bahnstreik sehr beschäftigt, vor allem weil er sich so extrem ausgeweitet hat. Da habe ich mich gefragt: Was kann man da Schönes machen, um beiden Parteien zu helfen? Da bin ich auf die Auktion gekommen, weil ich früher sehr viele schlimme Bahnfahrten erlebt habe. Die waren im Nachhinein aber dann doch ganz lustig. Alles, was in der Auktion drinsteht, sind meine eigenen Erlebnisse.

sueddeutsche.de: Im Zug ist es oft schwer genug, noch einen freien Platz zu erhaschen. Ist Ihr Schienenersatzverkehr auch ausgebucht?

Schuster: Bei der ersten Auktion hatten wir 20.000 Besucher, das wurde erstaunlich gut angenommen und hat sich schnell herumgesprochen. Irgendetwas scheint die Leute am Mythos Bahn tatsächlich zu faszinieren. Leider hat Ebay die erste Auktion auf Eis gelegt, weil auf meine private Homepage verlinkt wurde. Jetzt habe ich eine zweite Auktion gestartet.

sueddeutsche: Ein zugemüllter Clio ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Gab es schon Beschwerden der Erste-Klasse-Reisenden?

Echtes Bahnfeeling mit Zeitung und Leergut im Clio. (Foto: privat)

Schuster: Wir haben eine 1. Klasse - den Beifahrersitz. Das ist wie im Original. In der 1. Klasse der Bahn ist das meistens ein Waggon mit 15 Sitzplätzen, und davon ist maximal einer belegt. Wir machen das also ganz realistisch.

sueddeutsche.de: Zum Realismus gehört dann auch der erkältete Rentner, der bei Ihnen als Beifahrer angeboten wird.

Schuster: Zum Beispiel. Man kann viel wählen oder auch selbst Ideen einbringen. Ein Bieter hat sich nach Ökos erkundigt, andere wollten siffige Punks haben. Allerdings konnten wir die nicht buchen, weil die Punks gesagt haben, das sei Kapitalismus.

sueddeutsche.de: Einen kleinen Haken hat Ihr Angebot aber schon, denn Sie sind sehr regional auf Enger im Kreis Herford festgelegt. Schon mal überlegt zu expandieren?

Schuster: Wir sind überhaupt nicht örtlich festgelegt, da wir den Höchstbietenden an seinem Standort abholen, gerne auch in Paris. Er muss nur das Benzingeld selbst zahlen.

sueddeutsche.de: Bei den aktuellen Spritpreisen wird das aber nicht billig.

Schuster: Beim aktuellen Spritpreis dürfte die normale Fahrt von Bremen nach Paris bei 5000 Euro liegen.

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Leserkommentare (6)



14.11.2007 04:35:19

KeineMelodie: Bin jetzt ehrlich gespannt,

wann der Mehdorn in seiner (Betriebs-)Blindheit den Schuster verklagt - Streitwert: 1 Bahnprivatisierung + zu erwartende Managergehälter bis zum Eintritt des Ruhestands (also in Kürze). ;-))


2 Besucher haben diesen Kommentar bewertet




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