Frage: Die Kritik bezieht sich meistens auf die Lohnkosten. Gerade mal drei Prozent des Endpreises von Schuhen gehen in den Lohn.
Hainer: Wir müssen uns an den Gegebenheiten des jeweiligen Landes orientieren. Mindestlöhne werden von den Regierungen festgelegt, nicht von uns. Wir bezahlen in der Regel immer darüber.
Frage: Werden Sie von China in noch günstigere Niedriglohnländer abwandern wie andere Unternehmen?
Hainer: Natürlich schauen wir uns permanent nach den besten Voraussetzungen um. Als ich vor 20 Jahren zu Adidas gekommen bin, gab es noch ein paar Fabriken in Deutschland. Dann ist die Schuhindustrie nach Korea abgewandert. Fünf oder sieben Jahre später ist man nach Taiwan, Thailand und China gegangen. Heute gibt es die ersten Fabriken in Kambodscha oder Vietnam. Aber wir sehen gerade im Textilbereich wieder mehr Fabrikanten, die nach Europa zurückgehen, primär nach Osteuropa. Übrigens haben wir viele Zulieferbetriebe in Europa.
Frage: Die Weltwirtschaft schwächelt und das Wirtschaftswachstum ist gerade auch für Deutschland nach unten korrigiert worden. Was erwarten Sie?
Hainer: Ich glaube, dass die Sportartikelindustrie in einem glücklichen Umfeld ist. Die Menschen sind gesundheitsbewusster, körperbewusster, werden älter und machen viel mehr Sport. Deswegen wird unser Markt weiter wachsen.
Frage: Obwohl die Kinder immer dicker werden?
Hainer: Dagegen muss die gesamte Gesellschaft kämpfen, und auch dabei wird der Sport viel helfen.
Frage: Sind Sie mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland zufrieden?
Hainer: Man kann hier sehr gut leben, auch als Unternehmen. Aber natürlich gibt es auch Dinge zu verbessern. Wir müssen deutlich mehr in Bildung und Wissenschaft investieren. Deutschland ist nun mal ein Standort, wo billige Arbeit nicht zu haben ist und günstige Produkte nicht zu produzieren sind. Deswegen müssen wir in unserer Ingenieurtechnik, Forschung und Wissenschaft federführend sein.
Der Deutschlandfunk strahlt das Spitzengespräch an diesem Mittwoch von 19.15 Uhr bis 20 Uhr aus. Die Audio-Fassung ist abrufbar bei www.sz-audio.de/wirtschaft
(SZ vom 23.07.2008/mel)
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Wirtschaft ist witzig