Frage: Haben Sie kein Verständnis für die Menschen, die über das Regime in China empört sind?

Hainer: Doch, ich verstehe das schon. Große Ereignisse werden auch immer benutzt, um auf bestimmte Dinge aufmerksam zu machen. Aber weder 1980 in Moskau noch 1984 in Los Angeles hat ein Olympiaboykott etwas gebracht. Nichts kann die Völker besser zusammenbringen als der Sport.

Frage: Könnte sich Adidas Kritik an der politischen Lage in China überhaupt leisten?

Hainer: Das ist nicht unsere Aufgabe. Natürlich sehen wir die Entwicklungen und wir reden auch darüber. Aber für Politik sind die Vereinten Nationen und die Politiker verantwortlich. Das kann nicht auf dem Rücken der Sportler ausgetragen werden.

Frage: Mit der Vergabe der Spiele an Peking war die Hoffnung verbunden, dass im Zuge von Olympia sich viele Dingen, über die wir klagen - Menschenrechtsverletzungen, mangelnde Freiheit im Land -, bessern würden. Das scheint nicht der Fall zu sein. Die Lage dort ist nicht schön. Oder?

Hainer: Nein, definitiv nicht. Aber wir dürfen auch nicht den Fehler machen, zu glauben, dass der Reformprozess innerhalb von ein paar Monaten umgesetzt werden kann. Das ist sicherlich eine längerfristige Entwicklung. Ich reise seit etwa zehn Jahren nach China und spüre dort eine permanente Öffnung. Man muss dem Land Zeit geben, denn es hat auch noch andere Probleme. Der chinesische Sportminister hat mir einmal gesagt: Unser größtes Problem ist, etwa 500Millionen Menschen zu füttern, die nicht jeden Tag genügend zu essen haben. Wir sollten vorsichtig sein mit dem Fingerzeigen. Auch in unserer westlich-zivilisierten Welt ist nicht alles in Ordnung. Auch hier gibt es nach wie vor die Todesstrafe und das amerikanische Gefangenenlager in Guantanamo. Man muss immer versuchen, beide Seiten zu sehen.

Frage: Fürchten Sie nicht, mit Ihrem Engagement in China einen Image-Schaden zu erleiden?

35,32 €   -0,19   -0,53%  

Hainer: Ich glaube das nicht. Dann dürften wir in vielen anderen Ländern auch nicht aktiv sein. Nehmen Sie Spanien und das Problem mit der ETA. Wenn wir jedes Mal hingucken würden, wo es politische Verwerfungen gibt, dürften wir überhaupt nicht mehr auftreten. Das können wir nicht leisten. Da werden wir überschätzt und überfordert.

Frage: Sie wollen also vor allem Geschäfte machen. Wie stark sind Sie schon in China?

Hainer: Wenn sich zehn Prozent der Bevölkerung unsere Produkte leisten können, reden wir von 130 Millionen Konsumenten. Das ist ein großer und für uns interessanter Markt. Wir haben 1993 in China eine Tochtergesellschaft gegründet und investieren seither. Spätestens 2010 werden wir dort allein mit der Marke Adidas eine Milliarde Euro Umsatz machen. Damit ist China für uns der zweitgrößte Markt nach dem amerikanischen.

Frage: Wie viele Zulieferbetriebe hat Adidas in China?

Hainer: Wir haben etwa 285 Fabriken in China, die für uns fertigen.

Frage: Es gibt immer wieder Kritik daran, dass die Arbeitsbedingungen in diesen Betrieben nicht ausreichend sind.

Hainer: Aber nicht in unseren Zulieferbetrieben! Wir machen hier einen wirklich vorbildlichen Job. Wir geben jedes Jahr einen Bericht heraus, wo wir genau beschreiben, was wir machen, und unsere Ziele hinterlegen. Wir werden von sehr vielen Organisationen für die Arbeit gelobt. Wir lassen unabhängige Beobachter zu Kontrollen in die Fabriken. Da sind wir sicherlich einer der Spitzenreiter. Es gibt ja auch immer Falschinformationen. So wird uns immer wieder der Fall Hermosa in El Salvador vorgeworfen. Dabei arbeiten wir seit 2002 mit dieser Firma nicht mehr zusammen.

vorherige Seite  vorherige Seite     1 | 2  | 3     nächste Seite   nächste Seite

ANZEIGE

mehr ...


Themen

Weitere Artikel in Wirtschaft

Leserkommentare (6)



23.07.2008 12:26:45

thearchitist: ps.:

Es gibt nichts und niemanden der unpolitsch ist!

Selbst die Enthaltung ist politsch!

Ein kleiner Denkanstoss!


2 Besucher haben diesen Kommentar bewertet




vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 ältere Kommentare nächste Kommentare

Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


 

Wer gehört zu wem? Wer gehört zu wem?
Wer wie und wo beteiligt ist

Bankenkompass Der Banken-Kompass
Helfen Sie Ihrem Geld!


Schreiben Sie es auf: Sparen? Kein Problem!

Börse für Newbies - machen Sie Ihr Gelddiplom!

Deutsche Bahn, Foto: getty
Fahrkarten, Sitzplatzreservierung, Bahncard 50 - alles wird ab Dezember teurer. Ist der Aufschlag gerechtfertigt?
Generation D, Grafik SZ
Wie bringen wir Deutschland voran? Ein Überblick über die besten Einfälle von Studenten der Generation D.
Opel, Getty
Das große Opel-Spezial - Hintergründe, Analysen, Kommentare und Bilder.
Arcandor, Karstadt, Reuters
Arcandor und der Kampf ums Überleben: Analysen, Kommentare und Hintergründe - hier im Spezial.
Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
Manager, Geld, istock
Prämien in guten und schlechten Zeiten - ist das in Ordnung? Sagen Sie es uns!
Spitzengehälter
Muss Ihr Chef verdienen wie ein Popstar? Schreiben Sie es auf!
Kaufwut
Kaum gekauft und schon geärgert? Erzählen Sie!
Familienunternehmen; iStock
Die Familienunternehmen sind das Rückgrat der Wirtschaft. Eine Serie.
Sagen Sie mal ...
Ständig drängen sich in der Ökonomie große und kleine Fragen auf. Jetzt wollen wir Antworten haben!

ANZEIGE

Die großen Spekulanten
Kapitalismus in der Krise
Der Glaube an die Selbstregulierungskräfte des Kapitalismus ist längst verschwunden. Ein Spezial.