Ein Kommentar von Caspar Busse

Folgenschwere Fehlentscheidung von Axel-Springer-Chef Döpfner: Das Pin-Desaster wird auch in der Bilanz des größten Verlagshauses Deutschlands deutliche Spuren hinterlassen.

Postdienstleister Pin; AP

Postdienstleister: Der Springer Konzern sieht keine wirtschaftliche Perspektive für Pin. Foto: ap

Für Mathias Döpfner, den eloquenten Vorstandsvorsitzenden des Axel-Springer-Konzerns, steht der Schuldige für das Desaster beim Postdienstleister Pin schon lange fest. Es ist die Politik, die einen Mindestlohn von bis zu 9,80 Euro je Stunde für die Postbranche beschlossen hat.

Damit gebe es, sagt Döpfner, keine wirtschaftliche Perspektive mehr für Pin. Es ist richtig, dass ein Mindestlohn in dieser Höhe eine schwere Belastung ist. Das Postgeschäft ist personalintensiv; Pin befand sich zudem im Aufbau, was zusätzlich viel Geld kostet.

Aber Döpfner muss sich auch dem Vorwurf stellen, dass er eine unternehmerischen Fehlentscheidung mit erheblicher Tragweite getroffen hat. Offenbar wurde die Marktentwicklung falsch eingeschätzt. Ein Geschäftsmodell, das vor allem auf niedrigen Löhnen basiert, kann langfristig nicht erfolgreich sein.

Zudem ist die Postlogistik ein sehr schwieriges Geschäft, nicht vergleichbar mit der Produktion und Verteilung von Zeitungen und Zeitschriften. Jetzt sind rund 9000 Arbeitsplätze bei Pin in Gefahr, die durch ein weniger rabiates Vorgehen vielleicht sicherer gewesen wären.

Döpfners Strategie ist gescheitert

Die Auswirkungen für Deutschlands größtes Verlagshaus sind bitter: Springer muss erhebliche Abschreibungen vornehmen. Für 2007 wird unter dem Strich ein großer Verlust stehen. Der Springer-Konzern wird es überleben, denn er ist im Kern gesund. Doch Döpfner steht mit leeren Händen da, seine Strategie ist gescheitert.

Das Wachstum wichtiger Verlagsprodukte stockt: Die Bild-Auflage etwa geht zurück, Investitionen ins Internet sind teuer, eine Expansion ins Fernsehgeschäft ist gescheitert. Döpfner muss sich etwas einfallen lassen. Die Zeit der Schuldzuweisungen ist vorbei.

(SZ vom 20.12.2007/ckn)