Von Jürgen Schmieder

Die WM ist schon zu nah, um einen Werbefeldzug zu starten, für die WM 2010 gilt das Gesetz Südafrikas. Warum sich Fifa nicht über das Urteil ärgert. Und schon neue Verträge aushandelt.

Die Fifa schlägt zurück

Nicht wirklich traurig: Joseph Blatter. (Foto: AP)

Was war das für eine Aufregung gestern, als das Urteil des Bundesgerichtshofes verkündet wurde: "Herbe Niederlage für die Fifa" und "Fifa-Pleite vor Gericht" waren die Schlagzeilen. Der Bundesgerichtshof lehnte den Markenschutz für die Begriffe „Fußball WM 2006“ und „WM 2006“ ab.

Natürlich stürzt sich der Fan schadenfroh auf diese Neuigkeit: noch ist alles in Ordnung in Deutschland, noch hat der Fußballverband das Grundgesetz nicht außer Kraft gesetzt.

Der Fifa jedoch scheint das Urteil egal zu sein. Es gab keine empörten Stimmen, keine Berufung. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Da ist zum Beispiel die kurze Vorlaufzeit. Sechs Wochen vor der Weltmeisterschaft ist es den Unternehmen fast unmöglich, noch eine Werbekampagne aus dem Boden zu stampfen. Der Bäcker von nebenan darf nun wohl seine Brötchen mit dem Begriff "Fußball WM 2006" an den Mann bringen. Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass große Firmen innerhalb dieser Zeitspanne noch Marketingkonzepte entwickeln.

Zudem hat die Fifa ihre lange Markenliste nicht nur in Deutschland, sondern auch beim europäischen Harmonisierungsamt in Alicante eintragen lassen, genießt also Markenschutz auch auf europäischer Ebene.

Dort gelten liberalere Regeln als in Deutschland: Sollte es zu einem Prozess beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg kommen, hätte der Fußballverband größere Erfolgsaussichten.

Das führt gleich zum nächsten Grund für die Lockerheit der Fifa dem Urteil gegenüber: Das Urteil des Bundesgerichtshofes gilt nur in Deutschland - also nicht in Südafrika, wo die nächste Weltmeisterschaft stattfindet.

Und so verkündete der Fußball-Weltverband heute in aller Ruhe, dass der Vertrag mit einer Brauerei verlängert wurde. Den Fußball-Fans wird auch während der Weltmeisterschaften 2010 und 2014 dünnes amerikanisches Bier serviert.

Bei aller Freude über das Urteil, der auch ein bisschen Schadenfreude über Fifa-Präsident Blatter beiwohnt: Eine wirkliche Niederlage war es nicht.

(sueddeutsche.de)

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