Sein oder Nichtsein: Landwirte müssen nach einem Urteil des Verfassungsgerichts keine Zwangsabgabe mehr an die CMA zahlen. Ein System gerät nun ins Wanken.

Marketing, CMA

Die CMA bewirbt Agrarprodukte - doch nicht alle Bauern sind mit der Arbeit des Verbandes zufrieden. (Foto: CMA)

Für viele Bauern ist das Urteil ein großer Erfolg - der Marketingverband der deutschen Agrarwirtschaft könnte nach dem Richterspruch aus Karlsruhe jedoch seine Existenzberechtigung verlieren. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass deutsche Landwirte keine Abgaben mehr dafür zahlen müssen, dass die Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) ihre Produkte bewirbt.

Bisher funktionierte das System so: Mit einer Art Zwangssteuer mussten Landwirte, Schlachthöfe, Molkereien oder Eierpackstellen einen Beitrag in Höhe von 0,4 Prozent des Warenwertes zur Vermarktung leisten. Das Geld floss an eine Organisation, die in der Öffentlichkeit unter anderem durch Werbung mit leicht bekleideten Frauen oder das Sponsoring der ARD-Sportschau von sich reden machte. Rund 90 Millionen Euro flossen so jedes Jahr in die Töpfe des Marketingverbandes.

Doch nicht alle der etwa 380.000 Agrarbetriebe waren glücklich mit diesem System. Etliche Betriebe hatten kritisiert, dass der Absatz ihrer Produkte durch die CMA-Reklame nicht mehr gefördert werde. Ein Landwirt, der Bauer Georg Heitlinger aus dem baden-württembergischen Eppingen, hat sich ziemlich öffentlich mit dem mächtigen Marketingverband angelegt.

Auf einer Internetseite macht er Stimmung gegen die CMA. Er prangert sexistische Werbung an ("Ich liebe schöne Schenkel") und fand einen neuen Namen für den verhassten Verband: Geld-Übertragung an Lebensmittelkonzerne, Landwirtschaftsfunktionäre und Ernährungsindustrielle - kurz "Gülle".

Eingriff in unternehmerische Freiheit

Ein weitaus größerer Erfolg für Bauer Heitlinger ist jedoch der Urteilsspruch aus Karlsruhe. Demnach ist die Zwangsabgabe der Landwirte für die CMA verfassungswidrig.

Die sogenannten Sonderabgaben hat das Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt. Begründung: Durch die Abgabenpflicht werde unzulässig in die unternehmerische Freiheit der Betriebe eingegriffen, ihr Geld für die eigene Werbung statt für die staatliche Absatzförderung einzusetzen, heißt es in dem Urteil.

Lesen Sie im zweiten Teil, wieso auf die Kläger nun ein wahrer Geldsegen wartet - und wie die Bundesregierung und CMA auf das Urteil aus Karlsruhe reagierten.

vorherige Seite  vorherige Seite     1 | 2     nächste Seite   nächste Seite

ANZEIGE

mehr ...


Themen

Weitere Artikel in Wirtschaft

Leserkommentare (29)



04.02.2009 18:13:42

curiousgeorge: CMA - ein Krake ist erledigt

Das Verfahren geriet zur Feierstunde. Es war ein feierliches Gefühl als die Verfassungsrichterinnen und Verfassungsrichter der CMA und Ihren zahlreich erschienenen grauen Herren soetwas wie eine letzte Ölung erteilten.

Mut, Kreativität und Intelligenz haben über die hochnäsige Funktionärsclique gesiegt.

Es ist kaum zu verstehen, dass in den Jahren zuvor einige hundert Kläger schon vom Verwaltungsgericht Frankfurt und in Kassel abgewiesen wurden, und keinem der zuständigen Richter je Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Absatzfondsgesetzes gekommen sind.

Die Medien, die sich über Jahre hinweg nicht für das Thema interessiert haben, in der Sorge, sie könnten bei Werbekampagnen von der CMA übergangen werden, seien getröstet : der geringste Teil des Geldes, das den Landwirten und Gärtnern abgepresst wurde, wurde wirklich für Werbung ausgegeben. Der überwiegende Teil des Geldes wurde wegverwaltet. Insofern ist es kein Verlust.

Nun kommt Beifall von allen Seiten. Der Erfolgreiche hat eben viele Freunde. Frau Höhn und Künast begrüßen nun das Urteil. Man kann sich nur wundern ! Sie hätten es doch vor Jahren schon in der Hand gehabt etwas zu ändern.

Nach dem Prozeß brausten die nun noch blasseren Herren in ihren schwarzen Anzügen und schwarzen Limousinen nach Hause. Um Ihre Existenz fürchten müssen sie sicher nicht , denn jetzt wird geschaut was an Pfründen zu retten ist. Natürlich nur zum Nutzen der Landwirte und der Verbraucher und im Sinne des Grundgesetzes, denn man ist ja so nah dran. Sonnleitner wirds schon richten !

Das war ein klarer Ko-Sieg für Georg Heitlinger unbezahlbar, etwas was man nie vergißt.

Ihm, seinen Mitstreitern und dem Bundesverfassungsgericht kann man nicht genug danken.

Danke !!!!


Bewerten Sie diesen Kommentar




vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 | 3 | 4 | ... | 6 ältere Kommentare nächste Kommentare

Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


 

Wer gehört zu wem? Wer gehört zu wem?
Wer wie und wo beteiligt ist

Bankenkompass Der Banken-Kompass
Helfen Sie Ihrem Geld!


Schreiben Sie es auf: Sparen? Kein Problem!

Börse für Newbies - machen Sie Ihr Gelddiplom!

Deutsche Bahn, Foto: getty
Fahrkarten, Sitzplatzreservierung, Bahncard 50 - alles wird ab Dezember teurer. Ist der Aufschlag gerechtfertigt?
Generation D, Grafik SZ
Wie bringen wir Deutschland voran? Ein Überblick über die besten Einfälle von Studenten der Generation D.
Opel, Getty
Das große Opel-Spezial - Hintergründe, Analysen, Kommentare und Bilder.
Arcandor, Karstadt, Reuters
Arcandor und der Kampf ums Überleben: Analysen, Kommentare und Hintergründe - hier im Spezial.
Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
Manager, Geld, istock
Prämien in guten und schlechten Zeiten - ist das in Ordnung? Sagen Sie es uns!
Spitzengehälter
Muss Ihr Chef verdienen wie ein Popstar? Schreiben Sie es auf!
Kaufwut
Kaum gekauft und schon geärgert? Erzählen Sie!
Familienunternehmen; iStock
Die Familienunternehmen sind das Rückgrat der Wirtschaft. Eine Serie.
Sagen Sie mal ...
Ständig drängen sich in der Ökonomie große und kleine Fragen auf. Jetzt wollen wir Antworten haben!

ANZEIGE

Die großen Spekulanten
Kapitalismus in der Krise
Der Glaube an die Selbstregulierungskräfte des Kapitalismus ist längst verschwunden. Ein Spezial.