Wirtschaftsminister Glos übt Druck auf Airbus-Chef Gallois aus, um die deutschen Airbus-Standorte zu sichern. Nach Auffassung des Luftfahrtexperten Peter Pletschacher ist die Position des Ministers allerdings schwach.
Kabine des Airbus A380: Sie wird in Hamburg ausgestattet. Foto: Reuters
Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus will Wirtschaftsminister Michael Glos mit einem Forderungskatalog in die Gespräche mit Airbus gehen und die deutschen Interessen bei den Sparplänen vertreten.
Dabei sind ihm drei Punkte wichtig: Erstens dürften Endmontage und Auslieferung der Riesenjumbos A380 nicht komplett von Hamburg nach Toulouse abwandern. Zweitens solle das Erfolgsmodell A320, das bislang in Toulouse produziert wird, nach Deutschland kommen. Drittens solle auch der A350 zu einem großen Teil in Deutschland produziert werden.
Peter Pletschacher, Geschäftsführer der Fachzeitschrift Aviatic, hält die deutschen Forderungen in weiten Teilen allerdings für unrealistisch.
Es sei die Lebenslüge der Deutschen, die Arbeiten am A380 in Hamburg als Endmontage zu bezeichnen. Diese gebe es so nicht und werde es daher auch in Zukunft kaum in Hamburg geben: "Der A380 wird in Toulouse endmontiert. Punkt", sagte der Experte zu sueddeutsche.de.
In Hamburg erfolge vielmehr größtenteils die Innenausstattung und Lackierung der in Toulouse bereits endmontierten A380-Jets. Zudem werde der kleinere Teil der fertigen Maschinen von Hamburg an den Kunden ausgeliefert. Wegen der jüngsten Verzögerungen bei der A380-Produktion könnten diese Bereiche kurfristig gar nicht nach Toulouse abwandern: "Sonst würde es ja gleich wieder haken", so Pletschacher.
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Die Forderung, die Produktion des A320 vollständig nach Hamburg zu holen, sei ebenfalls problematisch: "Das würde die deutsch-französische Balance stören", argumentiert der Experte. Ohne Gegenleistung sei diese Forderung schwer aufrecht zu erhalten.
Die Ansprüche beim neuen A350 seien ebenfalls kaum zu rechtfertigen: "Wenn die Deutschen dieses supermoderne Flugzeug bauen wollen, dann müssen sie auch etwas bieten können", erklärt Pletschacher. Der A350 werde wegen der Gewichtsvorteile der Kohlefaser zu 50 Prozent aus CFK-Bauteilen bestehen, und die Deutschen hätten ihren Wissensvorsprung bei diesem Werkstoff in den vergangenen Jahren eingebüßt.
"Das Werk Stade bei Hamburg war ein "Center of excellence" für Kohlenstofffasertechnologien, doch inzwischen haben vor allem die Spanier rasant aufgeholt", erklärt der Experte. Das Werk Getafe bei Madrid habe Stade inzwischen den Rang abgelaufen.
Wenn sich Glos am Dienstag mit Airbus-Chef Louis Gallois trifft, dürfte er also einen harten Stand haben.
An dem Gipfel, den der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bereits letzte Woche angekündigt hatte, nimmt möglicherweise auch Kanzlerin Angela Merkel teil.
Vergangene Woche hatte Glos der Airbus-Konzernmutter EADS mit dem Entzug von Rüstungsaufträgen gedroht, sollte es einen massenhaften Jobabbau in den deutschen Werken geben.
Zum Erhalt des empfindlichen deutsch-französischen Gleichgewichts bei EADS hatte DaimlerChrysler am Freitag 7,5 Prozent seiner EADS-Aktien an ein Konsortium aus privaten Großbanken und mehreren Bundesländern verkauft und erhielt dafür 1,5 Milliarden Euro.
Der Stuttgarter Konzern als deutscher Vertreter in dem Konzern behielt aber die Stimmrechte der Aktien.








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