Die Telekom steuert auf einen Arbeitskampf zu. Im Konflikt um die Auslagerung von 50.000 Telekom-Mitarbeitern hat die Gewerkschaft Verdi die Gespräche abgebrochen. Auch in anderen Branchen drohen Streiks.
Foto: dpa
26.04.2007, 17:382007-04-26T17:38:00 CEST+0200
Die Telekom steuert auf einen Arbeitskampf zu. Im Konflikt um die Auslagerung von 50.000 Telekom-Mitarbeitern hat die Gewerkschaft Verdi die Gespräche abgebrochen. Auch in anderen Branchen drohen Streiks.
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Nach den Worten von Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder wird nun nach den Warnstreiks ein regulärer Arbeitskampf bei Telekom wahrscheinlich. "Der Einigungsversuch ist gescheitert", sagte Schröder der Süddeutschen Zeitung. Der Verdi-Bundesvorstand hat die Genehmigung für die Urabstimmung zum Streik bereits erteilt. Die Große Tarifkommission wird sich am Freitag nächster Woche mit dem Thema beschäftigen.
Es bleibe nur noch der Streik, da Telekom die isolierte Verhandlung eines tariflichen Sozialplans ablehne, erklärte Schröder, der auch im Verdi-Bundesvorstand ist. Verdi sieht sich durch ein jüngstes Urteil des Bundesarbeitsgericht bestätigt, wonach Streiks zur Erzwingung zum Abschluss tariflicher Sozialpläne erlaubt sind. Telekom hatte zuvor juristische Schritte gegen den Arbeitskampf angekündigt.
Beide Seiten haben seit Dienstag in der fünften Verhandlungsrunde über den Konzernumbau diskutiert. Sie seien in den Gesprächen weit voneinander entfernt, sagte Schröder: "Wir werden nicht akzeptieren, dass die Stundenlöhne bei Neueinstellungen in den Callcentern auf 7,05 Euro sinken."
Telekom hat ihre ursprünglichen Vorschläge nachgebessert. Das Unternehmen will knapp 50.000 Mitarbeiter in konzerneigene Servicegesellschaften ausgliedern und sie dort zu kostengünstigeren Bedingungen beschäftigen, um wettbewerbsfähiger zu werden.
Nach dem veränderten Angebot sollen die Gehälter der betroffenen Mitarbeiter in 30 Monaten schrittweise um neun (bisher zwölf) Prozent gesenkt werden. Telekom sagte zudem einen längeren Kündigungsschutz bis Ende 2011 (bisher 2010) zu.
Außerdem versprach der Konzern die Schaffung von mindestens 3000 neuen Arbeitsplätzen in den Servicegesellschaften. An der Verlängerung der Arbeitszeit von 34 auf 38 Stunden hielt er aber fest.
"Wir haben uns erneut auf Verdi zubewegt", sagte Telekom-Verhandlungsführer und Personalvorstand Karl-Gerhard Eick. Das Angebot enthalte auch den von Verdi geforderten Auslagerungsschutz zur Absicherung sozialer Risiken der Beschäftigten, so Eick. Verdi habe bis zum 2. Mai Zeit, sich zu dem Angebot zu äußern.
Ärger gibt es auch in der Metall- und Elektroindustrie. Schon in der nächsten Woche soll es Warnstreiks in mehreren Bundesländern geben. Sie könnten am Sonntag beginnen, denn die Friedenspflicht, die Streiks während der Tarifverhandlungen untersagt, endet am Samstag.
Am Mittwoch waren in den großen Metall-Tarifbezirken Nordrhein-Westfalen mit knapp 700 000 und Baden-Württemberg mit etwa 800 000 Beschäftigten die Tarifverhandlungen in die vierte Runde gegangen. In einem von beiden wird voraussichtlich der Pilotabschluss gemacht, der dann bundesweit gelten wird.
Die IG Metall fordert für bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigte eine Lohnsteigerung von 6,5 Prozent. Die Metallarbeitgeber weisen dies als überhöht zurück und bieten eine tarifliche Erhöhung der Löhne um 2,5 Prozent und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent an, der nur für die Laufzeit des Tarifvertrags gelten soll. Die Gewerkschaft lehnt das ab.
Die Arbeitgeber forderten die Gewerkschaft auf, sich in den Verhandlungen zu bewegen. "Stattdessen steuert die IG Metall mit einem sturen Nein auf überflüssige Warnstreiks zu", sagte der Präsident des Verbands der Metall- und Elektroindustrie von Nordrhein-Westfalen, Horst-Werner Maier-Hunke, nach dem ergebnislosen Ende der Verhandlungen in Nordrhein-Westfalen. IG-Metall-Bezirksleiter Detlef Wetzel warf den Arbeitgebern Unbeweglichkeit vor.
"Auch ihre letzte Möglichkeit zur Verhandlungslösung vor dem Ende der Friedenspflicht haben die Arbeitgeber heute nicht genutzt. Warnstreiks sind jetzt die einzige Antwort", sagte Wetzel. Auch die IG Metall Baden-Württemberg zeigte sich kampfbereit. Der dortige IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann forderte von den Arbeitgebern ein neues Angebot, "über das es sich zu verhandeln lohnt".
(SZ vom 27.4.2007)
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