Scania-Chef Leif Östling über den Verlust der Selbstständigkeit und die Zusammenarbeit mit Volkswagen.
SZ: Herr Östling, Sie wollten auf keinen Fall von MAN übernommen werden. Jetzt wird VW der neue Großaktionär. Fühlen Sie sich als Sieger?
Östling: Überhaupt nicht. Aber ich freue mich sehr. Wir haben eine lange Zusammenarbeit mit Volkswagen, die mit dem Verkauf des VW-Käfers schon 1948 begann.
SZ: MAN oder VW, das Ergebnis ist gleich: Scania ist nicht mehr selbständig.
Östling: Wir sind nicht mehr richtig unabhängig, seit die EU-Wettbewerbsbehörden den Einstieg von Volvo 2000 bei uns untersagten. Das brachte viel Unruhe. Ich bin froh, dass Volkswagen in dieser Zeit ein stabilisierender Großaktionär war und auch jetzt dafür sorgt, dass wir uns wieder hundertprozentig um unser Geschäft kümmern können.
SZ: Was planen Sie jetzt mit MAN?
Östling: Das wissen wir noch nicht. Wir haben ja ein Kooperationsabkommen mit MAN . . .
SZ: ... das nie funktioniert hat.
Östling: Es hätte wirken können, aber es ruht im Kühlfach. Der Grund ist der feindliche Übernahmeversuch von MAN im Herbst 2006.
SZ: Was war falsch an dem Plan von MAN, Scania zu übernehmen?
Östling: Das war nach meiner Meinung wirklich unglücklich. Ich war sehr froh, dass die beiden Großaktionäre Volkswagen und Wallenberg das Angebot im Januar 2007 ablehnten.
SZ: Warum?
Östling: Darin wurde das Unternehmen stark unterbewertet. Noch wichtiger: Man kann in der Autoindustrie kein feindliches Übernahmeangebot machen. Das funktioniert nie. Die Beteiligten müssen sich zusammensetzen und eine Formel für die Zusammenarbeit finden. Man muss sich vertrauen. In dieser Industrie gab es etliche einvernehmliche Übernahmen, die erfolgreich waren, aber keine feindliche.
SZ: Kaum zu glauben, dass Sie keine Strategie haben für die gemeinsame Zukunft mit MAN.
Östling: Es gibt viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Das funktioniert aber nur in einer freundlichen Umgebung und nur auf bestimmten Gebieten.
SZ: Alle Fachleute sagen, das Zusammengehen von Scania und MAN ist sinnvoll. Warum behindern Sie noch immer, was eines Tages doch kommen wird?
Östling: Mit Gewalt geht’s eben nicht. Wenn man in dieser Industrie zusammenarbeiten will, braucht man gegenseitigen Respekt vor dem Kundenstamm, den Mitarbeitern und der Firmenkultur des anderen.
SZ: Welche Garantien hat VW für Scania gegeben?
Östling: Ich weiß nichts von Garantien.
SZ: Haben Sie nicht auf dem Erhalt der Firmenzentrale und wichtiger Abteilungen in Schweden bestanden?
Östling: Die Zentrale sowie Forschung und Entwicklung bleiben in Schweden. Zudem wird es keine Auswirkungen auf die Beschäftigung geben.
SZ: Waren diese Zusagen entscheidend?
Östling: Es war wichtig. Es garantiert den Fortbestand des Erfolgsmodells Scania. Mein Eindruck ist aber, dass VW diese Zusage völlig normal fand.
SZ: VW beherrscht Scania und hält 30 Prozent an MAN. Sind VW, Scania und MAN jetzt nicht ein Unternehmen?
Östling: Nein. Alle drei sind rechtlich und operativ selbständig. Aber der Großaktionär muss die Rechte der anderen Beteiligten im Auge behalten.
(SZ vom 04.03.2008/mel)



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