Von Heribert Prantl

Das Bild, das man sich inzwischen von den Schrempps, den Hartzens und den Zumwinkels macht, addiert sich zu einem Gesamtbild der Schamlosigkeit.

Klaus Zumwinkel kehrt in Köln nach seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in sein Haus zurück.  Foto: APBild vergrößern

Klaus Zumwinkel kehrt in Köln nach seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in sein Haus zurück. Foto: AP

Es reiht sich alles wie zu einem Rosenkranz des Desasters: Da sind die Manager mit den frivolen Gehältern; die Aufsichtsräte, die keine Aufsicht üben; die Landesbanken, die sich nicht mehr ums Gemeinwohl scheren; die Vorstände, denen an ihren eigenen Aktienpaketen mehr liegt als an ihren Beschäftigten.

Angesichts des Zusammentreffens solcher Syndrome verlernt die Öffentlichkeit das Differenzieren. Sie unterscheidet nicht mehr zwischen den Gerissenen, Gierigen und Gefährlichen, den Fehlspekulanten und den Untreuen; den Steuervermeidern und den Steuerbetrügern, den nur übertrieben Geschäftstüchtigen, den Unmoralischen und den richtig Kriminellen.

Das Bild, das man sich von den Schrempps, den Hartzens und den Zumwinkels macht, addiert sich zu einem Gesamtbild der Schamlosigkeit.

Wirtschaftsverdrossenheit

Überall, wo jetzt über die Steuerhinterziehung des Großmanagers Klaus Zumwinkel diskutiert wird, ist der Satz nicht weit, dass man "die alle" in einen Sack stecken und draufschlagen könne, weil es dabei keinen Falschen treffe.

So ein Satz ist genauso erbärmlich wie das Verhalten derer, die dazu Anlass gegeben haben. Aber es ist mittlerweile tatsächlich so, dass sich das individuelle Fehlverhalten von Großanlegern im Urteil der Öffentlichkeit zu einem Systemfehler verdichtet. Die Wirtschaftsverdrossenheit ist so groß wie die Politikverdrossenheit; und das ist eine fatale Kombination.

Soweit die Präambel zum Fall Zumwinkel. Sein Fall ist einer, der dem Generalverdacht vieler Bürger gegen Politik und Wirtschaft neue Nahrung gibt: "Die da oben lügen und betrügen doch alle", sagen die da unten, die auch lügen, auch betrügen und auch die Steuern hinterziehen - aber das damit rechtfertigen, dass "die da oben" das alles in viel größerem Stil, ja bisweilen in gigantischem Ausmaß, auch machen.

Das Ausmaß freilich gibt einem Gelddelikt nicht nur eine besondere Quantität, sondern neue Qualität. Eine Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ist für einen Großmanager nicht einfach das, was für Lieschen Müller der Ladendiebstahl ist.

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