Sie sitzt noch in Argentinien - und redet wöglich bald in dem spektakulären TV-Prozess um veruntreute 52 Millionen Euro. Offenbar hat Claudia J. die Reue gepackt.
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Bislang ist der Ex-Chef von Aegis noch zuversichtlich. Doch das könnte sich bald ändern. Sollte sich Claudia J. tatsächlich geständig zeigen, dürfte Ruzicka das Lachen bald vergehen. Foto: dpa
Noch sitzt die Angeklagte Claudia J. in Argentinien, wo sie eine Ranch gekauft hat. Dort hat die Ex-Aegis-Geschäftsführerin viel Zeit, über dubiose Geschäfte in der Vergangenheit mit dem deutschen Privatfernsehen nachzudenken - und ob sie nicht demnächst in einem spektakulären Prozess vor dem Wiesbadener Landgericht auspacken soll.
Der Wiesbadener Kurier titelt bereits: "Gesuchte Managerin bereitet Rückkehr vor."
Es geht um Mauscheleien mit Fernseh-Werbespots im Wert von 52 Millionen Euro. So viel habe der langjährige Mediamanager Aleksander Ruzicka privat beiseitegeschafft, glaubt die Staatsanwaltschaft. Der einst mächtige Ex-Chef der Agentur Aegis Media steht seit Januar vor Gericht. Er nutzte einfach Freispots, die die großen TV-Sender zur Erlangung von Werbeaufträgen vergaben, für eigene Geschäfte - und die Agenturmitarbeiterin Claudia J. war womöglich seine beste Komplizin.
Nach Erkenntnissen der Ermittler half die Mediamanagerin bei Schiebereien über Tarnfirmen, die Ruzicka anlegte. Sie soll mehr als drei Millionen Euro Schweigegeld bekommen haben - und nun zur Kooperation bereit sein, wie es aus Justizkreisen heißt. Bereits David L., ein anderer Ex-Aegis-Mann, hat gestanden. Er erhielt offenbar zwei Millionen Euro Schweigegeld.
Wenn die angeklagte Claudia J. nach Wiesbaden käme, den Informationsstand der Justiz anreichern und Geld zurückzahlen würde, käme sie wohl glimpflicher davon. Oberstaatsanwalt Wolf Jördens wollte zum konkreten Fall auf Anfrage von sueddeutsche.de nichts sagen. Abstrakt meinte er: "Im Rahmen einer Schuldbewertung würde eine Schadenswiedergutmachung durchaus berücksichtigt werden. Damit hätte Frau J. in einem Verfahren bessere Karten."
Ruzicka leugnet alle Anschuldigungen
Weiter erklärte Jördens, auch der andere Beschuldigte L. habe sich ja selbst gestellt - "und das wurde ihm positiv angerechnet". Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass der Tatbeitrag bei Frau J. - einer engen Vertrauten des inzwischen geschassten Media-Direktors von Ferrero Deutschland (Nutella) - um einiges höher sei. Beide waren einst Geschäftsführer des Mediaeinkaufs bei der Aegis Media Central Services. Aegis Media wurde durch die Transaktionen erheblich geschädigt.
Eine Aegis-Media-Sprecherin sagte auf Anfrage von sueddeutsche.de, dass sich ihre Firma aus dem laufenden Prozess weitgehend heraushalten wolle: "Wir waren von Anfang an an der Aufklärung interessiert und achten natürlich darauf, den Schaden für das Unternehmen so gering wie möglich zu halten."
Im Zusammenhang mit der unappetitlichen Geschichte aus der schönen Kurstadt Wiesbaden war auch das Bundeskartellamt aktiv geworden. Die zwei dominanten Privat-TV-Konzerne RTL Group und ProSiebenSat.1 Media AG zahlten daraufhin hohe Bußgelder. Auch hier ermittelt der Staatsanwalt.
Der Hauptangeklagte Ruzicka leugnet die Anschuldigungen. Mehrfach kündigte er Erklärungen an. Mit einer Aussage seiner früheren Mitarbeiterin J. könnte sich die Lage für ihn erheblich verschlechtern. Sie hat angeblich den Kaufpreis für ihre argentinische Ranch mit einer Wiesbadener Gesellschaft abgerechnet, die mit veruntreuten Geldern aus dem Ruzicka-Netzwerk hochgezogen worden sein soll.
Doch zuvor müsste die 44-Jährige einen Flug von Buenos Aires nach Frankfurt am Main buchen.
(sueddeutsche.de/ld/jja)




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