Chirac und Schröder wollen EU-Wachstum fördern
Deutsch-französische Konsultationen
18.09.2003, 18:20
(SZ vom 19.09.2003) – Mit milliardenschweren Projekten wollen die konjunkturschwachen Länder Deutschland und Frankreich das Wachstum in Europa ankurbeln.
Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac verabredeten am Donnerstag bei den 81. Regierungskonsultationen in Berlin mit ihren fast vollzähligen Kabinetten zehn Projekte in den Bereichen Verkehr, Forschung und Telekommunikation. Ein genaues Volumen der Projekte wollten beide Staatsmänner jedoch nicht beziffern. Sie sollen hauptsächlich über zinsgünstige Kredite der Europäischen Investitionsbank finanziert werden.
In der Erklärung heißt es entsprechend, man dürfe „die Möglichkeit konjunkturgerechten Verhaltens - etwa über das steuerliche Instrumentarium – nicht ausschließen.“ Dahinter verbirgt sich erkennbar eine Rechtfertigung, das Vorziehen der Steuerreform in Deutschland auch über Schulden zu finanzieren.
Der Kanzler ist in Irak-Frage moderater als der Präsident
Thema der Konsultationen war auch die weitere Entwicklung im Irak. In diesem Zusammenhang wurden am Donnerstag Unterschiede in den Positionen beider Staaten deutlich. Chirac bekräftigte die französische Forderung, die Macht im Irak unter der Kontrolle der Vereinten Nationen zügig an eine Übergangsregierung zu übergeben.
Dies dürfe „keine Frage von Jahren, sondern von Monaten sein“. Auch Außenminister Dominique de Villepin hatte vor kurzem gesagt, dass Wahlen im Irak eventuell schon im kommenden Frühjahr anvisiert werden sollten. Diese Forderung wird von den USA klar abgelehnt.
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Wichtig sei jedoch ein Fahrplan „für die Übergabe der Verantwortung an eine irakische Zivilregierung“. „Das kann nicht morgen passieren, aber es wäre hilfreich, wenn es benennbare Stationen gäbe.“ Es könne jetzt aber niemand vorhersagen, ob bereits 2004 Wahlen im Irak stattfinden könnten. Mit dem Verzicht auf zeitliche Festlegungen blieb Schröder damit hinter Frankreichs Forderungen zurück.
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