Von Helena Kysela

Der Bundesverband der Deutschen Industrie gibt sich zuversichtlich und glaubt an den wirtschaftlichen Aufschwung 2008. Deutschland könne sogar wieder Exportweltmeister werden - aber nur mit weiteren Reformen.

Werner Schnappauf, dpa

Werner Schnappauf: "Niemand weiß genau, wie lange der Aufschwung noch dauert". Foto: dpa

Die Bundesregierung solle den Wachstumskurs nicht aus den Augen verlieren und den vernünftigen Kurs weitergehen, sagte Werner Schnappauf, der neue Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). "Alle sollen weiter cool bleiben und sich nicht ihren Blick verstellen lassen durch Mindestlohndebatten oder Managerabfindungen“, sagte Schnappauf am Dienstag in Berlin.

Der ehemalige bayerische Umweltminister zeigte sich in seiner neuen Rolle ebenso zuversichtlich wie der BDI über das mögliche Wirtschaftswachstum von bis zu zwei Prozent im Jahr 2008, obwohl die Risiken für die Konjunktur signifikant zugenommen hätten. Der starke Euro und die höheren Rohstoffpreise seien schon spürbar, Lohnsteigerungen nach etlichen Tarifrunden und die Auswirkungen der US-Finanzkrise in Deutschland hingegen nur noch eine Frage der Zeit.

Erst seit November 2007 leitet Werner Schnappauf den BDI. Sein Umzug nach Berlin kam unerwartet, Kritiker sprachen sogar von einer Flucht in die Hauptstadt nach Gammelfleischskandalen und dem Abschussbefehl für Braunbär Bruno. Für seinen neuen Job hat Schnappauf seine politischen Mandate aufgegeben.

Haushalt schneller konsolidieren


"Der Aufschwung geht 2008 weiter, ist aber alles andere als ein Selbstläufer“, mahnte Schnappauf. Neue Arbeitsplätze könnten geschaffen werden, wobei die Weiterentwicklung der Wirtschaft abhängig sei von der Lohnentwicklung.

Schnappauf wies auf den Zusammenhang zwischen den moderaten Lohnabschlüssen der vergangenen Jahre und dem Wirtschaftswachstum hin. Er appellierte dabei an die Partner künftiger Tarifrunden, sie sollten das "zarte Pflänzchen Aufschwung" nicht gefährden.

Den Titel "Exportweltmeister" konnte Deutschland mit Ausfuhren im Wert von mehr als einer Billion Euro auch 2007 für sich beanspruchen. Laut Schnappauf soll dies auch 2008 möglich sein - obwohl es schwierig sein werde, sich gegenüber China durchzusetzen, sagte Schnappauf.

"Niemand weiß genau, wie lange dieser Wachstum anhalten wird." Die strukturelle Wachstumsschwäche sei nach wie vor noch nicht überwunden, sagte Schnappauf. Hier sehe er noch Handlungsbedarf für die Politk.

Der BDI forderte die Bundesregierung auf, den Haushalt schneller auszugleichen. "Spätestens 2010 soll die Netto-Neuverschuldung bei null sein. Bayern spart so 500 Millionen Euro“, sagte Schnappauf. Bei der Unternehmensteuerreform und der Erbschaftsteuerreform müsse die Bundesregierung noch nachbessern, so der BDI-Hauptgeschäftsführer.

Der ehemalige bayerische Umweltminister stellte auch die künftige Energieversorgung zur Debatte. Die deutsche Wirtschaft sage "Ja" zu den Klimazielen und den erneuerbaren Energien, so Schnappauf. Zugleich fordere er aber auch eine ehrliche Diskussion über die Laufzeiten der Kernkraftwerke.

(sueddeutsche.de/mah)