| Ressort: Wirtschaft URL: /wirtschaft/212/494547/text/ Datum und Zeit: 10.02.2010 - 04:36 |
| 16.11.2009 13:36 Uhr | Drucken | Versenden | Kontakt |
Noch längere LadenöffnungszeitenEinkaufen bis Mitternacht |
|
22 Uhr reicht noch nicht aus: Edeka und Rewe testen an ausgesuchten Standorten eine Ladenöffnung bis 24 Uhr. (Foto: AP)
Drei Jahre nach der weitgehenden Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten kommt erneut Bewegung in die Debatte. Vor allem unter den Lebensmittelhändlern ist ein Wettlauf um einen möglichst späten Geschäftsschluss ausgebrochen.
Immer mehr Supermärkte halten ihre Türen bis 22 Uhr offen. Die Marktführer Rewe und Edeka testen an ausgesuchten Standorten sogar die Öffnung bis 24 Uhr. Außer in Bayern, wo alle Läden spätestens um 20 Uhr schließen müssen, sind die Öffnungszeiten mittlerweile in allen Bundesländern entsprechend liberalisiert.
Vorreiter war bislang die Rewe-Gruppe. Sie öffnet bereits seit längerem jeden zweiten ihrer bundesweit 3300 Märkte bis 22 Uhr. Nun ziehen andere Ketten nach. Edeka schließt mittlerweile ebenfalls an vielen Standorten erst um 22 Uhr. Und im Oktober hat die Tengelmann-Gruppe die Öffnungszeiten in etlichen ihrer Kaiser's-Supermärkte um zwei Stunden auf 22 Uhr ausgeweitet.
Seit kurzem geht Rewe noch einen Schritt weiter: An stark frequentierten Standorten in den Innenstädten, in Bahnhöfen sowie in den Märkten an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn schließen die Ladentüren erst um Mitternacht. Auch Edeka, die Nummer eins im deutschen Lebensmittelhandel, testet nach Angaben einer Sprecherin bereits "in einer Handvoll Märkten" die Öffnung bis 24 Uhr, darunter sind die Läden in den Flughäfen München und Hannover.
Auch die Discount-Töchter von Edeka und Rewe liefern sich einen Wettlauf um lange Öffnungszeiten. Edeka-Ableger Netto hält die Türen an vielen Standorten bis 22 Uhr, mitunter sogar bis 23 Uhr geöffnet. Und bei Penny, dem Billiganbieter der Rewe-Gruppe, ist in deutlich mehr als der Hälfte der Märkte erst um 22 Uhr Schluss. Die Marktführer im Discount, Aldi und Lidl, haben darauf noch nicht reagiert. Ihre Läden schließen nach wie vor bereits um 20 Uhr.
Rewe und Edeka betonen zwar, den Ladenschluss keineswegs flächendeckend auf Mitternacht ausdehnen zu wollen, aber die Richtung ist klar. "Es gibt einen deutlichen Trend, die Geschäfte bis zum späten Abend zu öffnen", beobachtet Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE).
Grund dafür seien die veränderten Lebens- und Einkaufsgewohnheiten. Wer lange arbeite, sei froh, auch nach 20 Uhr Lebensmittel einkaufen zu können. Und in den vor allem in den Großstädten weit verbreiteten Single-Haushalten gelte ohnehin ein anderer Rhythmus als in Familien. Pellengahr ist überzeugt, dass der späte Ladenschluss Bestand haben wird. "An vielen Standorten wird sogar die Öffnung bis 24 Uhr zur Regel werden", prognostiziert er.
Für die Händler ist die lange Öffnung mit zusätzlichen Kosten verbunden. Der Aufwand für Logistik, Energie und Sicherheitsdienste steigt mit der Zahl der Stunden, die die Märkte am Abend geöffnet sind. Zu Buche schlagen auch die Personalkosten. Denn ab 18.30 Uhr erhalten die Beschäftigten einen Spätzuschlag von 20 Prozent auf ihre üblichen Bezüge; ab 20 Uhr sind es sogar 50 Prozent.
Die Supermarktbetreiber steuern dagegen, indem sie zu später Stunde die Bedientheken etwa für Wurst und Käse schließen. "Dafür gibt es am Abend ohnehin wenig Nachfrage", heißt es bei Edeka und Rewe. Auch setzen die Ladenbetreiber vielfach Mini-Jobber und Dienstleister ein, die für sie preiswerter sind als die Stammbelegschaft.
"Die Umsatzzuwächse machen die höheren Kosten wett", sagt ein Rewe-Sprecher. Ein Großteil des Umsatzschubes von fünf Prozent, den die Kette im ersten Halbjahr verzeichnet habe, gehe auf die bis 22 Uhr verlängerten Öffnungszeiten zurück. Arbeitnehmervertreter sehen die Entwicklung zum späten Ladenschluss kritisch.
"Das bringt für die Beschäftigten zusätzliche Belastungen mit sich", sagt eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi. Sie zweifelt daran, dass die bisher erzielten zusätzlichen Umsätze von Dauer sein werden. "Es wird ja nicht mehr eingekauft, nur weil die Läden länger geöffnet haben."
Sicher ist dagegen nach Einschätzung von Branchenkennern, dass sich die Marktanteile verschieben werden. Wer die Spätöffnung nicht mitmache, werde mittelfristig Kunden verlieren. Leidtragende seien aber auch die häufig rund um die Uhr geöffneten Tankstellen-Shops. Sie würden einen Wettbewerbsvorteil einbüßen.
|
|
| Artikel drucken | Fenster schließen |