7. Februar 2013, 18:15 Vortrag von Oliver Kahn in München Mensch, Oli!

Oliver Kahn hat nichts dem Zufall überlassen. Kein Zögern, keine Verhaspler, kein Scherz, der nicht geprobt wurde. Der Ex-Nationaltorwart hat ausgezeichnet trainiert - für einen Vortrag über die "Marke Oliver Kahn".

Von Angelika Slavik, München

Gleich zu Anfang versucht er sich in Selbstironie. "Also das Foto müssen Sie entschuldigen", sagt er. An die Wand wird nun ein Bild projiziert, das mehr als 20 Jahre alt ist: Ein Typ mit einer grausamen Frisur im Trikot des Karlsruher SC. "Das waren die Achtziger, da hat man offenbar so ausgesehen." Das Publikum lacht.

Das ist natürlich kein wahnsinnig origineller Scherz, aber ein sicherer Lacher - und Oliver Kahn wusste das, selbstverständlich. Kahn, 43, steht im abgedunkelten Tagungszimmer der Münchner Werbeagentur Serviceplan. Im Publikum sitzen gut hundert Leute. Werber, Marketingmenschen, Unternehmensvertreter. Kahn ist gekommen, um einen Vortrag zu halten. Thema: er selbst. Oder, wie es im Programm heißt: Die Marke Oliver Kahn.

Der Ex-Nationaltorhüter hat nichts dem Zufall überlassen. Die folgenden 60 Minuten sind durchkomponiert, es gibt kein Zögern, keine Verhaspler. Und keinen Scherz, der nicht geprobt wurde. Kahn, so könnte man sagen, hat ausgezeichnet trainiert.

Das passt, schließlich kommt er schnell auf das zu sprechen, was ihn auszeichnet. Ehrgeiz, Willenskraft, Leistung. Kahn selbst sagt: "diese starke Persönlichkeit". Das ist freilich nicht das Maximum an Ehrerbietung, das der Ex-Fußballer heute erfahren wird, im Gegenteil. Aber es ist auch eine vertrackte Aufgabe: Hier soll einer erklären, warum er selbst ein wirklich großartiger Promi für Werbespots ist. Und er soll erläutern, mit welch genialer Strategie er diese Großartigkeit erreicht hat. Wie macht man das ohne Selbstbeweihräucherung?

Kahn, die Berufslegende, steht deshalb nicht alleine vor dem Publikum. Er hat seinen Geschäftspartner Peter Ruppert mitgebracht, zusammen leiten sie die Titaneon Media AG, deren Geschäftsfeld, genau, Oliver Kahn ist. Ruppert steht also an der Seite und agiert als Stichwortgeber, während Kahn seine Karriere in vier Phasen einteilt: die Anfänge beim Karlsruher SC, der Aufstieg zum Welttorhüter, die Zeit als Nummer zwei in der Nationalmannschaft. Und, klar, die Neuorientierung nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn. Zwischendrin werden alte Werbespots gezeigt: Kahn schnaubt für "Lion"-Schokoriegel, Kahn reckt sich als riesige Adidas-Werbefigur über die Autobahn. Zwischendrin erfährt man, wie sich sein Bild in der Öffentlichkeit gewandelt hat, und dass es drei Jahre gedauert hat, bis sich seine Imagewerte von den Schlagzeilen rund um private Turbulenzen 2003 wieder erholt hatten. Es gibt auch Imagefilme. "Oliver Kahn. Von der Nummer eins zwischen den Pfosten zur Nummer eins der Herzen", schallt es durch den Raum. Der Beweihräucherte guckt dabei angestrengt ins Nichts. Ist ihm das peinlich?

Kahn hat studiert, trägt mittlerweile den Titel Master of Business Administration. Der Moderator, sichtlich beeindruckt, fragt ihn am Ende nach seinen Gründen, Werbung zu machen. "Monetäre Motive können es ja nicht sein." Kahn verzieht das Gesicht zu einer Grimasse. "Also", feixt er, "das lasse ich jetzt mal so stehen." War lustig.